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Innovative Experimente in der neuen Heimat

Die Zoologie-Studierenden Rebecca Louch und Shumail Ahmad von der University of Manchester forschen für neun Monate in den Biologie-Laboren der Universität Siegen. Hier können sie mit Software arbeiten, die es nur in Siegen gibt.

Es ist tropisch warm im Biologielabor. In den Regalen stehen Aquarien, Fische schwimmen darin. Die Bachelor-Studierenden Rebecca Louch und Shumail Ahmad sind von der University of Manchester im Rahmen des Erasmus-Programms nach Siegen gekommen, um in den Universitätslaboren zu forschen. Neun Monate bleiben die beiden Gäste. Für sie bedeutet das eine große Chance, denn in Siegen können sie innovative Forschungsmöglichkeiten kennenlernen, die es in Manchester nicht gibt.

Shumail Ahmad arbeitet zusammen mit seiner Betreuerin Stefanie Gierszewski in dem gemeinsamen DFG-Projekt von Prof. Klaus-Dieter Kuhnert (Informatik) und Prof. Klaudia Witte (Biologie) mit einer Software, die einen möglichst authentischen virtuellen 3D-Fisch erstellen kann. Je nachdem, wie sich der echte Fisch verhält, soll der virtuelle Fisch darauf reagieren. „Das ist deshalb wichtig, weil wir in der Forschung zwar das Aussehen eines echten Fisches verändern können, aber nie das Verhalten. Wir können also mit dem virtuellen Fisch ganz neue Experimente durchführen, die mit einem echten Fisch einfach nicht möglich wären“, erklärt Gierszewski, Doktorandin in der Biologie. Für den Gast-Studenten bedeutet diese Forschung Neuland: „Die Siegener Software ist einmalig. Die gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. In Manchester haben wir oft im Labor gearbeitet, aber nie mit experimenteller Software. Das wollte ich unbedingt. Deswegen bin ich hierhergekommen“, erzählt er.


Für Shumail Ahmad war das aber nicht der einzige Grund. Er ist in der Nähe von Frankfurt geboren und aufgewachsen, bis er acht Jahre alt war. Für sein Studium wollte er in seine alte Heimat zurückkehren, um sein Deutsch aufzufrischen. „Ich habe in Deutschland auf jeden Fall den Vorteil, dass ich bei der Sprache nicht bei null anfangen muss. Es ist super wichtig, die Landessprache zu sprechen, nicht nur fürs Studium, sondern auch fürs Leben neben der Uni.“ Der 20-Jährige wohnt in einer WG mit drei Studenten. Die helfen ihm, wenn er das bürokratische Deutsch in Anträgen nicht versteht.

Rebecca Louch spricht bisher nur wenig Deutsch, lernt es aber in Onlinekursen neben dem Studium. Im Projekt FENOMENO untersucht sie, wie sich kleinste Partikel, sogenannte Nanopartikel, auf die aquatische Umwelt auswirken und ob sie schädlich für Fische oder Daphnien (Wasserflöhe) sind. Während der Abwasserreinigung, zum Beispiel in einer Kläranlage, werden diese Partikel nicht herausgefiltert und gelangen in unsere Gewässer. Tiere, die im Wasser leben, können sie aufnehmen. Die 23-Jährige untersucht gemeinsam mit ihrer Betreuerin, der Doktorandin Sarah Hartmann, wie sich Wasserflöhe und Zebrafische verhalten, je nachdem, ob Nanopartikel im Wasser sind oder nicht. Weil Nanotechnologien und Nanowissenschaften immer wichtiger werden und für viele innovative Produkte verwendet werden, ist es wichtig zu wissen, welche Effekte sie auf Lebewesen haben können. Die deutschen Partner in dem EU-Projekt werden unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Shumail Ahmad und Rebecca Louch studieren im dritten Bachelor-Jahr und werden während ihres Auslandsjahrs durch Erasmus unterstützt. „Es ist toll, dass es diese Unterstützung gibt, denn sonst hätten wir vielleicht nicht die Chance gehabt, ins Ausland zu gehen“, sagt Shumail Ahmad. Von den Wohnungspreisen in Siegen sind sie begeistert. „Ein WG-Zimmer in Siegen bekommt man schon für 200 Euro, in Manchester bezahlt man mindestens das Doppelte“, sagt Rebecca Louch. In Siegen fühlen sich beide wohl. Am besten finden sie, dass die Stadt so grün und die Leute höflich sind. „Wenn ich in Siegen jemandem Hallo sage, dann grüßen mich die Leute zurück. In Manchester werde ich nur komisch angeguckt, von wegen: Was will der denn von mir?“, erzählt Shumail Ahmad.

Das Auslandsjahr ist eine Win-Win-Situation für die Studierenden und die Betreuerinnen. „Mit Rebecca und Shumail haben wir zwei internationale Studierende in unseren Laboren. Für uns ist das ein toller Lerneffekt, weil wir ständig Englisch sprechen, und das in der Wissenschaft ein absolutes Muss ist“, sagt Stefanie Gierszewski.

Mehr Infos zum FENOMENO-Projekt.

Mehr Infos zum Virtuellen Fisch-Projekt.

Ansprechpartnerin:
Dipl.-Biol. Stefanie Gierszewski
Universität Siegen, Institut für Biologie
Telefon: 0271 740-2093
E-Mail: gierszewski@chemie-bio.uni-siegen.de

Nora Frei

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Foto: Gast-Student Shumail Ahmad arbeitet zusammen mit seiner Betreuerin Stefanie Gierszewski mit einer Software, die einen möglichst authentischen virtuellen 3D-Fisch erstellen kann.
Bildnachweis: Universität Siegen