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Investition in die Köpfe

Seit zehn Jahren gibt es an der Universität Siegen die „Arbeitsstelle Hochschuldidaktik“. Sie vermittelt Lehrenden der Uni Kompetenzen – mit dem Ziel, die Qualität der Lehre kontinuierlich zu steigern.

An der Universität Siegen ist Spicken nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht – zumindest, wenn die Professorin oder der Professor die so genannte „Spickzettel-Methode“ anwendet. Dabei werden die Studierenden nach jeder Seminarsitzung aufgefordert, die wesentlichen Inhalte auf einem Spickzettel zusammenzufassen. In der Abschluss-Klausur dürfen die gesammelten Spickzettel schließlich als Arbeitshilfe genutzt werden. „Studierende lernen so nicht nur kurzfristig und prüfungsbezogen, sondern nachhaltig“, erklärt Alexander Schnücker von der „Arbeitsstelle Hochschuldidaktik“. Seit zehn Jahren unterstützt sie Lehrende dabei, die Qualität ihrer Seminare und Vorlesungen zu verbessern: Durch ein umfangreiches Weiterbildungsangebot mit Kursen und Vorträgen zu didaktischen Themen, aber auch Praxis-Beispielen wie der Spickzettel-Methode.

„Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Lehrende als ganzer Mensch, der sich in die Bildungsprozesse der Studierenden einbringt“, erklärt Fachleiterin Prof. Dr. Berbeli Wanning. Die Hochschuldidaktik sei eine Investition in das eigene Personal – und damit auch in die Zukunft der Universität: „Die Qualität der Lehre spielt im Wettbewerb um Studierende eine große Rolle. Die Hochschulen können sich dem nicht mehr entziehen.“ Die TeilnehmerInnen der Weiterbildungsangebote profitieren aber in erster Linie persönlich, betont Sandra Schönauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschuldidaktik: „Sie gewinnen Sicherheit und Souveränität. Das ist wichtig: In ihren Seminaren und Vorlesungen stehen sie schließlich Erwachsenen gegenüber.“

Die Angebote der Hochschuldidaktik richten sich an (Junior-) ProfessorInnen genauso, wie an wissenschaftliche MitarbeiterInnen, Promovierende oder Lehrbeauftragte. Sie können unter anderem an dem landesweiten Zertifikatsprogramm „Professionelle Lehrkompetenz für die Hochschule“ teilnehmen. Die Uni Siegen kooperiert dazu mit einem Dutzend anderer Hochschulen in NRW. „Das Zertifikatsprogramm ist bundesweit anerkannt und mittlerweile zu einer richtigen Marke geworden“, sagt Sandra Schönauer. Entsprechend groß sei die Nachfrage: „Die Wartelisten sind so lang, dass wir schon Zusatzveranstaltungen anbieten, die dann nachträglich für das Zertifikat angerechnet werden können.“

Das mehrjährige, berufsbegleitende Programm behandelt praxisnah mit der Lehre verbundene Themen und Fragen – zum Beispiel: Wie bereite ich Studierende gut auf Prüfungen vor? Bekommen sie von mir das, was sie dafür wissen müssen? Oder: Wie gehe ich mit Problemen um - zum Beispiel, wenn Studierende das, was ich ihnen vermitteln möchte, nicht verstehen?
Über 300 Teilzertifikate über einzelne Module sind an der Uni Siegen bisher vergeben worden, knapp 70 Lehrende haben das Programm bereits komplett abgeschlossen. Matthias Mielke aus der Medizinischen Informatik ist einer von ihnen: „Mir haben die Kurse ungemein geholfen, den Seitenwechsel vom Studenten zum Dozenten hinzubekommen“, sagt er. „Wir haben jede Menge Lehrmethoden und Herangehensweisen an die Hand bekommen. Das erleichtert die Planung von Lehrveranstaltungen sehr.“ Auch für BWL-Dozent Tobias Scholz hat sich die Teilnahme an dem Programm gelohnt: „Man bekommt dabei ein professionelles Feedback auf die eigene Arbeit. Das hat mir sehr geholfen.“

Wer sich in punkto Lehre weiterbilden möchte, muss sich aber nicht gleich für das Zertifikatsprogramm anmelden. Die Arbeitsstelle Hochschuldidaktik bietet darüber hinaus zahlreiche Vorträge, Workshops, Online-Kurse zum Selbststudium oder auch Podcasts an. „Das gibt uns die Möglichkeit, schnell auf aktuelle Entwicklungen und Trends wie „e-learning“ zu reagieren“, sagt Alexander Schnücker. Zu den Themen gehören zum Beispiel der Umgang mit so genannten „freien Lehr- und Lernmaterialien“ (Open Educational Ressources), oder innovative Unterrichtsmethoden wie das „Inverted Classroom“-Modell, einem Vorlesungsformat, bei dem die Inhalte als Video vorliegen und von den Studierenden außerhalb des Hörsaals rezipiert werden können.

Auch den Austausch von Lehrenden untereinander möchten die MitarbeiterInnen der Arbeitsstelle Hochschuldidaktik fördern: „Erfahrungen, Ideen und Geheimtipps haben schließlich wenig Nutzen, wenn sie nicht weitergegeben werden“, so Schnücker. Seit über zehn Jahren gibt es an der Uni Siegen deshalb zu Beginn des Wintersemesters den „Hochschuldidaktischen Tag“: Interessierte besprechen dabei neue Trends und Themen, die Ergebnisse werden anschließend festgehalten und öffentlich gemacht. Um einen landesweiten Austausch geht es beim ebenfalls jährlichen Treffen des „Netzwerks Hochschuldidaktik NRW“. In diesem Jahr hat er an der Uni Siegen stattgefunden, Fachleute zahlreicher anderer Hochschulen sind dazu auf den Haardter Berg gekommen.

Für Fachleiterin Prof. Berbeli Wanning hat die Hochschuldidaktik viel mit Verantwortung zu tun: „Die Lehrenden sind dafür verantwortlich, die jüngeren Generationen auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Das kann nur gelingen, wenn qualifiziertes, fähiges Personal zur Verfügung steht – die Köpfe sind das Wichtigste.“

Ansprechpartnerin bei der „Arbeitsstelle Hochschuldidaktik“:
Sandra Schönauer, Tel: 0271/740 3006, E-Mail:hochschuldidaktik@kosi.uni-siegen.de

HD_web

Beim Treffen des "Netzwerks Hochschuldidaktik NRW" haben sich im Oktober Fachleute aus ganz NRW an der Uni Siegen getroffen.