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Wer hat das Sagen im Unternehmen?

Siegener WissenschaftlerInnen erforschen, wie ArbeitnehmerInnen in Unternehmen mitgestalten und mitentscheiden können.

Wie würden Entscheidungen aussehen, wenn nicht allein die ManagerInnen eines Unternehmens das Sagen hätten, sondern alle ArbeitnehmerInnen des Betriebs? Funktioniert es, wenn ArbeitnehmerInnen selbst entscheiden dürfen, wer ihre ChefInnen sind? Und was geschieht, wenn alle im Unternehmen vom Gewinn profitieren würden? WissenschaftlerInnen der Uni Siegen behandeln Fragen wie diese in einem neuen Forschungsfeld. Unter dem Titel „Wirtschaft demokratisch“ veranstalten sie am 21. März eine Tagung, organisiert von der Forschungsstelle Plurale Ökonomik und dem Lehrstuhl für Innovations- und Kompetenzmanagement der Universität Siegen. Ziel der Siegener ForscherInnen ist es, in demokratischen Unternehmen zu erforschen, was bereits gut funktioniert und wo Schwierigkeiten auftreten.

„Für gewöhnlich gibt ein Arbeitnehmer einen Teil seiner Bürgerrechte an der Firmentür ab“, erklärt Dr. Jürgen Daub. Er forscht am Lehrstuhl für Innovations- und Kompetenzmanagement von Prof. Dr. Gustav Bergmann. „Gewerkschaften und Arbeitgeber verhandeln, welche Rechte gelten, der Arbeitnehmer hat darauf kaum Einfluss“, sagt Daub. Viele Unternehmen seien aus diesem Grund leicht antidemokratisch. „Das wollen wir ändern. Wir schauen, wie wir Beschäftigte besser an Unternehmen beteiligen können, nicht nur finanziell, sondern auch durch Teilhabe im Arbeitsalltag.“

MitarbeiterInnen demokratisch zu beteiligen, bedeutet nicht, dass man sie bei jedem Schritt und bei jeder kleinen Entscheidung einbeziehe. Das wäre in der Praxis auch gar nicht möglich, weiß Daub. Wenn es aber um die Hierarchie im Unternehmen geht, sieht das anders aus: „Es ist durchaus möglich, ArbeitnehmerInnen darüber abstimmen zu lassen, wen sie als Vorgesetzte haben möchten. Bei Grundsatzentscheidungen ist das ähnlich: ArbeitnehmerInnen sollten mitentscheiden können, wofür der Gewinn, den sie mit menschlicher Arbeitskraft geschaffen haben, verwendet werden soll“, fordert Daub. Und sie sollten ebenso mitentscheiden dürfen, welche Dinge produziert werden, gerade hinsichtlich ökologischer Bedingungen und gesellschaftlich sinnvoller Produkte.

Manche Unternehmen handeln bereits nach einigen dieser demokratischen Leitlinien, im Siegerland zum Beispiel das Autohaus Hoppmann, das seit den 1960er Jahren schon eine finanzielle Erfolgsbeteiligung der dort Beschäftigten praktiziert. Darüber hinaus beispielsweise der Software-Entwickler Haufe umantis, bei dem die MitarbeiterInnen alle Führungskräfte selbst wählen dürfen. Eine solche Unternehmenskultur sei nicht nur für ArbeitnehmerInnen positiv, auch das Unternehmen selbst profitiere. „Man steigert dadurch schließlich die intrinsische Motivation der ArbeitnehmerInnen“, sagt Daub. Er sieht aber auch Grenzen: Nicht jeder Arbeitnehmer wolle mitentscheiden. „Manche mögen es von ihrem Naturell eher, wenn sie vorgegebene Aufgaben und Regeln haben, an denen sie sich orientieren können.“ Teilhabe sei ein Angebot, keine Pflicht.

Neben der soziologischen Perspektive erforschen die WissenschaftlerInnen das Thema auch aus Sicht der Rechtsgeschichte. „Im Grundgesetz ist verankert, dass Eigentum verpflichtet“, sagt Daub. „Aber wo ist das in der Realität der Fall?“ Unternehmen müssten sich mit Umweltfragen beschäftigen, genauso wie mit Fragen rund um Arbeitslosigkeit. „Das sehen wir leider viel zu selten in der Praxis.“

Die Forschungsfragen werden seit einigen Semestern bereits in Seminaren und Vorlesungen im Studiengang Plurale Ökonomie behandelt, zum Beispiel zum Demokratischen Unternehmen, zur Wirtschafts- und Unternehmensethik, zur Mitweltgestaltung oder der Handhabung von Vielfalt, dem Befähigungsmanagement, wie es Dr. Feriha Özdemir in ihrem Buch zu „Managing Capability“ (2018) beschreibt. Zu aktuellen Erkenntnissen und Theorien haben Gustav Bergmann, Jürgen Daub und Feriha Özdemir von der Universität Siegen außerdem Ende 2018 ein Buch unter dem Titel „Wirtschaft demokratisch – Teilhabe, Mitwirkung, Verantwortung“ herausgegeben.    

Wie und in welche Richtungen die Forschung weiter intensiviert werden kann, diskutieren ausgewiesene ExpertInnen aus ganz Deutschland auf der Tagung „Wirtschaft demokratisch“ am 21. März. Themen sind unter anderem Freiheit und Verantwortung, Befangenheiten, „Verschleifungen“ und Demokratie in Organisationen und Gewerkschaften. Alle Interessierten sind dazu herzlich beim Kooperationspartner, dem AWO Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe, eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos, um eine Anmeldung bis zum 14. März wird gebeten: merle.Berg@bwl.uni-siegen.de


Mehr Informationen zum Programm

Datum: 21.03.2019   
Uhrzeit: 10.30 bis 16.45 Uhr
Ort: AWO
Adresse: Koblenzer Str. 136, 57072 Siegen