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Ein Blick hinter die Kulissen – Berufsperspektive Theater

Arbeiten im Theater? Welche Berufsbilder hier auf und hinter der Bühne zusammenkommen, welche Kompetenzen gefragt und welche Perspektiven sich für Studierende ergeben - hierüber sprachen unsere Talk-Gäste, selbst Alumni mit unterschiedlichen Studienhintergründen aus den Bereich Bereichen Literatur, Kultur, Sprachen und Medien.

Der Vorhang öffnet sich, das Publikum sitzt gespannt und voller Vorfreude in den gepolsterten Sesseln. Die Schauspieler betreten die Bühne und entführen die Anwesenden in die Handlung des Stücks. Am Ende tosender Applaus und gute Kritiken. So sieht der Optimalfall aus. Doch wie viel Arbeit wirklich in einem Theaterstück steckt und was Studierende beachten müssen, wenn sie nach dem Studium die Bretter, die die Welt bedeuten betreten wollen, darüber sprachen Jan Simons, Miriam Szwillus und Murat Isboga am 11.05 bei studio:A: Berufsperspektive Theater.

Der Alumniverbund hatte in Kooperation mit Prof. Dr. André Barz, Studiengangsleiter "Theaterpädagogik" und Leiter des ProjektTheaters der Universität Siegen und zwei seiner Studentinnen Viviane-Viola Haase und Mona Bratrich, die die Veranstaltung moderierten, für diese Talk-Runde auch dieses Mal drei Alumni an ihre alte Uni eingeladen, um über ihren Berufsalltag zu sprechen. So unterschiedlich die Studiengänge, so unterschiedlich die Anstellungen der Alumni. Murat Isboga machte eine Ausbildung zum Theaterpädagogen und nahm das Studium im Fach Literatur, Kultur, Medien auf und folgte seiner Leidenschaft als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor in seinem von ihm gegründeten Theater. Miriam Szwillus hingegen studierte Medienplanung, -entwicklung und -beratung und hat umfassende Erfahrungen an verschiedenen Theatern als künstlerische Mitarbeiterin, Dramaturgin und Regieassistentin und schließlich Jan Simons, der Literatur, Kultur, Medien und Sprache und Kommunikation im Bachelorstudium miteinander kombinierte und jetzt als Marketingassistent am Theater Konstanz arbeitet.


Eins eint die drei Alumni: sie alle haben eine spezielle Verbindung zum Theater – Szwillus begeisterte sich schon früh für das Theater und nutzte im Studium die Chance, sich in verschiedenen Medien auszuprobieren. Schnell merkte sie, dass das Theater sie besonders fasziniert und schrieb so ihre Diplom-Arbeit über Theater und Medien. Direkt auf die Bühne ging es dagegen für Murat Isboga. Schon während der Schulzeit stand er gerne im Scheinwerferlicht, schlussendlich machte er dies zu seinem Beruf und schrieb 2009 sein erstes Theaterstück. Jan Simons erzählt, dass er verschiedene Phasen durchlebte und in seiner Jugend gerne Schauspieler geworden wäre, schon immer interessierte er sich für Dramaturgie und nahm das Studium in Siegen wegen des Literaturschwerpunktes auf. Sein Weg führte ihn hinter den Schreibtisch statt hinter oder auf die Bühne, denn er arbeitet als Marketingassistent am Theater Konstanz. Auch wenn er sich bis heute vorstellen kann, rein künstlerisch tätig zu sein, ist er zufrieden mit seinem derzeitigen Job, der ihm im Vergleich zu künstlerischen Tätigkeiten, mehr Planbarkeit und Sicherheit bietet: Als Marketingassistent hat er einen geregelteren Tagesablauf als Miriam Szwillus und Murat Isboga. „Als Regieassistentin bist du rund um die Uhr im Einsatz. Für ein Privatleben bleibt echt wenig Zeit. Wer einen „9 to 5“-Job sucht, ist hier falsch“. so Szwillus. Als Regieassistentin vereint sie Organisation und Kommunikationsschnittstelle in einem. Darüber hinaus ist die Assistenz die Ansprechstelle für den Regisseur. Feste Arbeitszeiten gibt es im Theater nicht, damit müssen sich die Studierenden direkt anfreunden. Während der Theaterpause schließt das Theater einmal im Jahr für sechs Wochen, in dieser Zeit muss Urlaub genommen werden, ansonsten wird das restliche Jahr durchgearbeitet, Verträge sind befristet, Flexibilität sehr wichtig. Zukunftsorientiert ist anders. Dennoch, die Gäste sind sich einig: Wenn man liebt, was man tut und mit Herzblut dabei ist, dann ist es der perfekte Job.


Anders als Szwillus und Simons hat sich Murat Isboga selbstständig gemacht und eine deutsch-türkische Theatergruppe mit dem Namen „Halber Apfel“ gegründet. „2005 habe ich die Gruppe ins Leben gerufen, damit wollte ich eine Brücke zwischen den Kulturen schlagen und Themen wie Integration auf die Bühne bringen“, erzählt Isboga. Seine Zielgruppe ist ganz Deutschland, mittlerweile kommen zu seinen ausgeschriebenen Castings bis zu 23 Leute. Obwohl er kaum Mittel hat, reist er gerne mit seiner Gruppe umher. „Ich würde meine Gruppe nie als Amateure bezeichnen, wir machen Theater zwar eher hobbymäßig, aber die Stücke, die wir aufführen, sind wie meine Kinder – da steckt viel von meinem Herzen drin“, beschreibt der Alumni die familiäre Atmosphäre innerhalb der Theatergruppe „Halber Apfel“. Derzeit touren sie mit 3 deutschsprachigen und zwei türkisch sprachigen Stücken durch Deutschland. Inzwischen können sie 50 Auftritte pro Jahr in Deutschland, aber auch in Österreich oder Dänemark, verbuchen. Um über die Runden kommen zu können, gibt er zusätzlich noch Schauspielkurse, moderiert Veranstaltung und tritt als Stand-Up-Comedian auf. „Ich habe viel für Zeitungen gearbeitet und fand es gut, dass jetzt endlich über mich berichtet wird und nicht mehr nur von mir berichtet wird“, erinnert sich der Alumni.


Den Studiengang „Theaterpädagogik“ gibt es seit 2014 an der Universität Siegen, allerdings nur als Ergänzungsfach. Der junge Studiengang wird 2016 erstmals Studierende ausgebildet auf den Arbeitsmarkt entlassen, doch wie gelingt überhaupt der Einstieg? „Ich habe mich nach dem Studium an Häusern beworben, die mich interessiert haben. Dabei passiert es natürlich, dass man sich in Berlin unter 200 Bewerbern beweisen muss“, berichtet Miriam Szwillus von ihrem Einstieg. Ohne Hospitanz wird es jedoch schwierig, das bedeutet, dass schon während des Studiums erste Erfahrungen gemacht werden sollen. Jan Simons hat neben seinem Studium noch im Apollo-Theater in Siegen gearbeitet. „Hospitanzen werden immer ausgeschrieben, wir suchen immer für unsere 20 Premieren pro Laufzeit Hospitanten, die dann 6 Wochen ununterbrochen Einblicke in die Prozesse am Theater erhalten“, erklärt Simons. Die Hospitanz öffnet unter Umständen auch Türen, denn manchmal ergäben sich tolle Chancen. Ohne Hospitanz sind die Karten relativ schlecht gemischt, so der Alumni weiter. Während des Studiums darauf zu vertrauen mit dem Thema Theater in Berührung zu kommen, reicht nicht, es muss bereits aktiv die Profilbildung in Angriff genommen werden, um sich später beweisen zu können. Quereinstiege seien zwar normal, aber Interesse am Theater, aktuellen Stücken und vielleicht schon einen eigenen Schwerpunkt ausgewählt zu haben, sind hilfreiche weitere Faktoren, um erfolgreich in den Beruf zu einzusteigen. Zusammenfassend geben die Alumni den Studierenden mit auf den Weg, dass mit Humor, Herzblut und Passion der Theaterkarriere fast nichts mehr im Weg steht und man sich nie entmutigen lassen darf, auch wenn es mal Rückschläge gibt.

Kathrin Wagner, Redaktion Alumni-Team