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Industrie 4.0 – Die Rolle des Ingenieurs im digitalen Umfeld

Bei der diesjährig letzten studio:A - Talkrunde am 5. Dezember ging es um die Rolle des Ingenieurs im digitalen Umfeld und damit um das Trendthema Industrie 4.0, als einen der im Rahmen der „Digitalen Strategie 2025“ von der Bundesregierung geplanten Schritte in die digitale Zukunft.

Was sind die Herausforderungen, denen sich Ingenieure im digitalen Umfeld heute stellen müssen und wie können sich Studierende auf eine Tätigkeit in Unternehmen der Zukunft vorbereiten? Antworten darauf gaben drei Alumni, die sich mit unterschiedlichen technischen und naturwissenschaftlichen Hintergründen in Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigen. Gemeinsam mit den anwesenden Studierenden diskutierten sie weitere Fragen und gaben ihnen wertvolle Tipps, um sich auf Berufsperspektiven in Unternehmen der Zukunft einstellen zu können.

Organisiert und initiiert wurde der Career Talk im Studio des ZIMT dieses Mal vom Alumniverbund der Universität Siegen in Kooperation mit dem Lehrstuhl für International Production Engineering and Management (IPEM) im Department Maschinenbau. Die Moderation übernahm Till Saßmannshausen, der aktuell als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl IPEM tätig ist.

Die Alumni Steffen Rosenthal, Dr. Donatus Weber und Dr. Tim Wirtz haben an der Universität Siegen unterschiedliche Studiengänge studiert. Steffen Rosenthal studierte Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen und schloss sein Studium 2010 mit dem Diplom ab. Seit 2016 ist er Leiter der Werkstattmontage bei der SMS group in Hilchenbach. Donatus Weber begann sein Studium in Angewandte Informatik und Elektrotechnik an der Universität Siegen noch als Diplomstudium. Nach erfolgreichem Abschluss schloss er in der Übergangsphase zum Bachelor/Master-System 2007 zuzüglich noch den Master of Computer Science erfolgreich ab. In Siegen promovierte er außerdem in dem Bereich Elektrotechnik und Informatik. Aktuell ist Donatus Weber Leiter der Abteilung Industrie 4.0 bei der Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG in Wiehl. Tim Wirtz wiederum ist Physiker. In Siegen absolvierte er seinen Bachelor und Master in theoretischer und mathematischer Physik. Nachdem er 2011 seinen Master of Science in der Tasche hatte, wechselte er an die Universität Duisburg-Essen, wo er in den Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Physik promovierte. Nach seiner Promotion wechselte er an das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) in St. Augustin und ist dort seitdem als Senior Data Scientist schwerpunktmäßig in der Betreuung von Industrieprojekten und der Strategieentwicklung für das Thema Künstliche Intelligenz tätig.

Die Industrie im Umbruch

Die Bezeichnung „Industrie 4.0“ ist in aller Munde. Dahinter verbirgt sich die „Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung aller an der Wertschöpfungskette beteiligten Akteure“ in industriellen Produktionsunternehmen, so der Moderator Till Saßmannshausen. Welche Veränderungen mit der vierten industriellen Revolution konkret verbunden sind, beschreiben die Alumni mit Blick auf ihre jeweilige aktuelle Tätigkeit. Aktuell sei man in der Produktion dabei, „ein Fundament für Industrie 4.0 zu legen, d.h. eine Software-Landschaft zu generieren, bei der die internen Prozesse mit Daten gestützt werden“, so Steffen Rosenthal über den Stand der Dinge bei der SMS group. Die Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH fokussiert sich zunächst auf Kundenprozesse und die Bereitstellung einer Datenbasis über die gesamte Produktionskette beim Kunden. Neben Kampf kooperiert auch die Siegener SMS group eng mit Kunden und Partnerunternehmen zum Thema Digitalisierung und dem gemeinsamen Ziel einer einer „Smart Factory“. Der dritte Gast, Tim Wirtz, beschäftigt sich aus externer Perspektive mit dem Thema. Im Rahmen seiner Tätigkeit am Fraunhofer-Institut versucht er auf Grundlage von gesammelten Daten für Unternehmen Vorhersagen über Qualität, Ausfälle und Brüche zu treffen. Der Data Scientist hat das Gefühl, dass die Mitarbeiter in Unternehmen unterschiedliche Strategien fahren. Daher sei er beratend sowohl auf der Produkt- als auch auf der Produktions-Seite tätig.

Das Feld ist interdisziplinär

Als IngenieurIn kommt man heute nicht mehr an dem Thema vorbei – darin sind sich die Gäste einig. Jedoch steht „Industrie 4.0“ erst am Anfang: „Man merkt in vielen Bereichen, dass die IT Einzug gehalten hat, aber dass noch sehr stark eine andere Denke da ist“, schildert Tim Wirtz seinen Eindruck. Auch gibt es noch gar keine feste Infrastruktur, um Künstliche Intelligenz (KI) oder Big Data einzusetzen. Von diesen „Buzzwörtern“ solle man sich nicht blenden lassen; sie dienen mehr als „Türöffner. Ohnehin komme es in der Praxis nicht darauf an, um welches dieser Themen es sich handele, sondern um den pragmatischen Ansporn. Das Berufsfeld bewege sich außerdem dahin, dass Kompetenzen aus unterschiedlichen Bereichen wie dem Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik etc. immer gefragter sind. Bei „Kampf“ z.B. gibt es mittlerweile mechatronische Teams, d.h. Teams mit jeweils Experten mit Software,- SPS - bzw. Visualisierungs- sowie Mechanik-Skills. „Ich glaube diese Teamfähigkeit ist eine der wichtigsten Skills, denn nur dann hat man die Möglichkeit, schnell Dinge zu bewegen, weil die digitale Welt lebt schnell“, so die Überzeugung von Donatus Weber. Das können Steffen Rosenthal und Tim Wirtz nur bestätigen. Die Zusammenarbeit verlange auch, dass man die Anforderungen der jeweils anderen im Team kenne, um gemeinsam etwas umzusetzen, ergänzt Steffen Rosenthal. Laut Tim Wirtz geht damit auch einher, dass Maschinenbauer und andere Ingenieurinnen ihre Denkweise hin zu einer softwaretechnischen Richtung und umgekehrt ändern müssen. Das heißt: Nicht nur interdisziplinäre Teams sind wichtig, sondern auch eine breitere fachliche Aufstellung der einzelnen MitarbeiterInnen.

Anforderungen und Voraussetzungen für den Berufseinstieg

Wie kann man sich also fachlich aufstellen? Das Studium bietet die Gelegenheit, sich neben den Grundlagenkenntnissen wichtige Kompetenzen wie freies Sprechen und Präsentationstechnik als auch Projektmanagement durch z.B. Projektarbeiten und Arbeiten im Team anzueignen. Steffen Rosenthal empfiehlt zudem, z.B. im Rahmen eines Praktikums im Betrieb z.B. SAP-Grundlagen mitzunehmen, zumal das SAP-System heute in jedem Unternehmen Standard sei. Auch wenn man damit schon sehr gut aufgestellt ist, raten die Alumni ganz klar zum aufbauenden Master-Studium, denn „mit dem Bachelor läuft man zwar auch die Leiter herauf, aber bleibt irgendwo stehen“, erklärt Donatus Weber. Auch wenn man die im Master erworbenen theoretischen Grundkenntnisse so in der Form nie wieder braucht, sei es wichtig, das Prinzip dahinter zu verstehen.

Was die Studiendauer betrifft, sind die Gäste der einhelligen Meinung, dass man sich während des Studiums nicht zu viel Druck machen sollte. Viel wichtiger als das Studium möglichst schnell erfolgreich abzuschließen, sei, dass man eine Leidenschaft für ein bestimmtes Thema entwickelt und sich eventuell über längere Zeit mit einem speziellen Thema auf fachlicher Grundlage beschäftigen könne. Grundsätzlich sollte man sich daran orientieren, wofür man sich begeistern kann, findet Donatus Weber: „Ich habe in meinem Leben immer das gemacht, wofür ich mich begeistern konnte, und das bringt einen in der heutigen Zeit am weitesten.“ Denn wenn man eine Aufgabe mit Leidenschaft ausfülle, könne man auch die besten Ergebnisse erzielen. Selbstverständlich spielt dieser Aspekt gerade bei der Bewerbung eine große Rolle. Nach der Einschätzung der Alumni kommt es in diesem zunehmend interdisziplinären Bereich mit vielen Quereinsteigern nicht darauf an, welchen genauen Studiengang bzw. was man schwerpunktmäßig studiere, sondern vielmehr darauf, dass das Interesse und die Leidenschaft für den Bereich rüberkommt. Was man als AbsolventIn außerdem mitbringen sollte, ist eine hohe Professionalität, Verlässlichkeit und eine eigenverantwortliche Arbeitsweise. Ebenso wichtig sei es, Konzepte nicht nur theoretisch zu erarbeiten, sondern auch in die Praxis umzusetzen. Was die Erwartungen der Berufseinsteiger an ihre Arbeitgeber betrifft, berichten die Alumni, dass die Frage nach dem Gehalt heutzutage nicht mehr Priorität habe. Viel größeren Wert lägen die BerufseinsteigerInnen auf einen individuellen Arbeitsplatz sowie Entwicklungschancen im Team. Wenn die MitarbeiterInnen sich wohlfühlen und es eine Vertrauensbasis zwischen ihnen und den Arbeitgebern gibt, bekommt auch der Arbeitgeber etwas zurück.

Industrie 4.0 bleibt spannend

Auch wenn das Thema Industrie 4.0 in der Gesellschaft teilweise noch kritisch diskutiert wird und auch in der Fachwelt Akzeptanz geschaffen werden muss, so komme es darauf an, wie man das Thema kommuniziert, so die Meinung der Alumni. Tim Wirtz z.B. stellt immer wieder im Gespräch fest, dass die Bereitschaft für die Technik da ist, sobald klar wird, dass die Maschinen viele kleine Routineaufgaben und Kleinigkeiten abnehmen können. In den Maschinenbau-Unternehmen bei Donatus Weber und Steffen Rosenthal sei das Thema und die damit verbundenen Entwicklungen inzwischen insgesamt sehr gut angenommen worden.

Fest steht: Der Bereich „Industrie 4.0“ ist zukunftsweisend und spannend zugleich. Offenheit ist somit für Studierende umso wichtiger. Das betrifft u.a. den Umgang mit verschiedensten Programmiersprachen und das Verstehen des ,Ganzen´, d.h. der Technologien und der Programmiersprachen. Ob man letztendlich mitgestalte, hänge an einem selbst. „Man muss schauen, dass man den Wandel mit vorantreibt, denn dann bleibt man einfach immer Teil des Systems“, so Tim Wirtz.

Bettina Stephan, Redaktion Alumni-Team