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Diplomatie aus Siegen

Siegener Studierende stellen kanadische Delegation bei der weltgrößten UN-Simulation in New York.

„All jenen, die vor Verfolgung, Terror und Krieg fliehen: Kanadier werden euch willkommen heißen, unabhängig von eurem Glauben. Vielfalt ist unsere Stärke.“ Die jüngsten Worte des kanadischen Premierministers stehen in einem offensichtlichen Spannungsverhältnis zur derzeitigen US-amerikanischen Agenda. Diplomatische Herausforderungen wie diese sind es, denen sich Siegener und Paderborner Studierende stellen werden, wenn sie gemeinsam als kanadische Delegation die Interessen „ihres“ Landes in verschiedenen UN-Gremien vertreten dürfen. Seit 2009 ist die Universität Siegen ein ständiger Teilnehmer am „National Model United Nations“ (NMUN), dessen Konzept darin besteht, die Arbeit der Vereinten Nationen in einer mehrtägigen akademischen Simulation abzubilden. Zu diesem Anlass reisen am 17. März 20 Studierende ganz unterschiedlicher Fachdisziplinen nach New York, um im UN-Hauptquartier ihrer diplomatischen Aufgabe nachzukommen.   

Nachdem die Siegener Delegierten ein mehrstufiges Auswahlverfahren absolviert haben, konnten sie sich seit Anfang Dezember voll auf die letzte Etappe in New York konzentrieren. Bis zur Abreise werden in wöchentlichen Vorbereitungssitzungen neben einem grundlegenden politischen Verständnis vor allem rhetorische Kompetenzen und zielorientierte Gesprächsführung trainiert. Um auf dem diplomatischen Parkett bestehen zu können, müssen allerdings auch formale Aspekte berücksichtigt werden. „Bevor man ein Land vertreten kann, muss zuerst der eigene Handlungsrahmen abgesteckt werden. Die Frage ist: Was kann und darf das Komitee?“ so Tyll Röver, Student der Wirtschaftswissenschaften und zuständig für die kanadische Finanzpolitik.  

Letztes Jahr Nordkorea, dieses Jahr Kanada  


Sobald die bürokratischen Voraussetzungen geklärt sind, werden Positionspapiere angefertigt. Hierbei müssen sich die Studierenden jedoch strikt nach den wirklichen Ansichten des ihnen zugeteilten Landes richten. „Es gibt keinen Platz für persönliche Standpunkte; Authentizität ist die oberste Bedingung“, sagt Anke Freuwört, derzeit Master-Studentin der Sozialwissenschaften und dieses Jahr mitverantwortlich für die Betreuung der Studierenden.  

Im Vergleich zum Vorjahr – die Studierenden repräsentierten Nordkorea – dürfte die Vorbereitung allerdings weitaus weniger Schwierigkeiten bereiten. Im Fall Kanada gibt es hinreichend viele offizielle Informationsmöglichkeiten. Auch ist das diplomatische Selbstverständnis der beiden Länder grundverschieden. Wo die nordkoreanische Delegation wenig internationale Kooperationsbereitschaft zu erwarten hatte und sich stattdessen in populistischer Rede übte, ist Kanada „ein weltoffenes und etabliertes G7-Land, welches in den einschlägigen Komitees eine tragende Rolle spielt“, ergänzt Laura Carlotta Durando, Studentin der Literatur-, Kultur-, Medienwissenschaften.  

Durch Donald Trump ändert sich nichts an der Agenda  

Auch auf das derzeit durch Trumps Präsidentschaft unvorhersehbare und angespannte Verhältnis zu den USA blickt man mit Gelassenheit: „Trumps Wahlsieg ändert nichts an unseren grundlegenden Überzeugungen“, räumt Freuwört ein. Dennoch, so fügt Röver hinzu, sei das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) eines der wichtigsten Freihandelsabkommen für Kanada und bleibe somit in finanzpolitischer Hinsicht Priorität Nummer eins.  

Abgesehen von dem politischen Bildungsanspruch, sei der kompetenzvermittelnde Charakter des Programms hervorzuheben, von welchem Studierende aller Fakultäten profitieren, betont Gerrit Pursch, langjähriger Koordinator des MUN-Programms. So resümiert auch Clinton Richard Victor Thiagarajan, Siegener Chemie-Student: „Die gesammelten Erfahrungen haben mich auf mögliche Verhandlungssituationen in meinem späteren Berufsfeld vorbereitet, so etwas geht über den regulären Uni-Alltag hinaus“.  

Das Programm wird von den Fakultäten der Universität Siegen und dem DAAD teilfinanziert. Die restliche Summe müssen die Studierenden in Eigeninitiative einwerben beziehungsweise selbst aufbringen.

Weitere Informationen: www.mun-siegen.de

Ansprechpartner
Gerrit Pursch, M.A.
Universität Siegen
Telefon: 0271 740-3028
E-Mail: gerrit.pursch@uni-siegen.de