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Muslimische Familien im Fokus

Angehende SozialarbeiterInnen haben sich an der Uni Siegen mit Sozialarbeit in muslimischen Familien beschäftigt: Welche besonderen Herausforderungen gibt es? Und wie könnten Lösungsansätze aussehen?

Wenn Familien so große Probleme haben, dass zum Schutz der Kinder Hilfe von außen nötig ist, erfordert das bei SozialarbeiterInnen grundsätzlich viel Fingerspitzengefühl. Besonders sensibel sind solche „sozialpädagogischen Interventionen“ in muslimischen Familien. Wie soziale Arbeit trotz religiöser und kultureller Unterschiede erfolgreich sein kann, haben jetzt Studierende der Sozialen Arbeit an der Uni Siegen untersucht. Ein Semester lang haben sie sich unter Leitung von Professor Dr. Klaus Wolf (Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft/ Sozialpädagogik) mit unterschiedlichen Fragestellungen beschäftigt. Ihre Ergebnisse präsentierten die Kleingruppen zum Abschluss in einer öffentlichen Seminarsitzung.

Wie werden muslimische Familien in Deutschland öffentlich dargestellt? Wie wird in türkischen Medien über deutsche Jugendämter berichtet? Wie kann Kinderschutz in muslimischen Familien erfolgreich praktiziert werden? Und wie geht es muslimischen Kindern in nicht-muslimischen Pflegefamilien? Um Antworten auf solche und ähnliche Fragen zu finden, haben die Studierenden Medienberichte und Praxisbeispiele analysiert – und Interviews mit betroffenen Kindern und Familien geführt.

Auf beiden Seiten erschweren bestehende Vorurteile häufig eine erfolgreiche Zusammenarbeit, haben die Arbeitsgruppen dabei herausgefunden. So würden muslimischen Familien in der deutschen Öffentlichkeit häufig patriarchale Strukturen sowie ein fehlender Integrationswille vorgeworfen. Umgekehrt sehen sich aber auch deutsche Jugendämter in türkischen Medien scharfer Kritik gegenüber: Ihnen werde im Zusammenhang mit der Unterbringung türkischstämmiger Kinder in nicht-muslimischen Pflegefamilien Assimilation und der Versuch einer Christianisierung vorgeworfen, berichteten die SeminarteilnehmerInnen. Aufklärungsarbeit sei daher dringend notwendig. Wünschenswert seien außerdem mehr Fachkräfte mit Migrationshintergrund – sie könnten dazu beitragen, Brücken zu bauen zwischen deutschen Ämtern und muslimischen Familien.

Wie SozialarbeiterInnen erfolgreich mit muslimischen Familien zusammenarbeiten können, haben die Studierenden anhand eines Praxisbeispiels aus Solingen untersucht. Es gehe darum, „kultursensibel“ zu agieren: Bei Familienbesuchen sollten Höflichkeitsformen wie zum Beispiel das Ausziehen der Schuhe beachtet werden. SozialarbeiterInnen sollten bestehende Familienstrukturen respektieren und versuchen, die gesamte Familie in den Prozess einzubinden. Dabei sollten die Kompetenzen der Eltern anerkannt und das Wohl des Kindes als gemeinsames Interesse in den Mittelpunkt gestellt werden.

Dass die Unterbringung muslimischer Kinder und Jugendlicher in nicht-muslimischen Pflegefamilien allen Beteiligten viel Toleranz und Rücksichtnahme abverlangt, erfuhren die Studierenden im Interview mit Betroffenen. Wenn die Pflegekinder fünfmal am Tag beten, kein Schweinefleisch essen und den Ramadan einhalten, hat das Auswirkungen auf das gesamte Familienleben. Wünschenswert sei es daher, mehr interkulturelle Pflegefamilien zu finden, erklärten die Studierenden. Das sei jedoch nicht einfach: Menschen mit Migrationshintergrund hätten oft negative Erfahrungen mit deutschen Behörden gemacht. Häufig bestünden darüber hinaus kulturell geprägte Vorbehalte gegenüber Pflegeverhältnissen.

Prof. Dr. Klaus Wolf lobte die Studierenden abschließend für ihre Arbeit. Es gebe in Deutschland nach wie vor zu wenige Konzepte und Standards für die Kooperation zwischen Familien und Ämtern, betonte er. Auch Fachkräfte, die für die Zusammenarbeit speziell mit muslimischen Familien ausgebildet sind, würden dringend gesucht. „An der Uni Siegen haben wir pro Jahr etwa 250 Studierende der Sozialen Arbeit – viele von ihnen stammen aus Familien mit Migrationshintergrund und bringen bereits interkulturelle Kompetenz mit. Insofern können wir hier einen wichtigen Beitrag leisten.“

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