Wege und Gestaltungsspielräume
Am 12.12.2025 fand die beliebte Veranstaltungsreihe studioA: Der Career Talk mit Alumni statt.
Unter dem Titel „Berufsperspektiven in der
Medienwissenschaft - Wege und Gestaltungsspielräume“ teilten die
drei Alumni Ariane Böhm (rbb-Redakteurin), Isabelle Gehle (Team
Lead für interne Kommunikation) und Michael Jacobus Maas
(freischaffender Filmemacher und Gründer von Guerilla Brot)
ihre Berufserfahrungen mit den MeWi-Studierenden.
Die Ehemaligen Studierenden der Medienwissenschaften sind aus
dem Saarland, dem Sauerland und aus Berlin an die Universität
Siegen zurückgekommen, um vor Ort im Herrengarten – dem
heutigen Standort der Medienwissenschaften – Einblicke in ihre
Werdegänge zu geben und ihre Erfahrungen zu teilen. In der fast
zweistündigen Talkrunde beantworteten sie die vielen Fragen von
MeWi-Studierenden rund um das Thema „Berufsmöglichkeiten in den
Medienwissenschaften“.
Vom Gaslighting am Arbeitsplatz bis hin zum Imposter-Syndrom, die Alumni begegneten den Fragen mit vollster Offenheit und Ehrlichkeit, was die Studierenden sehr zu schätzen wussten. Denn wie oft kommt es schon vor, dass erfolgreiche Menschen gestehen, dass auch sie zwischendurch mal an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln? Dass das Hochstapler-Syndrom nicht nur kommt und geht, sondern irgendwie ein Teil vom Leben ist, weiß auch Grimme Online Award-Preisträgerin Ariane Böhm: „Das Imposter-Syndrom hört nie auf!“ Böhm arbeitet unter anderem als Redakteurin an einem Mental-Health Format über die Gesundheit von jungen Männern. Für das Tik-Tok-Aufklärungsformat safespace vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, in dem sie als Redakteurin und Team Lead fungiert, hat sie bereits mehrere Preise gewonnen wie den Prix Italia und DOK.digital.
In der Retrospektive erkennen die Alumni, dass das Studium
der Medienwissenschaften sie so Einiges gelehrt hat: „Wie man
kritisch denkt und vor allem Dinge hinterfragt“, erzählt
Isabelle Gehle, die für die globale interne Kommunikation bei
Viega Group zuständig ist. Ihr habe im Studium besonders der
große Praxisanteil gefallen. Der persönliche, enge Kontakt mit
engagierten Dozent:innen und Kommiliton:innen, als auch die
freie Wahlpraxis seien einer der Gründe, warum das Studium und
die Zeit an der Uni Siegen ihnen so gut in Erinnerung geblieben
sei. Auch nach Jahren bleibe der Kontakt zu Kommiliton:Innen
bestehen, den zum Beispiel der Bäcker Michael Jacobus Maas
jährlich pflege.
Eine einzige Reue bleibt aber auch Isabelle Gehle nicht
erspart. Um das Studium zügig zu beenden, entscheidet sie sich
damals gegen ein begehrtes Auslandsstudium und stellt im
Berufsleben fest, dass sie doch noch jung sei und die Zeit für
ein Auslandssemester gehabt hätte. Daher legt sie jedem
Studierenden ans Herz, diese Möglichkeit zu nutzen und ein
Semester im Ausland zu absolvieren. Auch Böhm und Maas stimmen
dem zu. Ein Auslandssemester sei unglaublich bereichernd für
das eigene Leben.
Vom Studium in den Beruf
Eine Frage, die sich die meisten Studierenden stellen ist: Wie gelingt der Jobeinstieg? Der klassische Weg sei sich auf Jobplattformen über mögliche offene Stellen zu informieren. Dabei machen die meisten Studierenden einen fatalen Fehler: Sie schauen, ob sie alle Anforderungen erfüllen. Dies sei aber gar nicht notwendig, denn die meisten Anforderungen in Bewerbungsausschreiben seien oft viel zu utopisch. Hierbei gäbe es auch deutliche Geschlechterunterschiede: Während talentierte Frauen dazu neigen, zu selbstkritisch und perfektionistisch zu sein, haben Männer, die manchmal weniger Anforderungen erfüllen, meist ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Daher sollen sich gerade Frauen, die glauben nicht einem Job gewachsen zu sein, sich auf alle Fälle darauf bewerben. Um es in den Worten von freelance filmmaker Michael Maas zu sagen: „Fake it, till u make it“.
Man solle sich auch nicht vor Initiativbewerbungen scheuen,
so Böhm. Wenn man sich speziell für ein Unternehmen
interessiert, das aber keine Stellenausschreibung hat, sei das
ein möglicher Weg, der zum Erfolg führen könnte. Falls dann
trotzdem alle Versuche vergeblich bleiben, solle man nicht
traurig sein oder an sich zweifeln: „Probiert einfach weiter“,
ermutigt Böhm alle Studis, die schon mal eine Absage erhalten
haben. Das Wichtigste sei, sich nie nur auf einen Job
festzulegen, sondern bereit zu sein, seinen Beruf auch zu
wechseln.
Wer sich jetzt fragt, wie man sich für einen Job entscheidet,
der kann getrost den drei Kriterien von Michael Jacobus Maas
vertrauen: 1.Habe ich Lust darauf? 2.Wird es gut bezahlt? 3.
Hab ich was davon? Die Arbeit solle einen Mehrwert haben, den
man daraus zieht. Jacobus lebt und trifft Entscheidungen genau
nach diesen Kriterien. Durch einen Film über einen
Bäckermeister, den er selbst gedreht hat, entdeckte er seine
Leidenschaft für Sauerteigbrot und eröffnete 2023 seine eigene,
kleine Bäckerei. Für alle, die sich ebenfalls für die
Selbstständigkeit interessieren, sei Eigenmotivation das
oberste Gebot, um das Geschäft zum Laufen zu bringen.
Die Moderation dieser Talkrunde übernahmen die Masterstudierenden Anna Lena Schmidt (Medien und Gesellschaft) und Boran Alaman (Medienkultur).
Dieser Bericht wurde von Duygu Cicek verfasst.



