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Respekt und Anerkennung

Nobelpreisträger Prof. Dr. Joachim Frank reiste mit seiner Frau Carol aus New York nach Siegen und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität. Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bürgermeister Steffen Mues (r.) gratulierten.

Beim Jahresempfang der Universität Siegen wird Nobelpreisträger Prof. Dr. Joachim Frank die Ehrendoktorwürde verliehen – Festvortrag von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Die Menschen erheben sich von ihren Plätzen. Applaus rauscht durch das Audimax. Minutenlang. Eine besondere Geste für einen besonderen Gast. Prof. Dr. Joachim Frank, der Chemie-Nobelpreisträger 2017 und gebürtige Siegener, bekommt die Ehrendoktorwürde der Universität Siegen verliehen. Es ist einer der Höhepunkte des traditionellen Jahresempfangs, zu dem Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart eingeladen hat. Die mehr als 500 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft lernen nicht nur den Nobelpreisträger kennen, sondern erleben als Festredner außerdem den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet. Und dann sind da noch vier herausragende Studierende, die für ihre Leistungen ausgezeichnet werden. „Respekt und Anerkennung“ sind deshalb die Schlagwörter, mit denen Rektor Burckhart im Gespräch mit Moderator Armin Himmelrath gleich zu Beginn den Abend umreißt. Dass die Universität in der Lage sei, interdisziplinäre Forschung auf internationalem Niveau zu leisten, verdanke man großartigem Einzelengagement, aber auch allen WissenschaftlerInnen, den MitarbeiterInnen der Verwaltung und den Studierenden. Projekte wie „Medizin neu denken“, aber auch die bauliche Erneuerung und Erweiterung zeige: „Die Uni Siegen wird respektiert, und was anerkannt wird, wird auch gefördert“, so Burckhart.

je2018_publikumInterdisziplinäre Forschung mit revolutionärer Bedeutung

Wieder bei den Stichwörtern „Respekt und Anerkennung“ angekommen, war es an Prof. Dr. Holger Schönherr, Dekan der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät, die Laudatio für Joachim Frank zu halten. Revolutionär seien die Erkenntnisse von Franks Forschung. Der Biophysiker bekam den Nobelpreis in Chemie zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftlern für die Entwicklung der sogenannten Kryo-Elektronenmikroskopie. Eine Methode, bei der Moleküle „eingefroren“ und durch bildgebende Verfahren in einer 3D-Struktur rekonstruiert werden können. „Dadurch wird es möglich, Strukturänderungen in einer Zelle zu erkennen“, erklärte Schönherr. Die Forschung betreffe Chemie, Physik und Biologie. „Was ich hier so salopp zusammenfasse, ist ein Lebenswerk“, betonte der Siegener Chemie-Professor. „Die Ehrendoktorwürde an Joachim Frank verleihen zu dürfen, ist auch eine Ehre für unsere Universität.“

Erinnerungen an die Kindheit

Frank, der mit seiner Frau Carol aus New York für einige Tage nach Siegen gereist war, bedankte sich mit einer charismatischen Rede, gespickt mit kleinen Erinnerungen an seine Kindheit und Schulzeit. Er erzählte, wie er im „Kabäuschen“ im Garten seiner Eltern die ersten kleinen Experimente machte. Von seinem Physiklehrer, den man den „schönen Willi“ nannte und der ihn geprägt habe. Und von den Trümmern der Nachkriegszeit, die vielleicht auch für sein Interesse an der Wissenschaft verantwortlich seien. „Weil ich auf der Suche war nach Bedeutung in dieser chaotischen Welt.“ Frank, der nach dem Studium in Freiburg und der Promotion in München, 1970 in die USA ging, zeigte sich berührt von dem Besuch in Siegen. „Es bedeutet mit sehr viel, von der Universität meiner Heimatstadt geehrt zu werden.“

je2018_laschetFestvortrag von Ministerpräsident Armin Laschet

Die Urkunde der Ehrendoktorwürde wurde Frank vom NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet überreicht. Dieser hatte zuvor in seiner Rede über „Perspektive(n) Südwestfalen“ die Region als wirtschaftlich stark gelobt. Die Problemgebiete in Nordrhein-Westfalen lägen woanders. „Aus Südwestfalen bekommt man in Düsseldorf höchstens das Signal: Behindert uns nicht zu sehr mit Vorschriften“, erklärte Laschet augenzwinkernd. Aber natürlich seien auch in einer wirtschaftlich gut aufgestellten Region Fragen der Infrastruktur wichtig. Dazu gehörten neben Verkehrswegen, die Bildung und die Gesundheitsversorgung. Mit dem Modellprojekt „Medizin neu denken“ hoffe man, unter anderem dem Ärztemangel im ländlichen Raum begegnen zu können. „Wenn Medizinstudierende künftig hier ihre praktischen Erfahrungen sammeln können, werden sie sich vielleicht an die Region binden.“ Wenn alle, die Karriere machen wollten, in die Städte strebten, könne das nicht gutgehen: weder in den Städten noch auf dem Land. Die Universität Siegen stehe für Innovation. „Sie kann auch gesellschaftliche Entwicklungen voranbringen“, so Laschet.

Preise für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Traditionell werden beim Jahresempfang Studierende für herausragende Leistungen ausgezeichnet. Die Förderpreise der Dirlmeier-Stiftung gingen dieses Mal an Dr. Johannes Paßmann für seine Arbeit über „Die soziale Logik des Likes: Eine Twitter-Ethnografie“ sowie an Dr. Markus Suta, der zum Thema „Luminescence properties of divalent lanthanides and excitons in the halidoperovskites CsMX3 (M=Mg, Ca, Sr; X=Cl, Br, I) – Mechanistic insights into novel promising scintillators“ promoviert hat.

Den Preis der Universität Siegen für den wissenschaftlichen Nachwuchs erhielt Dr.-Ing. Miguel Heredia Conde für seine Doktorarbeit „Compressive Sensing for the Photonic Mixer Device“. Talish Babayev wurde mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) als Anerkennung für besondere akademische Leistungen und bemerkenswertes interkulturelles Engagement geehrt. Prof. Dr. Peter Haring Bolívar, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, gratulierte den Preisträgern und betonte: „Was uns nach vorn bringt, ist die Arbeit der jungen Talente.“

je2018_preise

Kurzer Protest und stummer Abgang

Bevor der Ministerpräsident eingetroffen war, hatte kurzzeitig eine Gruppe Studierender die Bühne erobert. Die Vorsitzende des AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), Vera Fengler, ergriff spontan das Wort, sprach sich gegen Armin Laschet als Festredner aus („Davon hat kein Studierender dieser Uni etwas.“) und wollte bei der Podiumsdiskussion mit ihm, zu der sie eingeladen war, nicht nur als „Beiwerk“ auftreten. Ohne auf das Gesprächsangebot von Armin Himmelrath einzugehen, verließ sie mit der Gruppe den Saal.

Rektor Burckhart betonte, dass die Studierenden selbstverständlich Rederecht haben. Er respektiere den Auftritt als Meinungsäußerung, distanziere sich aber kritisch von den Aussagen über den Ministerpräsidenten.

Musikalisch umrahmt wurde der Jahresempfang von der Uni Big Band unter der Leitung von Hartmut Sperl.

Sabine Nitz