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Forschung

Das Forschungsprofil der Professur umfasst auf der inhaltlichen Ebene die europäisch vergleichend ausgerichtete Wissens- und Kommunikationsgeschichte, die zeitlich ihren Schwerpunkt ab dem späten 18. Jahrhundert hat. Insgesamt weisen die Forschungsschwerpunkte große Schnittmengen zu den historischen Subdisziplinen Technik-, Wissenschafts- und Umweltgeschichte auf. Wechselwirkungen zwischen Wissen, Kommunikation, Gesellschaft und Kultur bilden den Kern der Forschungen. Kulturhistorische Herangehensweisen stehen im Vordergrund.

Zentrale Schwerpunkte der Forschungsarbeit an der Professur sind:

erstens die transnationale und international vergleichende Kulturgeschichte von Technik, Wissen(schaft) und Kommunikation. Es geht darum,  die Wissensgeschichte auch als eine Geschichte der Zirkulation und Migration von Ideen, Konzepten, Popularisierungen, Texten und nicht zuletzt von Menschen zu begreifen. In diesem Zusammenhang stehen in der Forschungstätigkeit zum einen lokale Aneignungsprozesse, Hybridbildungen und zum anderen die Übersetzung von globalisierten Technologien, Wissensbeständen und Praktiken sowie die damit verknüpften Machtasymmetrien und sozialen Umbrüche im Vordergrund.

Publikationen (Auswahl)

  • Laura Meneghello: Jacob Moleschott: A Transnational Biography. Science, Politics, and Popularization in Nineteenth-Century Europe, Bielefeld 2017.
  • Astrid Windus: Epistemologíeas transculturales. Prácticas y producción de conocimientos en zonas de contacto colonial en los Andes y Paraguay, José Luís Martínez Cereceda, Astrid Windus (Hrsg.): Colonial Latin American Review 28:1 (2019).
  • Noyan Dinçkal: Arenas of Experimentation. Modernizing Istanbul in the Late Ottoman Empire, in: Mikael Hård & Thomas J. Misa (Hg.): Urban Machinery. Inside Modern European Cities, Cambridge/Mass. 2008, S. 49-69.


Einen zweiten Schwerpunkt in der Forschung bildet die Wissens- und Technikgeschichte des Körpers und in diesem Rahmen speziell die Sportgeschichte und der Geschichte von Kriegsversehrungen. Dabei steht zum einen der mit wissensbasierten Praktiken verknüpfte technisierte Körper als prägendes Charakteristikum der Moderne im Vordergrund. Zum anderen geht es aber auch um körpergebundene Technikerfahrungen (etwa im Sport und der Prothetik), die ihrerseits oft auf implizitem Wissen basieren und oft sowohl mit Diszplinierungserfahrungen als auch mit einer subjektiven Technik- und Wissensaneignung einhergehen.

Publiationen (Auswahl):

  • Noyan Dinçkal: Sport (machen), in: Martina Heßler & Kevin Liggieri (Hg.): Technikanthropologie. Handbuch für Wissenschaft und Studium, Baden-Baden 2020. S. 471-477.
  • Noyan Dinçkal: Remaskulinisierung durch Technik? Rehabilitation und Kriegsbeschädigung in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, in: Bernhard Gotto & Elke Seefried (Hg.): Männer mit Makel. Männlichkeiten und gesellschaftlicher Wandel in der frühen Bundesrepublik, Berlin 2017, S. 37-48.
  • Noyan Dinçkal: "Lebensproben": Leistungs- und Eignungsmessung im Sport (1900-1930), in: Sybilla Nikolow (Hg.): Erkenne Dich Selbst! Strategien der Sichtbarmachung des Körpers im 20. Jahrhundert, Köln u.a. 2015, S. 215-226.


Drittens sind urbane Umwelten mit ihrer Planung, Gestaltung und Technisierung ein weiterer Schwerpunkt der Professur für Europäische Wissens- und Kommunikationsgeschichte der Moderne.
Tagung: Visions of Sustainability / Nachhaltigkeitsvisionen (Universität Siegen, 11.-12. März 2021)

Publikationen (Auswahl):

  • Laura Meneghello: Kulturgeschichte und "STS" kombiniert. Die Rohrpost als kommunikations- und raumerzeugende Infrastruktur, in: Astrid Wiedmann, u.a. (Hg.): Wie forschen mit den 'Science and Technology Studies'? Bielefeld 2020, S. 25-49.
  • Noyan Dinçkal: Urban-Environmental Perspectives in History Teaching, in: Sebastian Haumann, Martin Knoll & Detlev Mares (Hg.): Concepts of Urban-Environmental History, Bielefeld 2020, S. 275-285 [mit Detlev Mares].
  • Noyan Dinçkal: Water as a Commodity? Debates and Conflicts on the (De)regulation of Water Infrastructures in Istanbul, 1885-1937, in: Birte Förster & Martin Bauch (Hg.): Wasserinfrastrukturen und Macht von der Antike bis zur Gegenwart (Historische Zeitschrift, Beihefte, N.F. 63), München 2014, S. 208-233.

Aktuell stehen folgende Forschungsarbeiten im Zentrum:

Translokale Pneumatik: Wissen, Räume und Materialität der Rohrpost vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Habilitationsprojekt: Dr. Laura Meneghello

Die Rohrpost, ein System von Röhren, das mit Luftdruck betrieben wird, war während mehrerer Jahrzehnte, in manchen Fällen auch länger als ein Jahrhundert, ein wichtiges Kommunikations- und Transportmittel. Zudem wurde die Rohrpost auch in Industrien und Institutionen wie Ministerien, Bibliotheken und Krankenhäusern eingesetzt. Ziel des Projektes ist es, die Geschichte der Rohrpost in transnationaler Perspektive als zentralen Aspekt moderner Kommunikation zu betrachten und aus der Perspektive einer Kultur- und Wissensgeschichte der Technik zu analysieren, wie technisches und wissenschaftliches Wissen transnational zirkulierte und wie dieses Wissen Räume, Arbeit und Alltag gestaltete. Auf der methodischen und theoretischen Ebene wird eine Verbindung der Wissens-, Wissenschafts- und Kulturgeschichte mit Science and Technology Studies (STS) und Alltagsgeschichte angestrebt.

Publikationen:

  • Laura Meneghello: Kulturgeschichte und STS kombiniert. Die Rohrpost als kommunikations- und raumerzeugende Infrastruktur, in: Astrid Wiedmann u.a. (Hg.): Wie forschen mit den ‘Science and Technology Studies’? Bielefeld 2020, S. 25-49.

Kriegsversehrungen nach 1945 im deutsch-deutschen Vergleich: Wissen – Rehabilitation – Sozialpolitik. Prof. Noyan Dinçkal (In Kooperation mit dem „Forschungsschwerpunkt Zeitgeschichte“ am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin an der Charité Berlin, Prof. Dr. Sabine Schleiermacher)


Anknüpfend an den Forschungsschwerpunkt Wissens- und Technikgeschichte des Körpers rücken hier die Kriegsversehrten in der BRD und DDR in den Vordergrund. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Zeit vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1970er-Jahre. Das Forschungsvorhaben liegt im Schnittfeld von Wissens-, Technik- und Medizingeschichte und wird in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Charité Berlin (Prof. Sabine Schleiermacher) bearbeitet. Gefragt wird nach dem Spannungsfeld von wissenschaftlichen und praktischen Wissen, der Herausbildung neuer Expertengruppen und dem Eigensinn der Betroffenen. Insgesamt fokussiert das Projekt drei eng miteinander verknüpfte Untersuchungsebenen. Auf einer ersten Ebene werden die rehabilitativen Maßnahmen analysiert. Im Zentrum der zweiten wird die technisch-prothetische Versorgung der Kriegsversehrten stehen. Drittens schließlich werden die sozialpolitischen Maßnahmen in den Blick genommen.

Im Zusammenhang mit diesem Forschungsprojekt fand 2019 in Siegen die von der DFG geförderte internationale Tagung „Kriegsversehrungen im 20. Jahrhundert in europäischer Perspektive / A European Perspective on War Disabilities in the Twentieth Century“ statt.

Publikationen:

  • Noyan Dinçkal: Remaskulinisierung durch Technik? Rehabilitation und Kriegsbeschädigung in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, in: Bernhard Gotto & Elke Seefried (Hg.): Männer mit Makel. Männlichkeiten und gesellschaftlicher Wandel in der frühen Bundesrepublik, Berlin 2017, S. 37-48.
  • Noyan Dinçkal & Sabine Schleiermacher (Hg.): Kriegsversehrungen im 20. Jahrhundert in europäischer Perspektive, Paderborn, erscheint 2021.

Globale und transkulturelle Wissens- und Kommunikationsgeschichte seit der Frühen Neuzeit (Schwerpunkt Lateinamerika, Atlantischer Raum). PD Dr. Astrid Windus


Thema dieser Forschungen sind die kulturellen Verflechtungen, die die transatlantische und die lateinamerikanische Geschichte seit der frühen Neuzeit prägten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der transkulturellen Wissens- und Kommunikationsgeschichte. Dabei wird nicht nur die Zirkulation von Expertenwissen in den Blick genommen, sondern auch die Dynamiken lokaler Wissensproduktion im Kontext kolonialer Herrschaftsverhältnisse im Andenraum des 17.-19. Jahrhunderts. Das bedeutet, dass auch nicht-hegemoniale (z.B. indigene) Wissensbestände und -praktiken sowie nicht-schriftliche Bedeutungsträger wie Bilder, Architekturen und mythologische Narrative für die Untersuchung eine entscheidende Rolle spielen. Diese Forschungen sind Gegenstand meiner Habilitationsschrift „Mythen, Bilder, Artefakte. Zur Kommunikation religiösen Wissens in einer andinen Kontaktzone. Carabuco, 17.-18. Jahrhundert“. Das neue Forschungsprojekt erweitert diese Ansätze um die räumlich-geographische Dimension der Wissensproduktion. Es geht der Konstruktion sakraler Räume und Topographien anhand mikrohistorischer Fallbeispiele nach und untersucht die Interaktion zwischen den lokalen Akteuren, der sie umgebenden sakralisierten Topographie und den (vorspanischen und kolonialzeitlichen) Objekten und Architekturen, die Teil des sozialen und religiösen Raums sind.

Publikationen (Auswahl):

  • Astrid Windus: Espacios locales y espacios trascendentales de la conversión: Las Postrimerías de Carabuco y la producción performativa de epistemologías transculturales, in: Colonial Latin American Review 28.1 (2019), S. 59-80.
  • Astrid Windus: “Y yo, con buen celo y ánimo, tomé los pinceles del oleo...”: Dynamics of Cultural Entanglement and Transculturation in Diego de Ocaña’s Virgin of Guadalupe (Bolivia, 17th–18th Cent.), in: Colonial Latin American Review 27.4 (2018), S. 431-451.
  • Astrid Windus: „Mythen, Bilder, Objekte. Zur Kommunikation religiösen Wissens in einer andinen Kontaktzone. Carabuco, 17.-18. Jahrhundert“, Münster, erscheint 2021.