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„Technische Begleiter oder algorithmische Bevormunder?“

Das Forschungskolleg der Uni Siegen (FoKoS) hat in einem Ethik-Workshop Chancen und Risiken von technischen Unterstützungssystemen für Senioren diskutiert. Gleich zwei Vortragende waren Mitglieder des Ethikrates.

Unser Alltag wird immer digitaler und vernetzter. Für ältere Menschen haben technische Unterstützungssysteme den Vorteil, dass sie länger in hoher Lebensqualität in ihrem persönlichen Umfeld leben können. Smartphone-Apps und sogenannte Wearables, in Form von Armbändern oder Brillen, welche mit Sensoren ausgestattet sind, sorgen für Sicherheit. Sie messen und speichern aber auch persönliche Daten und lassen Senioren zu gläsernen Bürgern werden. Im Ethik-Workshop des FoKoS diskutierten ExpertInnen, wie weit wir gehen wollen, und welche Grenzen wir ziehen sollten, damit unser Leben selbstbestimmt bleibt.

Die Erkenntnisse lassen sich praktisch umsetzen auf das Projekt „Cognitive Village – Vernetztes Dorf“, das das Forschungskolleg der Uni Siegen (FoKoS) durchführt. Dabei testen Senioren im Alltag Hilfstechnologien, nehmen sie kritisch unter die Lupe und melden ihre Erfahrungen an die WissenschaftlerInnen der Uni Siegen zurück. Ein realistischer Fall: Der Fitness-Tracker im Projekt „Cognitive Village“ wertet regelmäßig Gesundheits-Daten aus und entdeckt zufällig bei einer Rentnerin Parkinson. Sollten die Wissenschaftler der betroffenen Seniorin von der Krankheit auf jeden Fall berichten, weil sie eine Verantwortung für die Gesundheit haben? Oder sollte die Seniorin auf keinen Fall davon erfahren, weil die Diagnose zu unsicher ist? Professorin Christiane Woopen von der Universität zu Köln und Mitglied des Deutschen Ethikrates argumentierte, dass die beste Variante sei, vorab mit den Nutzern der Fitness-Tracker individuell zu sprechen, damit sie gemeinsam mit den Experten entscheiden können, ob sie im Fall der Fälle informiert werden möchten oder nicht.

Um das entscheiden zu können, müssten die Senioren verstehen, welche Daten ein Fitness-Tracker sammelt, speichert, verarbeitet, auswertet und an welche dritten Personen oder Unternehmen die Daten gesendet werden. „Es geht nicht darum, dass die Senioren die technischen Details kennen, sondern dass sie ein grundlegendes Verständnis über Chancen und Risiken haben“, sagte Woopen. „Nur so können sie eine informierte Entscheidung treffen.“ Das gelte nicht nur für Fitness-Tracker, sondern für alle digitale und vernetzte Systeme.ethikworkshop_web

Zu den Vortragenden im Workshop gehörten gleich zwei Mitglieder des Deutschen Ethikrates: Neben der Hauptrednerin, Professorin Christiane Woopen, referierte Professor Carl Friedrich Gethmann, Seniorprofessor am FoKoS der Uni Siegen, zu „Überlegungen zu einer altersspezifischen Mit- und Umwelt".

Hintergrund
Im Forschungsprojekt „Cognitive Village – vernetztes Dorf“ arbeiten WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Disziplinen der Universität Siegen zusammen. Zu den Projektpartnern gehören außerdem Unternehmen, die Wohnungsgesellschaft KSG und das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit rund 1,2 Mio. Euro. Die im aktuellen Workshop getesteten Hilfsmittel wurden von der Wohnberatung Siegen-Wittgenstein e.V. und der Firma Casenio zur Verfügung gestellt.

Kontakt:
Vanessa Simon, FoKoS
vanessa.simon@uni-siegen.de
0271 740-3926