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Gründen, nachfolgen, managen: Berufsperspektiven in mittelständischen Unternehmen.

Am 13.06. drehte sich bei „studio:A – dem Career Talk mit Alumni", alles um die Berufsperspektiven im Mittelstand. Dass das Thema nicht nur für Studierende der Wirtschaftswissenschaften relevant ist, sondern auch für Studierende z.B. technischer Studiengänge, zeigten sowohl die verschiedenen Studienhintergründe der Gäste als auch der anwesenden Studierenden.

Welche Berufsperspektiven bieten sich im Management kleinerer und mittelständischer Unternehmen? Welche Wege führen in Managementpositionen ins Unternehmen? Diese und einige weitere Fragen diskutierten die vier geladenen Führungspersonen aus dem Bereich KMU unter Bezugnahme auf ihre jeweiligen Werdegänge und Erfahrungen - sei es aus der Perspektive der eigenen Gründung heraus, aus der Nachfolge im Rahmen eines Familienunternehmens oder „einfach“ als Geschäftsführer im Management, ohne einen dieser beiden Wege in das Unternehmen gegangen zu sein.

Organisiert und initiiert wurde der Career Talk dieses Mal vom Alumniverbund der Universität Siegen gemeinsam vom Lehrstuhl Betriebswirtschaftslehre, insbesondere dem Lehrstuhl Management kleiner und mittlerer Unternehmen und Entrepreneurship. Durch die Talkrunde führte Isabella Bauch als Moderatorin, die aktuell den Bachelor-Studiengang Betriebswirtschaftslehre studiert und sich selbst in Hinblick auf ihren möglichen Werdegang mit diesem Thema beschäftigt. Die Alumni sind allesamt im Bereich Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der ersten Führungsebene tätig. Dass die Alumni einmal GeschäftsführerIn werden, war für sie nicht von Anfang an klar. Zwei der Gäste hatten zudem eine der andere der Wirtschaftswissenschaften fremde Studienrichtung eingeschlagen. Doch wie aus der Talkrunde hervorgegangen ist, muss man als GeschäftsführerIn nicht unbedingt BWL studiert haben.


Der Weg vom Studium bis heute

Thomas Imhäuser führte es als Nachfolger in die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Bereits im Alter von 8 Jahren begann er im Betrieb seines Vaters mitzuhelfen. Später absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser und daran anschließend ein Studium zum Maschinenbau und Schweißfachingenieur. Während seines Studiums war er bereits als studentische Hilfskraft am Fraunhofer-Institut tätig. Seit 1999 ist er Mitinhaber der AMS GmbH, ein Hersteller für Metallbautechnik, mit Standort in Elkenroth im Westerwald. Die Leistungen des Unternehmens decken von kleinen bis ganz großen Projekten ein großes Spektrum ab: angefangen vom Drive-Schalter für alle Fastfood-Ketten in Europa, bis hin zur Metallverkleidung, Fassade und dem Innenausbau großer Bauwerke.

Christoph Bauer wiederum ist Gründer und Geschäftsführer eines Handelsunternehmens für digitale Einkaufs- und Absatzfinanzierung für KMUs. Vor nunmehr drei Jahren gründete er die entrafin GmbH in Köln, die zu den sogenannten Fintech - Unternehmen zählt. entrafin selbst ist eine Handelsplattform für mittelständische Unternehmen, was bedeutet, dass entrafin für mittelständische Lieferanten und Abnehmer als Zwischenhändler fungiert. Der Alumnus führt das Unternehmen gemeinsam mit einem zweiten Geschäftsführer und übernimmt insbesondere die Bereiche Strategie, IT-Entwicklung und Vertragsmanagement. Seine universitäre Ausbildung hat Christoph Bauer mit einem BWL-Studium an der Uni Siegen begonnen. Zusätzlich hat er an der Uni Duisburg-Essen ein Studium der Ostasien-Wirtschaft erfolgreich abgeschlossen. In den Jahren nach dem Studium sammelte er vielfältige Erfahrungen in verschiedenen Positionen und Unternehmen, u.a. als Controller, kaufmännischer Projektleiter oder zuletzt als kaufmännischer Leiter.

Die einzige Dame in der Runde, Lena Friedrich, ist alleinige Geschäftsführerin als Nachfolgerin des Familienunternehmens Edelstahlunternehmens Schulte bagtainer systems GmbH in Meinerzhagen. Das Unternehmen stellt Edelstahlbehälter bzw. Edelstahl -,bagtainerʼ für die Pharmaindustrie her, was zu einem absoluten Nischenmarkt gehört. Bei der bagtainer systems GmbH wird das Wesentliche im Unternehmen produziert. Einen Teil kaufen sie zu und ein paar Dinge werden outgesourct. Lena Friedrich führte es über mehrere Ausbildungswege und Erfahrungen im Bereich der Wirtschaftswissenschaften in Richtung Geschäftsführung: Die Alumna absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und studierte im Anschluss an der Uni Siegen BWL. Ersten Gefallen am Führen und Managen fand die Alumna bereits in ihrer Studienzeit. Damals war sie als Leiterin der Geschäftsstelle des Trägervereins Wisent-Welt-Wittgenstein e.V. tätig und sammelte dort erste wichtige Erfahrungen.

Auch Sebastian Schülke ist Geschäftsführer und inzwischen auch Inhaber des Unternehmens SICON GmbH in Hilchenbach. Das Unternehmen ist ein mittelständischer bzw. kleiner klassischer Anlagenbauer mit insgesamt 22 Mitarbeitern in Deutschland und den USA (Atlanta), der die ganz enge Nische des Recyclings von Metallen und Kunststoffen bedient. Dabei fokussieren sie sich streng auf Metalle und Kunststoffe aus Altfahrzeugen. SICON konzipiert Verfahren, Maschinen und Anlagentechnik, die dann als eine komplexe Einheit inklusive Automatisierung, Stahlbau und Fördertechnik dem Kunden schlüsselfertig übergeben werden. Sebastian Schülke studierte zunächst deutsches und europäisches Wirtschaftsrecht im Diplom an der Uni Siegen. Schon zu Beginn des Studiums begann er bei der SICON GmbH als Werkstudent und stieg im Laufe der Jahre immer weiter auf: vom Projektassistenten der SICON GmbH, über den Projektleiter bis zum Geschäftsführer der SICON GmbH, President der SICON Service Inc und CEO der SICON America LP.

Was macht den Mittelstand aus?

Die Frage, was für sie allgemein den Mittelstand ausmacht, ist für die Alumni leicht zu beantworten. „Am Mittelstand schätze ich, dass es zumindest in unseren Größen noch kurze Wege und Entscheidungsketten gibt und sich die Leute auch noch füreinander interessieren“, so Lena Friedrich. Thomas Imhäuser stimmt ihr zu. Diese Flexibilität und das Zwischenmenschliche sind auch für ihn wichtige Charakteristika des Mittelstandes, die er in seinem Unternehmen sehr schätzt. Christoph Bauer ergänzt: „Bei mir ist es ganz klar: Produktbezug, Kundenbezug“. Der Gründer berichtet aus eigener Erfahrung, dass dieser Bezug in Konzernen komplett verloren gehe und man nur ein „kleines Rädchen“ sei. Sebastian Schülke bringt mit seinem Standpunkt einen weiteren Aspekt ein: „Für mich ist die besondere Attraktivität des Mittelstandes dadurch gegeben, wenn Entscheidungen über verschiedene Kompetenzstufen getroffen werden können und man als Manager bei jedem Mitarbeiter genau weiß, wo der/diejenige gerade steht, was ihn motiviert und wo seine/ihre Stärken und Schwächen liegen, man eben „nah an den Menschen“ ist.

Wie wird man eigentlich GeschäftsführerIn?

Die Motivationen und Beweggründe, die die Alumni zu ihren jeweiligen Tätigkeiten in die Unternehmen führten, sind bei den Alumni jeweils individuell. Während Christoph Bauer sich z.B. für das Gründen entschied, weil er sich bei seiner letzten Tätigkeit als kaufmännischer Leiter bei einem mittelständischen inhabergeführten Unternehmen sich karrieremäßig nicht weiterentwickeln konnte, stand für Thomas Imhäuser schon früh fest, dass er und sein älterer Bruder einmal in das Unternehmen ihrer Familie gehen würden. „Dass ich heute z.B. der alleinige Geschäftsführer bin und mit meinem Vater der Inhaber, war so vorher gar nicht geplant“, so der Alumnus, der eigentlich lieber die Konstruktionsleitung im Unternehmen übernehmen wollte. Sein älterer Bruder, der ursprünglich den Betrieb übernehmen sollte, habe jedoch lieber im Angestelltenverhältnis arbeiten wollen. Darum habe Thomas Imhäuser gesagt, ich probiere es aus. „Und es hat funktioniert. Heute macht es mir sehr viel Spaß“, so der Geschäftsführer.

Bei Christoph Bauer war besonders ein Aspekt ausschlaggebend für die Entscheidung zur Selbstständigkeit: „Die Möglichkeit, selbst etwas gestalten zu können und für sein eigenes Unternehmen Entscheidungen treffen zu können. Seine Gründungsidee entstand durch eine langjährige Freundschaft auf einer Einweihungsfeier. Bis zur Umsetzung der Idee verging jedoch einige mühsame Zeit, wie er zugibt: „Die Gründungszeit ging einher mit Monaten der täglichen Alleinarbeit, ohne KollegInnen und die Organisation bzw. Abläufe innerhalb eines etablierten Unternehmens. Er schrieb Businesspläne und Pitch-Decks für Investoren.

Lena Friedrich ist eher von heute auf morgen in die Rolle der Geschäftsführerin, hineingerutscht´, denn dieser Schritt kam für sie unerwartet schnell. Der damalige angestellte Geschäftsführer des Unternehmens legte ihr eines Morgens, vor mittlerweile vier Jahren, die Urkunde seiner Austragung als Geschäftsführer aus dem Handelsregister auf den Tisch, weshalb die damalige Angestellte schnell handeln musste. Sie ließ sich umgehend als Geschäftsführerin eintragen, damit das Unternehmen nicht binnen zwei Wochen in die Zwangsverwaltung kam. Seitdem ist sie die alleinige Geschäftsführerin des Unternehmens.

Man sollte also den Kompetenzen der Kollegen entsprechend auch Verantwortung geben, ist sich Sebastian Schülke sicher. Denn „Verantwortung zu geben, hält andere im Team“. Er selbst hat die Entscheidung 2006 gemeinsam mit dem damaligen Alleineigentümer von SICON getroffen - nämlich SICON gemeinsam wesentlich zu verändern, dafür 50% an der Gesellschaft zu übernehmen und 2011 eine Tochterstruktur mit Gesellschaften in den USA zu schaffen. Vor dem Studium sei das so nicht abzusehen gewesen. „Ich hatte Glück zur richtigen Situation mit den richtigen Kompetenzen am richtigen Ort zu sein. Ab dann brauchte es Mut und vor allem Beharrlichkeit“, erzählt Sebastian Schülke.

Führung lernt man nur durch Erfahrung

Ob die Alumni direkt als AbsolventIn in die Geschäftsführung eingestiegen wären oder es zu diesem Zeitpunkt überhaupt gekonnt hätten, beantworten alle mit einem klaren Nein. Auch ob man Führung lernen könne, verneinen die Alumni einhellig. Auch wenn es gute Kurse zum Trainieren gebe, bringe es letztlich die Erfahrung, die man selbst machen müsse. „Ich habe es so erlebt, dass ich an Dingen, die schiefgelaufen sind, oder wo ich einen riesen großen Fehler gemacht habe, mehr Erfahrungen durch gesammelt habe, als an Dingen, die ich richtig gemacht habe,“ teilt Thomas Imhäuser seine Erfahrung. Dazulernen könne man außerdem durch das Austauschen, wie z.B. bei den ,Wirtschaftsjunioren´, einem Verband von jungen Unternehmern und Führungskräften in Deutschland. „Dass man sich einfach auch auf Augenhöhe mit jungen Unternehmern auch darüber unterhält, was nicht funktioniert hat,“ so Lena Friedrich. Studierende bringe es außerdem schon viel dadurch, sich neben der Uni mit anderen Aufgaben zu beschäftigen. Christoph Bauer musste sich beim Gründen die im Studium gelernte Theorie erst noch einmal für die Praxis neu erarbeiten. Für die wichtigen Entscheidungen stand bei ihm viel auf dem Spiel. „Diese Entscheidungen lernt man glaube ich nur nach der Uni, das kann man auch nicht simulieren", so der Gründer.

Stimmt es eigentlich, dass es leichter ist zu zweit zu entscheiden? Die Alumni Sebastian Schülke und Christoph Bauer, die beide einen Führungspartner an ihrer Seite haben, wissen diesen sehr zu schätzen. „Es tut schon gut einen zweiten an Bord zu haben, weil man einfach auch merkt, ich kann hier und da mal Entscheidungen abgeben oder ich kann mir auch mal Rat auf meiner eigenen Ebene einholen,“ so die Erfahrung von Christoph Bauer. Sebastian Schülke kann das nur bestätigen. Da ihre Kollegen jeweils von der Person das völlige Gegenteil zu ihnen selbst seien, werde teilweise auch heftig diskutiert. Das sei aber auch gesund. Thomas Imhäuser ergänzt aus seiner Perspektive: „Man lernt auch mit der Zeit, wenn man alleiniger Geschäftsführer ist, Aufgaben abzugeben. Im Umkehrschluss müssen sie dann jedoch auch unangenehme Entscheidungen treffen.

Welche persönlichen Eigenschaften muss ich als Führungskraft mitbringen?

Als Führungskraft muss man einige persönliche Eigenschaften mitbringen. Demut und Bescheidenheit finden die Alumni z.B. ebenso wesentlich wie etwas durchzuziehen, was man einmal entschieden hat. Dazu sollte man unbedingt stehen, weshalb auch Glaubwürdigkeit eine große Rolle spielt, gleichzeitig aber auch Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen - gerade wenn Mitarbeiter nicht weiter wissen. Dann komme es insbesondere auch auf Kreativität an, nämlich um schnell Ideen zur Lösung des Problems zu finden. Das müsse man sich jedoch über lange Jahre erarbeiten. Ein Teil der Alumni hört auch bei ganz wichtigen Entscheidungen neben den harten Fakten und Überlegungen auf sein Bauchgefühl - nicht zuletzt, weil sie festgestellt haben, dass es ohne nicht geht. Letztendlich sei das eigentlich immer der richtige Weg.

Geradliniger Lebenslauf und Master? Tipps für den Sprung in das Berufsleben

Bei der Einstellung legen die Alumni weniger Wert auf einen Masterabschluss oder einen geradlinigen Lebenslauf. „Ich finde es wichtiger, dass die Person ins Team passt und die Lust hat, an der Aufgabe zu arbeiten und sich zu engagieren und weiterzuentwickeln“, so Lena Friedrichs Ansicht. Christoph Bauer sieht es ähnlich und erzählt, dass er zwar ein Studium voraussetze, zumal dadurch eine bestimmte methodische Herangehensweise vorhanden sei. Welche sei jedoch ebenso wie die Studienrichtung zweitrangig. Vielmehr schaue er danach, ob die Person schon einmal Bezug zu irgendeinem Feld gehabt habe, das im Unternehmen gebraucht werden kann. Ergänzend sagt er: „Ihr müsst frei denken können. Ihr müsst auch selbst in der Lage sein, etwas zu entwickeln, euch ein Thema zu schnappen und sagen, das interessiert mich jetzt, das treibe ich voran“.

Die vier Alumni geben den Studierenden wertvolle Tipps auf den Weg, wie „nebenbei so viel wie möglich zu machen, die Welt zu bereisen, Unternehmen und Aufgaben kennenzulernen“ und die Selbstverwirklichung und seine eigenen Wünsche nicht für eine Stelle hinten anzustellen. Christoph Bauer, der, wie er selbst sagt, einen „s-förmigen Lebenslauf“ hat, findet außerdem sehr wichtig „sich als Mensch auszubilden“. Als BewerberIn sollte man nicht den Fehler machen, sich falsch einzuschätzen und zu denken, nach dem Studium alles zu können, wie Sebastian Schülke rät. Nicht zu unterschätzen ist für Lena Friedrich der Aspekt Authentizität: „Das bringt einen immer weiter, egal für welche Position man sich bewirbt“. Das Gleiche gelte für Beharrlichkeit, d.h. für eine Sache zu stehen oder zu brennen. „Bleibt neugierig“, rät Thomas Imhäuser zuletzt und zitiert dabei Steve Jobs. Nach dem Studium habe man nämlich noch lange nicht ausgelernt. Der nächste Schritt gehe dann erst los.

Bettina Stephan, Redaktion Alumni-Team