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Berufsperspektive Soziale Arbeit. Aufgaben und Herausforderungen in der Jugendhilfe

Soziale Arbeit ist ein facettenreicher Studiengang, der ein großes fachliches Feld umfasst und somit viele verschiedene Schwerpunkte im Studium wie in der späteren Berufswahl ermöglicht. In dieser studio:A Veranstaltung, der Talkrunde mit Alumni, lag der thematische Fokus auf der Jugendhilfe.

Geladen waren drei Alumni der Universität Siegen, die zwar alle im Umfeld der Jugendhilfe tätig sind, jedoch verschiedene Positionen und Zuständigkeiten innehaben: Norman Bell ist Geschäftsleiter der Jugendhilfe PlanB in Siegen und hat in Siegen Soziale Arbeit studiert. Georg Ritter arbeitet als Abteilungsleiter Soziale Dienste bei der Stadt Siegen und Christian Schmidt ist Teamleiter der ambulanten Jugendhilfe im Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands in Wissen. Sie beide sind Sozialpädagogen. Moderiert wurde die Runde von zwei Studentinnen der Sozialen Arbeit: Lisa Jacobi, Master Studentin des Studiengangs „Bildung und Soziale Arbeit“, und Sarah Schneider, Bachelor Studentin des Studiengangs „Soziale Arbeit“. Gemeinsam hatte sie für das Gespräch mit den berufserfahrenen Alumni viele Themen und Fragen parat, um die jeweiligen Arbeitsbereiche und Zuständigkeiten der Gäste in der Jugendhilfe und die damit verbundenen Herausforderungen vorzustellen wie anhand der eigenen Erfahrungen Wege für den Berufseinstieg zu diskutieren.


Dass der Berufseinstieg nicht immer leicht ist und nahtlos an das Studium anknüpft, bestätigt Georg Ritter, der 1987 nach seinem Anerkennungsjahr zunächst ein halbes Jahr arbeitslos war und im Zuge von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in den 1990ern zur Stadt Siegen kam und sich dort zunächst mit der Betreuung von Geflüchteten befasste. Norman Bell hingegen fand durch Praktika seinen Schwerpunkt für seinen beruflichen Werdegang: Er absolvierte zunächst Praktika im Seniorenheim und im Allgemeinen Sozialen Dienst. „Im Allgemeinen Sozialen Dienst merkte ich: Okay, das kann was für dich sein“, erzählt der Geschäftsleiter. Christian Schmidt brauchte etwas länger um grundsätzlich festzustellen, was ihm lag: „Durch die Universität merkte ich erst, was ich wirklich wollte. Vorher hatte ich keine Ahnung, wo ich mal hin will.“


Die Frage nach dem Arbeitsalltag können die Alumni nicht leicht beantworten. Denn die Arbeit ist sehr facettenreich, jeden Tag dasselbe machen zu müssen, ist da relativ unrealistisch. Dennoch versuchen die Alumni einen typischen Arbeitstag zu beschreiben: Georg Ritter ist als Abteilungsleiter im mittleren Management zu verorten. Er hebt besonders die große Bandbreite hervor, denn er beschäftigt sich unter anderem mit Personalentwicklung, strategischer Aufstellung oder Qualitätsentwicklung. Dafür musste er im Laufe seiner Arbeitszeit Strukturen aufbauen, die er nun nutzen kann. Norman Bell hingegen machte sich 2008 gemeinsam mit einem Kollegen selbstständig und zwar mit dem Schwerpunkt der sozialpädagogischen Familienhilfe. Dort berät er Eltern, betreut Kinder und schafft ein Vertrauensverhältnis zu den Familien. 2016 sind bereits 20 Menschen in seinem Unternehmen tätig, so dass seine Hauptaufgaben dann jedoch wieder ähnlich derer von Georg Ritter sind: Er beschäftigt sich mit Personalentwicklung, ist mittlerweile wesentlich häufiger im Büro anzutreffen, als in der ambulanten Jugendhilfe. Christian Schmidt kümmert sich derzeit zu 50% um die Teamleitung und übernimmt Organisation, Fachaufsicht und Personalführung; Fallarbeit macht dabei die andere Hälfte aus: Die ambulante sozialpädagogische fachliche Begleitung wird in drei Landkreisen für Familien angeboten. Gerade in der intensiven Arbeit mit Jugendlichen kann es passieren, dass es zu einem Nähe-Distanz-Problem kommt. „Wenn man vor Ort arbeitet, dann bricht man immer automatisch auch in die Privatsphäre der Menschen ein. Deswegen ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass man nur eine Arbeitsbeziehung führt.“, erklärt Schmidt. Im Laufe der Zeit führen die eigenen Erfahrungen aber dazu, dass man in dieser Hinsicht gelassener wird und die eigenen Emotionen besser kontrollierbar werden, ergänzt Bell. Empathie ist trotzdem unverzichtbar in sozialen Berufen. Georg Richter warnt: „Die Jugendhilfe haut einen irgendwann aus den Socken. Es tun sich Abgründe auf – in diesen Moment ist die Selbstreflektion wichtig!“ Als Beispiel nennt er die Situation, dass zu Geschehnissen die mit der eigenen Lebensrealität korrelieren, keine professionelle Distanz mehr gewahrt werden kann.


In der Gesprächsrunde wird auch klar, dass sich die Studienbedingungen rapide geändert haben. Während Georg Richter noch von einem politischen, autonomen Studium, sprich in dem er mehr für das Leben gelernt hat, als für den Lebenslauf, ist heute vor allem wichtig, dass ebendieser voll mit Erfahrungswerten ist. Oder? Die Alumni verneinen diese Frage, denn in sozialen Berufen ist es wichtig, dass die Persönlichkeit ins Team passt und kommunikativ ist. Dann muss auch nicht zwingend ein Master vorgewiesen werden, da dieser auch nichts an der Bezahlung ändert. Mit auf den Weg geben die Alumni, dass man authentisch sein soll, flexibel, da es keine geregelten Arbeitszeiten gibt und als Mann möglichst schnell die Bewerbung abschickt, da Männer immer gesucht werden. All die Probleme, die sich auftun können, sind für die Alumni nur Nebeneffekte, denn die positiven Erfahrungen und tollen Momente sind der größere Teil. Menschen zu begleiten und eine positive Entwicklung sowie die Dankbarkeit zu erleben, sind für die Gäste Motivation genug um jeden Tag aufs Neue zur Arbeit zu gehen.

Kathrin Wagner, Redaktion Alumni-Team