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Ein spannendes Berufsfeld - Berufsperspektiven im Tätigkeitsfeld des Risikomanagements

Der Career Talk am 12. Juli gab Studierenden die Gelegenheit, sich mit eben diesen Experten auszutauschen und sich über deren Erfahrungen in der Bank- und Energiebranche zu informieren.

Mit diesem Aufhänger aus dem Film „Wall Street“ leitete der Moderator und Masterstudent des Studiengangs Controlling und Risikomanagement, Patrick Hertrampf, die Talkrunde ein. Zu Gast waren Sabine Helwig, Angestellte im Risikocontrolling bei der Union Investment in Frankfurt am Main, Marcel Bördgen, Risk Controller und stellvertretender Abteilungsdirektor bei der B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA in Frankfurt am Main und Andreas Overberg, Referent Beteiligungs-, Risikocontrolling und Bewertung bei der Süwag Energie AG (Tochtergesellschaft der RWE-Tochter innogy SE).


Die Alumni Andreas Overberg und Marcel Bördgen studierten beide den Master Controlling und Risikomanagement an der Universität Siegen. Andreas Overberg absolvierte vor seinem Masterstudium ein Duales Studium und war als Einkäufer bei der RWE tätig. Vor seinem Master absolvierte Alumnus Marcel Bördgen bereits den Bachelorstudiengang Business Administration in Siegen. Während seines Studiums sammelte er bereits Erfahrungen als Praktikant und Werkstudent bei diversen Finanzdienstleistern im Konzerncontrolling und Konzernrisikomanagement. Berufsbegleitend absolvierte er die Weiterbildung zum „Financial Risk Manager“. Sabine Helwig ist Mathematik-Diplomandin. Bevor sie vor elf Jahren zur Union Investment ging, war sie als Webdesignerin für einen Abgeordneten in NRW tätig und zwischen 2006 und 2009 gleichzeitig in beiden Jobs beschäftigt, bis eine Nachfolgerin für die Betreuung der Websites gefunden war. Dass sie nicht direkt bei der Union Investment einstieg, hat mit ihrem Familienmanagement zu tun. Denn bevor sie sich ihren eigenen Karrierewunsch erfüllen wollte, war es für sie wichtig, ihre Aufmerksamkeit zunächst vermehrt ihren Kindern und ihrer Familie zu widmen.

Die Alumni erinnern sich alle gerne an ihre Studienzeit in Siegen zurück. Hier entstanden viele Freundschaften mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, die sie bis heute pflegen. Über Freundschaften entstehen auch Kontakte für das Netzwerken, das eine ganz wichtige Rolle spielt. Das wusste auch Patrick Hertrampf, der Netzwerken zum Einstiegsthema machte. Andreas Overberg weiß, warum der Studierende das Thema direkt anspricht: „Wenn ich eins gelernt habe, dann dass Netzwerken wichtig ist“. Das eigentliche Netzwerken jedoch finde nicht – wie man denken könnte – über Karriereportale statt, sondern hauptsächlich über den persönlichen Kontakt und Austausch, wie Marcel Bördgen klarstellt.


Wie sieht der typische Einstieg aus?

Der typische Weg in das Risikomanagement führt über Praktika, Trainee-Programme oder den Direkteinstieg. Habe man im Rahmen eines Praktikums oder eines Trainee-Programms einmal einen Fuß in ein Unternehmen gesetzt, werde man oftmals auch übernommen, wie die Alumni mitteilen. „Es kommt auf den Mensch an“ und „es ist wichtig, authentisch zu sein“, weiß Sabine Helwig, die immer schon in einem Bankenturm arbeiten wollte. Marcel Bördgen fügt dem noch etwas hinzu: „Man muss offen sein, auf einen zugehen können und sich nicht verstellen“. Den Berufseinstieg erlebten die Alumni jeweils unterschiedlich. Während Sabine Helwig „ins kalte Wasser geworfen wurde“, da sie keine Ahnung von Kennzahlen hatte und sich erst einmal in das Thema einlesen musste, bekam Marcel Bördgen z.B. eine sehr gute Einarbeitung. „Ich bin sehr dankbar dafür“, sagt er rückblickend. Andreas Overberg konnte sich durch seine langjährige Beschäftigung im RWE-Konzern Stück für Stück in die neuen Stellen einarbeiten.

Natürlich ist auch das Studium wichtig. Im Bereich des Risikomanagements kommt dem Master ein hoher Stellenwert zu. Denn „ohne Master hat man leider oftmals kaum mehr die Möglichkeit, eine Traineestelle zu bekommen,“ wie Andreas Overberg informiert. Das Masterstudium Risikomanagement und Controlling an der Universität Siegen eigne sich außerdem sehr gut für den Job im entsprechenden Berufsfeld. Marcel Bördgen betont: „Die Inhalte des Studiums bereiten einen sehr gut auf die späteren Tätigkeiten als Risikocontroller vor“. Denjenigen Studierenden, die sich eher für einen Job im Frontbereich einer Bank interessieren, empfiehlt er einen Finance-lastigeren Studiengang.


Die Tätigkeiten der Alumni

Die Tätigkeiten von Marcel Bördgen und Andreas Overberg ähneln sich in einigen Hinsichten, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven: die aus einer Bank und die aus einem Unternehmen. Zu Andreas Overbergs Aufgabenbereich gehört die Risikobewertung, die Bilanzanalyse sowie Auswertungen. Außerdem bestimmt der bei der Süwag Energie AG beschäftigte Referent das Marktrisiko anhand von Positionsbestimmungen und Unternehmensbewertungen. Marcel Bördgen ist im internen Risikomanagement beschäftigt. Für ihn gehört Excel zum Alltag. Seiner Ansicht nach geht der Trend aber hin zu immer weniger individueller Datenverarbeitung. Andreas Overberg benutzt vor allem das SAP-Programm. Als Praktiker hält er Learning by Doing als die beste Art zu lernen und empfiehlt darum den Studierenden, eher ein Praktikum zu absolvieren, als einen SAP-Schein zu erlangen. Zusätzlich weist der Alumnus auf die Bedeutung von Englisch hin, zumal viele in der Branche nur Englisch sprechen. In Sabine Helwigs Job bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft spielen insbesondere Ex-post-Kennzahlen, Checks, die Burn-Rate sowie Liquidität eine wichtige Rolle. Das Hauptprogramm in ihrem Arbeitsalltag ist Excel. Die Funktion „SVERWEIS ist ganz wichtig“, betont die Alumna. Auch die Datenbanksprache SQL sei darüber hinaus für ihren Job relevant.

Was macht gutes Risikomanagement aus?

Auch wenn es im Risikomanagement zurzeit relativ ruhig ist, steht fest: Das nächste Risiko wird eintreten. Sabine Helwig gibt zu, dass „die grüne Ampel“ zwar langweilig, aber stressfrei sei. Man müsse immer abwägen, ob man den Stress möchte. Wenn dann aber ein Risiko besteht, sind sie als Experten gefragt: „Spätestens bei dem nächsten Risiko hat man die Daseinsberechtigung erlangt“, so Andreas Overberg. Die Aufgabe der Risikocontroller besteht darin, „Risiken transparent zu machen, um Chancen aufzuzeigen“, so Marcel Bördgen. Das ist eine der zentralen Voraussetzungen erfolgreichen Risikomanagements. Wichtig dabei ist zudem, dass man dem Kunden das Risiko verständlich darstelle, wie Alumnus Andreas Overberg betont. Um das Risiko aber überhaupt zu identifizieren, muss man zunächst die Geschäftstätigkeit des Unternehmens genaustens kennen und verstehen, wie Bördgen hinzufügt. Alle diese Informationen müssen insbesondere der Geschäftsleitung, aber auch dem Front Office, also den Abteilungen mit direktem Kontakt nach Außen, transparent gemacht werden. Die Definition von gutem Risikomanagement hänge außerdem auch davon ab, ob alle politischen Auflagen und Richtlinien erfüllt werden, wie Sabine Helwig erläutert.


Krawatte und steifes Hemd waren gestern

Dass das biedere Image insbesondere in der Bankbranche im Wandel ist, wie kürzlich in den Medien thematisiert, können auch die Talk-Gäste bestätigen: Sabine Helwig berichtet, dass es bei der Union Investment „schon lockerer“ geworden sei. Andreas Overberg ergänzt: „Bei uns trägt niemand mehr Krawatte“. Bei den Arbeitszeiten sieht es ähnlich aus: Die Alumni sind ziemlich flexibel in ihren Arbeitszeiten.

Was Fortbildungen und Schulungen angeht, bieten die jeweiligen Unternehmen der Alumni verschiedene Gelegenheiten für Angestellte: Die Möglichkeiten reichen von internen Seminaren über Hospitationen innerhalb des Unternehmens bis hin zu Jobrotationen in unterschiedlichen Unternehmen und Abteilungen. Zudem bietet der Bereich des Risikomanagements durchaus auch Aufstiegsmöglichkeiten. Voraussetzung dafür sei neben der Persönlichkeit, dass man Aufgaben abgeben könne sowie andere managen könne.

Die Alumni sind sich sicher, dass die Studierenden ihren Weg finden - auch wenn es mit dem Bewerben nicht auf Anhieb klappen sollte: „Lasst euch nicht unterkriegen, wenn ihr eine Stelle nicht bekommt“, bestärkt der Alumnus Andreas Overberg die Studierenden.

Bettina Stephan, Redaktion Alumni-Team