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Keine Angst vorm Alter: Senioren testen Hilfstechnik

Im Rahmen des Projektes „Cognitive Village – vernetztes Dorf“ setzt die Universität Siegen auf die Mitarbeit von Seniorinnen und Senioren. Auf Einladung der Uni konnten sie jetzt im Ludwig-Wittgenstein-Haus auf dem Campus Unteres Schloss verschiedene Hilfstechnologien testen.

Steht das Fenster ungewöhnlich lange offen, wird der Bewohner oder die Bewohnerin daran erinnert, es zu schließen. Das Pillen-Döschen erkennt, ob die täglichen Medikamente pünktlich entnommen wurden. Und liegt man länger im Bett, als gewöhnlich, wird per SMS der Sohn oder die Tochter alarmiert. Moderne Sensortechnik macht Wohnungen intelligent – und soll dazu beitragen, dass SeniorInnen möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben können. Selbstständigkeit bis ins hohe Alter ermöglichen, darum geht es im Forschungsprojekt „Cognitive Village - vernetztes Dorf“, das gemeinsam von ForscherInnen aller vier Fakultäten und dem Forschungskolleg (FoKoS) der Universität Siegen durchgeführt wird. Im Rahmen des Projektes wurden jetzt erstmals SeniorInnen an die Uni eingeladen, um bereits existierende Assistenzsysteme und -technologien zu testen.

„Sie sind wichtige Mitarbeiter in unserem Projekt“, begrüßte Projektmitarbeiter Dominik Hornung die zehn SeniorInnen zu Beginn des Workshops. „Wir möchten von Ihnen erfahren, welche Unterstützung Sie in Ihrem Alltag wirklich brauchen und wie sie die verschiedenen Hilfsmittel vor diesem Hintergrund einschätzen.“ Drei Stationen hatten die ForscherInnen für den Workshop aufgebaut: Neben der intelligenten Wohnung mit Sensor-Technik konnten die SeniorInnen auch praktische Alltagshelfer wie Besteck mit verstärktem Griff oder ein ergonomisch geformtes Brotmesser testen. Außerdem wurden Ihnen Notruf-Systeme und Schlüsselanhänger, beziehungsweise Smartwatches mit Ortungs-Funktion vorgestellt.

Die RenterInnen nahmen ihren Job im Forschungsprojekt dabei sehr ernst – und die ihnen vorgestellte Technik kritisch unter die Lupe. Beispiel Sensor-Auflagen für Matratzen: „Ist ja schön und gut, dass meine Angehörigen informiert werden, wenn ich länger als sonst im Bett liege. Aber was ist denn eigentlich, wenn ich einfach mal ausschlafen möchte?“, wandte Elke Dietz ein. Ihren Mann Rüdiger interessierte vor allem das Thema „Datensicherheit“: „Die intelligente Wohnung sammelt ja jede Menge Informationen und Daten über mich. Wer hat darauf denn eigentlich Zugriff?“

Bei den Notruf- und Ortungssystemen ging es den SeniorInnen vor allem um die Alltagstauglichkeit. Schaffe ich es, rechtzeitig einen Notruf abzugeben, wenn es mir nicht gut geht? Oder macht es nicht mehr Sinn, die Systeme in so genannte „Wearables“ zu integrieren – etwa intelligente Armbanduhren, die den Puls messen und bei Auffälligkeiten einen Alarm auslösen. Denke ich im Alltag daran, solche Geräte auch wirklich zu tragen? „Ich würde mir auf jeden Fall ein System wünschen, das Notruf und Ortung miteinander kombiniert“, so Brigitte Muus: „Habe ich für jede Funktion ein Einzelgerät, dann suche ich diese am Ende ständig.“ Den SeniorInnen ist aber auch wichtig, nicht zu Vieles an die Technik abzugeben. Es halte schließlich fit, den eignen Alltag selbst zu managen, argumentierten sie.

Die Autonomie älterer Menschen fördern – das ist auch ein wichtiges Ziel der ForscherInnen im Projekt „Cognitive Village – vernetztes Dorf“. „Wir möchten verschiedene Hilfstechnologien in ein Gesamtsystem integrieren, das von den Seniorinnen und Senioren selbst bedient und gesteuert werden kann. Die Technik muss sich dazu an die Menschen anpassen, damit sie zum Erhalt der Lebensqualität beitragen kann“, erklärte die Projektleiterin im Bereich Nutzerforschung, Jun.-Prof. Dr. Claudia Müller. Die Zusammenarbeit mit den künftigen NutzerInnen sei im Rahmen des Forschungsprojektes sehr wichtig: „Gemeinsam mit den älteren Menschen schauen wir uns immer wieder Ansätze und bestehende Technologien an, um herauszufinden, wie Hilfsmittel einen sinnvollen Platz im Leben der älteren Menschen finden können.“

Bereits seit einem Jahr steht das Forscherteam dazu in engem Kontakt zu insgesamt zwanzig SeniorInnen, die in Wohnungen der Kreiswohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft (KSG) in Siegen leben. Regelmäßig tauschen sich die Uni-MitarbeiterInnen mit ihnen aus. „Ich profitiere davon auch persönlich sehr – ich lerne hier viele neue Dinge kennen“, sagte Teilnehmerin Magdalena Klinge am Ende des aktuellen Workshops. Auch Elke Dietz war mit Begeisterung dabei: „Was ich hier sehe, nimmt mir die Angst vorm Altern. Mir ist es sehr wichtig, in meinen eigenen vier Wänden zu bleiben. Die Forschung hier an der Uni macht das möglich.“

Zum Hintergrund: Im Forschungsprojekt „Cognitive Village – vernetztes Dorf“ arbeiten WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Disziplinen der Universität Siegen zusammen. Zu den Projektpartnern gehören außerdem Unternehmen, die Wohnungsgesellschaft KSG und das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit rund 1,2 Mio. Euro. Die im aktuellen Workshop getesteten Hilfsmittel wurden von der Wohnberatung Siegen-Wittgenstein e.V. und der Firma Casenio zur Verfügung gestellt.

Ansprechpartner: Jun.-Prof. Dr. Claudia Müller, E-Mail: claudia.mueller@uni-siegen.de , Tel: 0271 740-4076

Senioren_web

Rüdiger Dietz und Brigitte Muus in der sensorgesteuerten Testwohnung des Projektes "Cognitive Village - vernetztes Dorf".