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„Populisten sind immer die anderen“

Auf einer Podiumsdiskussion der Universität Siegen diskutierten die TeilnehmerInnen im Apollo-Theater über „Populismus und Eliten“.

Gibt es so etwas wie die Lügenpresse? Sollten Medien die Nationalität von Tätern nennen oder sie bewusst verschweigen? Und wie sollte man sich im Gespräch mit Rechtspopulisten verhalten? Fragen wie diese waren Thema bei der Podiumsdiskussion „Populismus und Eliten“ der Universität Siegen. Mit dabei waren Journalist und Publizist Jens Jessen (Die ZEIT), Theologie-Professorin Dr. Veronika Albrecht-Birkner (Uni Siegen), Sabine Bechheim (IHK Siegen), Volker Schüttenhelm (Englischlehrer und Vizepräsident des Verbandes der Deutsch-Amerikanischen Clubs) und Dominik Hartmann (1. Vorsitzender der Judo-Vereinigung Siegerland e.V.). Die Diskussion war Teil der Biennale „Heimat2“ des Apollo Theaters Siegen. Moderiert wurde sie vom Chefredakteur der Siegener Zeitung, Dieter Sobotka. Organisiert wurde der Abend vom Seminar für Anglistik der Uni Siegen.

„Populisten sind immer die anderen, nie man selbst.“ Mit diesem Statement eröffnete ZEIT-Redakteur Jens Jessen die Diskussion und machte damit gleichzeitig deutlich, dass die Definition, was Populismus überhaupt ist, gar nicht so klar und einfach zu fassen ist. Sabine Bechheim von der IHK Siegen meinte: „Populismus bringt einfache Lösungen in einer komplexen Welt und ist dabei allein emotional gestützt.“ Um Argumente gehe es nicht. Jessen verpackte diese Meinung in drastischere Worte: „Populisten versuchen, das Volk bei der dümmeren Seite zu fassen mit Versprechen, die niemand einhalten kann.“

Wie gehe ich am besten mit Rechtspopulisten um?

Was aber tun, wenn man am Esstisch, in der Fußgängerzone oder am Arbeitsplatz auf Populisten trifft? Sollte man mit ihnen reden, sie ignorieren oder sie bewusst ausgrenzen und nicht zu Wort kommen lassen? Dazu sagte Sabine Bechheim: „Wir sollten Türen immer offenhalten, reden und das Leben im Konsens regeln. Und sei es nur, um zweifelnde Personen wieder auf einen demokratischen Weg zu bringen.“ Redakteur Jessen stimmte dem zu, allerdings mit einer Einschränkung: „Ein Gesprächsabbruch ist immer eine Niederlage, aber manche Gespräche muss man gar nicht erst beginnen, weil sie sinnlos sind.“ Wenn jemand offen rassistisch sei und zum Beispiel behaupte, dass Flüchtlinge schlimme Krankheiten ins Land bringen, dann sei das nicht hinnehmbar. „Ich diskutiere nicht mit Nazis“, fasste er seine Position zusammen, der die anderen TeilnehmerInnen zustimmten.

Sollten Medien die Nationalität eines Täters nennen?

Weniger klar waren die Antworten darauf, wie man mit der Berichterstattung über Straftaten umgehen sollte: Über die Nationalität des Täters schweigen oder darüber berichten? Redakteur und Publizist Jessen gab einen Einblick in die Redaktion der ZEIT, in der es ebenfalls verschiedene Ansichten gebe. Er selbst habe keine eindeutige Antwort. Bei Themen wie Zwangsheiraten sehe er einen kausalen Zusammenhang mit der Herkunft aus islamischen Ländern. In diesen Fällen fände er es in Ordnung, die Nationalität zu erwähnen. „Wenn ich aber sage, dass im Jahr 2016 70 Prozent der Einbrecher Brillenträger waren, bringt mir das nichts.“ Gleiches gelte für die Nennung der Nationalität. Zum einen gebe es keine bewiesenen kausalen Zusammenhänge, zum anderen sei dadurch nichts gewonnen. Chefredakteur und Moderator Dieter Sobotka gab zu Bedenken, dass Leser das Gefühl haben könnten, Journalisten ließen wissentlich Informationen weg, wenn sie die Nationalität der Täter nicht nennen.

Informieren die Medien immer ausgewogen?

Das führte ihn gleich zur nächsten Frage: Gibt es so etwas wie die Lügenpresse? Die Beteiligten auf dem Podium waren sich einig, dass das Quatsch sei. Sie fühlten sich gut informiert, auch aufgrund der Vielfalt der Medien in Deutschland. Uni-Professorin Birkner-Albrecht sagte dazu: „Ich bin in der DDR aufgewachsen. Staatlich gelenkte Presse geht anders.“