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Berufsperspektive Elektrotechnik und Informatik: Entwicklungsingenieur/in und Embedded Systems

Obwohl oder gerade weil sich die zweite studio:A-Veranstaltung im Wintersemester 2015/2016, die der Alumniverbund in Kooperation mit der Fachschaft des Departments Elektrotechnik und Informatik und gemeinsam mit dem Alumni-Vereins des Departments am 2. Dezember im Programm hatte, einem eher speziellen Thema widmete, füllten sich die Plätze des Studios im X-Gebäude besonders schnell.

Welche Chancen haben Absolventen der Studiengänge Informatik oder Elektrotechnik und welchen Herausforderungen muss sich ein/e Entwicklungsingenieur/in im Bereich Embedded Systems stellen?

Die Talk-Runde, die sich genau diesen Fragen annahm, bestand aus den Alumni Christian Gieseler, Entwicklungsingenieur bei der Wendener Firma „eks Engel“, Markus Sobczack, Softwareentwickler bei „MENNEKES Elektrotechnik“ in Kirchhundem und Dennis Neumann, der als Softwarearchitekt AUTOSAR bei „HELLA“ in Lippstadt tätig ist.

Direkt zu Beginn stellte Moderator Marius Brüser, selbst Masterstudent der Elektrotechnik und Mitglied im Lehrstuhlteam Embedded Systems, eine der Fragen, die allen Anwesenden auf den Lippen brannte: „Wie wichtig ist es, praktische Erfahrung während des Studiums zu sammeln?“ Die Antworten der drei Alumni überraschten nicht, sind jedoch immer wieder wichtig zu betonen: Ja, praktische Erfahrung in verschiedenen Bereichen ist essenziell! Es müssen jedoch nicht zwingend mehrere Dutzend Praktika sein, wie Markus Sobczak, ehemaliger Informatikstudent, aus seiner Erfahrung erzählte: „Ich habe kein einziges Praktikum im technischen Bereich gemacht, bin aber seit 2000 als selbstständiger Softwareentwickler und Administrator tätig und konnte so eine Menge ausprobieren. In dieser Zeit habe ich viele Kontakte geknüpft und mir sehr wichtige Fertigkeiten für meinen späteren Job angeeignet.“


Auf dem Weg in den Beruf ist es jedoch nicht nur wichtig, fachspezifische Erfahrungen zu sammeln, sondern auch über den Tellerrand und in andere Bereiche zu schauen. „Für den Beruf als Entwicklungsingenieur spielt auch der richtige Umgang mit Menschen und das Selbstmanagement eine große Rolle“, betonte Christian Gieseler. So sei es mitunter besonders wichtig, seine kommunikativen Fertigkeiten zu trainieren. „Niemand entwickelt eine Embedded Software alleine. Also ist es überaus wichtig, zu wissen, was zum Beispiel die Kollegen in der Hardware machen, um mit ihnen professionell kommunizieren und arbeiten zu können“, erklärte der Elektrotechniker, der direkt nach seinem Studium als Entwicklungsingenieur bei „eks Engel“ einstieg und dort seit diesem Jahr als Leiter der Entwicklung tätig ist.

Im Laufe des Gesprächs wurde das wachsende Interesse der Studierenden aus gerade diesen beiden Studienrichtungen immer deutlicher und zu den zahlreichen Fragen gehörten nicht nur komplexe, sondern auch allgemeine, aber fundamentale Wortmeldungen: „Wie findet man für sich das richtige Berufsfeld? Sollte sich eine bestimmte Richtung schon während des Studiums herauskristallisieren?“ Während Christian Gieseler und Dennis Neumann hervorhoben, dass bei ihnen die Themen ihrer Abschlussarbeit ausschlaggebend waren und sie in eine bestimmte Richtung lenkten, erklärte Markus Sobczack, dass er sein gesamtes Studium genau nach seinen Interessen ausgerichtet habe. „Nach meinem Abschluss habe ich mir dann ein Vierteljahr die Zeit genommen, mich bei ganz unterschiedlichen Firmen in verschiedenen Branchen zu bewerben, konnte viele Eindrücke sammeln und habe so meinen endgültigen Weg gefunden.“

Ein maßgeblicher Bestandteil dieses Weges stellt sowohl bei Elektrotechnikern, als auch bei Informatikern das Programmieren dar, da waren sich die drei Alumni einig.


„Am wichtigsten ist, dass man das Interesse dafür mitbringt. Der Rest resultiert dann aus einer Menge Übung.“ Als Beispiel berichtete Sobczack, in seiner Jugend das Programmieren in Visual Basic sowie Pascal und C# gelernt und bereits während seiner Schulzeit die Firma „Sobtec“ gegründet zu haben.

Die drei Entwickler betonten, schwieriger als einen Code selbst zu schreiben sei immer noch das Verstehen von Codes und das Einarbeiten in fremde Codeabschnitte. So ist bei einem Projekt meistens ein bestimmter Teil, der für viele Projekte benötigt wird, bereits vorgeneriert. Dieser sogenannte „Boilerplate Code“ ist sehr hilfreich und der sichere Umgang mit solchen Codeabschnitten überaus wichtig.

Und was hat den Alumni für ihre berufliche Tätigkeit im Studium besonders viel gebracht? Daraufhin erinnerten sich die drei Gäste insbesondere an ihren ehemaligen und leider inzwischen verstorbenen Dozenten am Lehrstuhl für Embedded Systems, ehemals für technische Informatik, Dr.-Ing. Walter Lang, der Ihnen für die anstehende Tätigkeiten in der Praxis viel Know How und persönliche Ratschläge unter anderem in der SMK - Systeme mit Kontrollern - Lehrveranstaltung vermittelt habe.

Neben der Programmierung beinhaltet der Beruf eines Entwicklungsingenieurs auch viele Tätigkeiten aus dem Bereich des Projektmanagements. „Ich würde sagen, bei mir sind es so 25 %. Man muss in der Lage sein, die Dauer eines Projekts abzuschätzen und Selbstorganisation ist sehr wichtig. Häufig müssen Prioritäten gesetzt werden, um voranzukommen“, erklärte Dennis Neumann, der auf seinem Weg nach „HELLA“ unter anderem bei der Firma Daimler als Softwareentwickler arbeitete.


Doch natürlich macht nicht nur Arbeit ein erfülltes Leben aus, sondern die gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben spielt auch als Entwicklungsingenieur eine zentrale Rolle. „Bei uns wird wirklich sehr viel Wert darauf gelegt. Zum Beispiel besteht die Möglichkeit, seine Kinder mit zur Arbeit zu nehmen und dort in einem Kindergarten betreuen zu lassen“, beschrieb Neumann die Möglichkeiten bei HELLA. „Häufig gehen wir auch mit der Abteilung essen oder machen Ausflüge. Die Arbeit ist wichtig, aber ein passender Ausgleich mindestens genauso.“ Auf die Work-Life-Balance achten mittlerweile immer mehr Betriebe, sodass es häufig auch ein breites Betriebssport-Angebot gibt, das einen Ausgleich während der Arbeitszeiten schafft. Doch die drei Alumni berichten nicht nur von eigenen Erfahrungen, sondern warnen die Studierenden auch nachdrücklich. „Hüten Sie sich unbedingt vor Unternehmen, denen die Work-Life-Balance nicht wichtig ist“, betonte Markus Sobczack. Warnzeichen seien vor allem eine hohe Personalfluktuation, ein hoher Krankenstand und überdurchschnittlich viele Überstunden.

Die Zeit verging schnell und so neigte sich das angeregte Gespräch bereits dem Ende zu. Doch bevor sich die Studierenden noch mit den Alumni in persönlichen Gesprächen bei Brezeln und Getränken austauschten, gaben die Talk-Gäste noch einen letzten wichtigen und überaus motivierenden Impuls an die Zuhörer und Zuhörerinnen weiter. Keiner der drei hatte mehr als fünf Bewerbungen schreiben müssen, um ihren ersten Job als Hochschulabsolvent zu bekommen. „Ich denke, mit dieser Fächerkombination wird jeder von Ihnen irgendwann da ankommen, wo er gerne hin möchte“, betonte Sobczack. Entwicklungsingenieur – ein Beruf, der sich stetig weiterentwickle, so Neumann. „In diesem Job gibt es immer etwas Neues – ob Prozessorarchitekturen, Programmiersprachen oder andere Zukunftstechnologien - es wird Ihnen nie langweilig werden.“


Franziska Elsner, Redaktion Alumni-Team