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Aktuelle Forschungsprojekte

Mobilitätserziehung und eigenständige Mobilität von Kindern im Grundschulalter

Projektdauer: 01.01.2019-31.12.2021
Projektleitung: Prof. Dr. Hans Graßl, Dr. Markus Schaal
Mitarbeiterin: Lara Viktoria Schneider M.A.

Mobilität ist ein perspektivenvernetzender Themenbereich, über den nicht nur geografische, naturwissenschaftliche sowie sozialwissenschaftliche Inhalte im Sachunterricht vermittelt werden können, sondern der auch Gelegenheit zu außerschulischen Lernerfahrungen bietet. Standen zunächst bei der Verkehrserziehung vor allem Regellernen und „verkehrsgerechtes Verhalten“ im Vordergrund, so bilden heute Gesundheits- und Umweltaspekte eine wichtige Ergänzung des Curriculums. Im Zuge dieser Erweiterung zur Verkehrs- und Mobilitätserziehung soll den Kindern auch ihre Gestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeit beim Thema Mobilität vor Augen geführt werden. Das entspricht dem Anliegen der neuen soziologischen Kindheitsforschung, die ebenfalls die eigenständige Handlungsfähigkeit also die „Agency“ der Kinder hervorhebt. Während also konzeptionell in beiden Bereichen eine Wende vom passiven zum aktiven Kind vollzogen wurde, zeigen zahllose empirische Studien in die entgegengesetzte Richtung: die unabhängige Mobilität von Kindern geht immer weiter zurück. Dies zieht inzwischen sogar die Radfahrausbildung in Mitleidenschaft, da den Grundschulkindern immer öfter die psycho-motorischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme fehlen. In diesem Teilprojekt möchten wir dieser eigenartigen Spannung zwischen theoretischem „Empowerment“ und praktisch-empirisch zurückgehender Eigenständigkeit in Bezug auf die Mobilität und der Mobilitätserziehung nachgehen. Dies soll zunächst auf theoretisch-historischer Ebene und später auch auf der Basis eigener empirischer Untersuchungen erfolgen.

Weitere Informationen finden sie auf diesem Poster, das auf der internationalen Tagung "Cultural Appropriation of Spaces and Things" im Oktober 2019 in Siegen präsentiert wurde.

 

Literatur:
SCHAAL, MARKUS (2020): Raum für eine eigenständige Kindheit in der Stadt? Zukunftsvisionen für eine unabhängige Mobilität von Kindern. in: DIAGONAL Zeitschrift der Universität Siegen, Nr. 41, 2020 (im erscheinen)
SCHAAL, MARKUS (2020): Martha Muchow in the Context of the New Sociology of Childhood. What Can a Classic Still Teach Us Today? in: wird in 2020 im Tagungsband zu der Tagung "Cultural Appropriation of Spaces and Things" erscheinen

 


 

Abgeschlossene Forschungsprojekte

 

Techniksozialisation im Elternhaus und nachhaltiges Handeln als Thema des Sachunterrichts.
Teilprojekt im Rahmen des Projektes "Den Sachunterricht vernetzen - Perspektiven öffnen", gefördert vom nordrheinwestfälischen Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung

Projektdauer: 01.01.2016-31.12.2017
Projektleitung: Prof. Dr. Hans Graßl, Dr. Marianne Langstrof
Mitarbeiterin: Lara Viktoria Schneider M.A., Jana Klein B.A.

Nachhaltiges Handeln ist zentrales Zukunftsthema in unserer modernen Gesellschaft. Je früher es eingeübt und seine Brisanz erkannt wird, desto eher wird es im späteren Leben bedacht und angewendet. Aus diesem Grund stellt sich auch für den Sachunterricht in der Grundschule die Frage, wie Grundschulkinder effektiv an das Thema Nachhaltigkeit herangeführt werden können. In der Grundschul-Didaktik gibt es bisher noch wenige wissenschaftlich erprobte Konzepte zur Vermittlung von Nachhaltigkeitsthemen. Einen wichtigen Grund hierfür sehen wir in der fehlenden Grundlagenforschung zu diesem Thema. Kaum erforscht sind etwa die Vorrausetzungen, die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen, um für das Thema Nachhaltigkeit in der Grundschule tiefgreifend sensibilisiert werden zu können.

 Mehr Informationen finden Sie Projektseite oder dem Onlineposter.

 

Literatur:

LANGSTROF, MARIANNE (2017): Nachhaltigkeit im Sachunterricht - Zwischen Aufklärung und politisch motiverter Bildungsarbeit. In: www.widerstreit-sachunterricht.de, Nr. 23, Oktober 2017

LANGSTROF, MARIANNE (2017): Wie entsteht Technikmündigkeit? Zur Bedeutung eines technisch orientierten Vaters als Role Model für die Ausbildung von Technikmündigkeit. In: Martin Gröger, Mareike Janssen, Jutta Wiesemann (Hg.): Nachhaltig handeln lernen im Sachunterricht. Beitragsdokumentation zur Tagung am 5. Oktober 2016 an der Universität Siegen, S. 303-321.

 

Chancen und Hindernisse  in der gewerblich-technischen Berufsausbildung junger Frauen in der Industrieregion Siegen-Wittgenstein

Projektdauer: 01.01.2014-31.07.2014
Projektleitung: Michael Streich, Bombardier Transportation GmbH Site Siegen, PD Dr. Hans Graßl
Mitarbeiterin: Jana Klein, B.A.

Das Problem fehlender Fachkräfte im gewerblich-technischen Bereich wird für den Wirtschaftsstandort Siegen-Wittgenstein immer offenkundiger: So ist der Kreis einerseits überdurchschnittlich vom demographischen Wandel betroffen, gleichzeitig steigen Bedarf und Anforderungen an die gewerblich-technischen Fachkräfte.

Hoffnung liegt nicht zuletzt auf den Frauen der Region. Denn die Frauenerwerbsquote ist im traditionell industriell geprägten Kreis Siegen-Wittgenstein nach wie vor unterdurchschnittlich. Den Industrie-betrieben der Region entgehen dadurch die außerordentlich guten Bildungsreserven der jungen Frauen, denn wie spätestens mit der PISA Studie deutlich wurde, verfügen diese mittlerweile im Schnitt über deutlich bessere Kompetenzen als junge Männer, insbesondere auch in Mathe. Diesem Vorhaben stehen jedoch mächtige strukturelle, kulturelle und sozialpolitische Barrieren entgegen.

In Zusammenarbeit mit der Bombardier Transportation GmbH Siegen sollen Hindernisse identifiziert werden, denen sich junge Frauen bei der Entscheidung für oder gegen einen gewerblich-technischen Ausbildungsberuf gegenübersehen. Ziel des Projektes ist es, praktikable betriebliche Strategien und Instrumente zu entwickeln, um Barrieren zu entschärfen, die den Frauen die (Um-) Nutzung industrieller Erwerbschancen verwehren. Die Grundlage für unsere Analyse bilden vor allem narrative Interviews mit Frauen, die sich für eine gewerblich-technische Ausbildung entschieden haben.

 

 

Literatur:

 

GRASSL, HANS / KLEIN, JANA (2014):
Wandel der geschlechtsspezifischen Berufswahl in Zeiten des Fachkräftemangels? In: DIAGONAL. Zeitschrift der Universität Siegen, Jahrgang 2014, Heft 35, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 153-173

KLEIN, JANA (2016):
Frauen und Technik - ein schwieriges Verhältnis? In: Siegen:Sozial Analysen - Berichte - Kontroversen, Nr 01/2016, S.30-35

 

The Hidden Structure of the German Economy

Projektlaufzeit: August 2011 bis Dezember 2012 
Projektleitung: Prof Dr. Christiane Bender, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg, PD Dr. Hans Grassl, Universität Siegen

Allem Anschein nach hat sich Deutschland in den letzten fünfzehn Jahren vom “kranken Mann zum Vorbild Europas“ (Eichhorst) gemausert. Einst wurde bemängelt, Deutschland vollziehe nur schleppend den Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und hinke somit im OECD-Vergleich weit abgeschlagen hinter den angelsächsischen wie auch den skandinavischen Ländern her. Hieran knüpften sich weitere Vorwürfe, Deutschland „parke“ einen zu hohen Anteil an erwerbsfähigen Personen außerhalb des Arbeitsmarkts, als Empfänger von Transfereinkommen oder in Abhängigkeit vom Einkommen eines Familienernährers, und nehme hohe Massenarbeitslosigkeit in Kauf. Gefordert wurde eine forcierte Tertiarisierung der gesellschaftlichen Arbeitswelt. Dadurch entstünden auch in Deutschland genügend neue Arbeitsplätze, die den Beschäftigungsrückgang in der Industrie kompensierten und Frauen vermehrt den Zugang zum Arbeitsmarkt eröffneten.

In unseren Forschungsarbeiten (vgl.Bender/Grassl 2004; Bender/Grassl/Schaal 2007) zur Dienstleistungsgesellschaft in Deutschland überprüften wir diese Annahmen. Wir untersuchten im Anschluss an Scharpf (1986) und Häußermann/Siebel (1995) die Entwicklung der Arbeitsmärkte bis zum Jahr 2000 auf der Grundlage der Unterscheidung zwischen dem produktionsorientierten Bereich einerseits, dem verarbeitenden Gewerbe und den hierzu benötigten Dienstleistungen, und den konsumbezogenen Dienstleistungen andererseits. Unsere Ergebnisse lauteten damals: Ca. 1/3 der erwerbsfähigen Bevölkerung haben in Deutschland mit der materiellen Produktion und Reproduktion der Gesellschaft zu tun. Die Beschäftigung im Bereich der konsumbezogenen Dienstleistungen, hierzu gehören vor allem soziale Dienste, lag damals weit zurück hinter den USA, wo die privaten Haushalte einen großen Anteil an der Finanzierung dieser Dienstleistungen haben, und hinter Schweden. Dort stellt ein ausgebauter öffentlicher Dienst ein breites Angebot an haushaltsnahen Infrastrukturleistungen zur Verfügung. Deutschland kristallisierte sich als Beispiel für eine self-service-economy heraus mit einer niedrigen Erwerbsquote von Frauen und einer starken Beanspruchung der Familien in den privaten Haushalten, wo Dienstleistungen unbezahlt, vorwiegend von Frauen, erbracht werden (vgl.Schettkat 2003). Dieses Modell erschien damals mit seiner unzureichenden Integration des Humankapitals großer Teile der erwerbsfähigen Bevölkerung in den Arbeitsmarkt und der mangelnden Förderung des schulischen Nachwuchses in Form von Halbtagsschulen ungeeignet, den demographischen Wandel künftig zu bewältigen. 

Auf der Grundlage der OECD Labour Force Statistics 1989 bis 2009 prüfen wir nun, ob das Jobwunder die Dienstleistungslücke in Deutschland geschlossen hat. Die Beschäftigung im produktionsorientierten Bereich ist über die letzten Jahre stabil geblieben und erweist sich gegenwärtig als zuverlässige Basis der erfolgreichen Exportorientierung Deutschlands, während Länder wie die USA und Großbritannien, die ihre Industrien sukzessive entkernt haben, durch die Finanzmarktkrise besonders hart getroffen wurden. Für die aktuelle Entwicklung der konsumbezogenen Dienstleistungen fällt auf, dass Deutschland die vor einem Jahrzehnt diagnostizierte Rückständigkeit im Vergleich mit den USA und Schweden (vgl.Heintze 2011) verringert, nicht aber beseitigt hat. Es ist unstrittig, dass Deutschland in den letzten fünf Jahren beachtliche Erfolge gelungen sind, Arbeitsplätze zu schaffen, die Arbeitslosenquote zu senken und signifikant die Beschäftigungsquote anzuheben, jedoch hat sich das Feld der atypischen Beschäftigungsformen mit teilweise prekärem ökonomischen Status für die Stelleninhaber erweitert (vgl. Eichhorst 2011). Deutschland weist nun eine im OECD-Vergleich überdurchschnittliche Beschäftigungsquote von Frauen auf, aber  -  die Ernüchterung folgt auf dem Fuße – das Arbeitsvolumen der Frauen hat kaum zugelegt (vgl.IAB 2011). Immer mehr Frauen und wenige Männer sind mit Teilzeittätigkeiten beschäftigt. Vor allem Tätigkeiten im Bereich von Erziehung, Bildung, Betreuung und Pflege werden von Frauen als Teilzeitstellen in Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände und der Kommunen und in Schulen ausgeübt, während Männer auf Vollzeitstellen nach wie vor die Stammbelegschaften und das Führungspersonal der Industrie ausmachen. Dienstleistungen, die nicht Teil der industriellen Produktion und Reproduktion sind, werden somit in Deutschland weiterhin den Frauen zugewiesen, als unbezahlte Tätigkeiten in den privaten Haushalten und auf dem Arbeitsmarkt oftmals mit niedriger Bezahlung und mit geringen Aufstiegschancen. Zwar leisten viele Frauen einen Beitrag in der Gesellschaft, der moralisch hoch bewertet wird, aber finanziell und von der sozialen Sicherung kaum zur Unabhängigkeit vom Einkommen eines männlichen Familienernährers führen. Die „hidden structure of the german economy“, die wir in unserer Forschung freilegen, besteht daher in einer sich verfestigenden geschlechtsspezifischen Segregation auf dem Arbeitsmarkt, einer Spaltung zwischen der überkommenen männlich dominierten Industrie und den von Frauen getragenen sozialen Dienstleistungen. 

Literatur:

CHRISTIANE BENDER UND HANS GRASSL (2012):
Die Ökonomie der Männer. In: Frankfurter Rundschau vom 8. Mai 2012

 

Marketing als Moralisierung der Märkte

 

Projektdauer: 2009-2010
Projektleiter: Dr. Markus Schaal (TNS Infratest), PD Dr. Hans Graßl (Universität Siegen)
Projektpartner: TNS Infratest in Kooperation mit Financial Times Deutschland und der Universität Siegen

 

Der spektakuläre Kampf der Bauern um höhere Milchpreise hat einen der bedeutendsten Pfeiler der deutschen Lebensmittelwirtschaft ins öffentliche Bewusstsein gerückt: die Milchwirtschaft. Die wirtschaftliche Lage der einheimischen Milcherzeuger und vieler Molkereien wird schwieriger. Die Importe aus anderen EU-Ländern, aber auch aus fernen Gebieten des Weltmarkts, üben - verstärkt durch den wettbewerbsintensiven deutschen Lebensmittelmarkt - einen erheblichen Druck auf die Preise für Rohmilch und Milchprodukte aus. Welche Spielräume gibt es für die Molkereien und die Milcherzeuger sich unter den gegenwärtigen Bedingungen des internationalen Wettbewerbs preispolitisch Luft zu verschaffen? Und wie kann eine Situation geschaffen werden von der alle beteiligten Stakeholder im Milchmarkt inklusive der Verbraucher profitieren?

 

Literatur:

 

GRASSL, HANS / SCHAAL, MARKUS (2010):
Marketing als Moralisierung der Märkte: Beispiel Milchwirtschaft, in: Financal Times Deutschland vom 26. April 2010

 

Wie Menschen und Bienen sich besser kennen lernen


Projektdauer: 2009-2010
ProjektleiterInnen: PD Dr. Hans Graßl, Dipl. Biologin Katja Hadwich
Projektpartner: Projekt des Insektenzuchtraums der PH Heidelberg „Tropicana“ in Kooperation mit dem Institut für Gesellschaftswissenschaften der PH Heidelberg

 

Lange Zeit war die Bienenhaltung ein unverzichtbarer Teil der bäuerlichen Landwirtschaft. Obwohl Honigbienen vor allem gehalten wurden, um Honig und Bienenwachs zu gewinnen, erledigten sie „nebenbei“ auch die Bestäubung der Blüten von Kultur- und Wildpflanzen und sicherten so den Fortbestand vielfältiger Kulturlandschaften. In der heutigen Zeit, in der rund 80 Prozent (84 000 Tonnen) des Honigbedarfs aus dem Ausland importiert und Kerzen vor allem aus Stearin und Paraffin hergestellt werden, scheint die wirtschaftliche Bedeutung der Honigbiene zu schrumpfen. Doch der Schein trügt. Der Wert der Bestäubungsleistung der Honigbienen ist aus volkswirtschaftlicher Perspektive um ein Vielfaches höher als der Wert der direkten Bienenprodukte. Die Honigbienen gehört zu den wichtigsten Nutztieren. Das Problem dabei ist: Bienen sind in vielen Regionen der Welt auf dem Rückzug. Durch menschliche Eingriffe in die Natur verlieren Insekten ihre Nahrungsgrundlagen, aber auch Nistmöglichkeiten. Da die Honigbiene in Mitteleuropa keine natürlichen Nistmöglichkeiten mehr hat, ist ihr Überleben von der Arbeit der Imker abhängig. Doch die Zahl der Imker (81.000 im Jahr 2005) und der Bienenvölker (718.000 im Jahr 2005) hat sich seit den 1950er Jahren um die Hälfte verringert. Das Durchschnittsalter der deutschen Imker liegt inzwischen bei über 60 Jahren. Beide Trends führen bereits in naher Zukunft zu gewaltigen wirtschaftlichen Schäden, beispielsweise durch den Rückgang der Obst- und Gemüseerträge. Die urbane Lebensweise schafft keine Gelegenheitsstrukturen mehr, der Honigbiene im Alltag zu begegnen. Ziel der Bienen-Projekte der PH Heidelberg ist es, mit überschaubarem Aufwand Bienen auf dem Schulgelände zu halten, einen bienenfreundlichen Garten zu gestalten oder einen Imker zu besuchen. Unter Verwendung von einfachen technischen Hilfsmitteln wie Bienenkisten und Wildbienenhotels können sich Mensch und Biene schon von Kindesbeinen an wieder besser kennen lernen.

 

Literatur:

 

GRASSL, HANS / HADWICH, KATJA (2010):

Wie Mensch und Biene sich besser kennen lernen. Projekte des Insektenzuchtraumes führen Kinder an den "Lebensraum Biene" heran, in: daktylos, Nummer 1, 15. Jahrgang, April 2010, S. 8-9

 

Entwicklungspfade von Dienstleistungsstrukturen in der modernen Industrie- und Wohlfahrtsgesellschaft und in ihren Teilsystemen


Projektdauer: 01.10.2002-31.12.2009
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender und Dr. Hans Graßl
Projektpartner: Prof. Dr. Gianfranco Poggi, Universität Trento, Italie
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Die Tertiarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet ein hoffnungsvolles Zukunftsprojekt auch über das 20. Jahrhundert hinaus. Die vor allem von Jean Fourastié entwickelte Drei-Sektoren-Hypothese zur Unterscheidung wirtschaftlicher Prozesse erweist sich zunehmend als inadäquat. Wir gehen in unserer theoretisch angeleiteten empirischen Analyse von der These einer engen Verschränkung industrieller und tertiärer Mechanismen aus und rekonstruieren die zugrunde liegende und sich wandelnde Institutionenordnung.

Der Aufbau des Projekts gliedert sich in vier Teile: 1. eine soziohistorische Rekonstruktion, 2. eine sozioökonomische Analyse zentraler Dienstleistungsfelder, 3. eine soziotechnische Studie der Veränderung der Prozesse der Erstellung konsumorientierter Dienstleistungen in den privaten Haushalten durch die Einführung von E-Commerce, und 4. eine Vergleichsanalyse des Tertialisierungsgrads zwischen Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien.

Literatur:

BENDER, CHRISTIANE / GRASSL, HANS / SCHAAL, MARKUS (2004):

Nationale Arbeitsmärkte in Zeiten der Globalisierung? Die Schweiz im Zentrum und in der Peripherie Europas,
in: Brunkhorst, Hauke / Grözinger, Gerd / Matiaske, Wenzel (Hg.), (2004): Peripherie und Zentrum in der Weltgesellschaft, München und Mering: Rainer Hampp Verlag, S. 1-21

GRASSL, HANS / BENDER, CHRISTIANE / SCHAAL, MARKUS, (2005):

Quo vadis, Schweiz? Soziologische Perspektiven zur Erforschung nationaler Arbeitsmärkte,
in: UNIFORSCHUNG, Forschungsmagazin der Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg, 15. Jahrgang, Ausgabe 2005, S. 50-54



BENDER, CHRISTIANE / GRASSL, HANS (2006):

Woher kommen die Jobs? Arbeitsmarktpolitik in Deutschland: Ein Beschäftigungszuwachs ist nur noch im sozialen Dienstleistungssektor zu erwarten,
in: Frankfurter Rundschau vom Dienstag, den 31. Januar 2006



BENDER, CHRISTIANE (2006):

Wo entstehen die Jobs von morgen?
in: UNIFORSCHUNG, Forschungsmagazin der Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg, 16. Jahrgang, Ausgabe 2006, S. 32-33



BENDER, CHRISTIANE / GRASSL, HANS  /SCHAAL, MARKUS, (2007):

Der Schweizer Arbeitsmarkt: Sonderfall unter Modernisierungsdruck,
in: Thomas S., Eberle/ Kurt, Imhof (Hg.), (2007): Sonderfall Schweiz, Zürich: Seismo Verlag, S.172-187



BENDER, CHRISTIANE / GRASSL, HANS, (2007):

Mehrdimensionale Arbeitswelten in Gegenwart und Zukunft, in: Schmidt, Burghart/ Hogeforster, Jürgen (Hg.), (2007): Mehrdimensionale Arbeitswelten im baltischen Raum. Von der Geschichte zur Gegenwart und Zukunft, Hamburg: DUBO Verlag, S.108-115 




 

Ökonomisierungs- und Privatisierungsprozesse im Bildungssystem


Projektdauer: 01.01.2003-31.12.2008
Projektleitung: Dr. Hans Graßl

 

Die Koordinationsmechanismen Markt und Wettbewerb werden immer mehr zum zentralen Bezugspunkt für die Individuen der Dienstleistungsgesellschaft. Die Bewertung von Ökonomisierungsprozessen bleibt ambivalent. Einerseits wird die Ausweitung individueller Handlungschancen und das wirtschaftstheoretische Versprechen höherer  Produktivität durch Markt und Wettbewerb begrüßt, andereseits wird Ökonomisierung aber als Verlust von Werten, kulturellen Standards, sozialen Bindungen und gesellschaftlichem Zusammenhalt bedauert. Im Projekt werden die Ausbreitung formaler Märkte und ökonomischer Anreizsysteme im bisher weitgehend von bürokratischen und demokratischen Koordinationsmechanismen geprägten Bildungssystem untersucht.

Literatur:

 

GRASSL, HANS (2008):

Ökonomisierung der Bildungsproduktion. Zu einer Theorie des konservativen Bildungsstaats,
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 




 

Die neuen Kommunikationsmedien und die soziale Arbeitsteilung zwischen der privaten und der öffentlichen Arbeitssphäre. Empirisches Projekt mit Studierenden an der Universität der Bundeswehr Hamburg


Projektdauer: 01.10.2001-31.12.2004
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender und Dr. Hans Graßl

 

Die neuen Informationstechnologien verändern die soziale Arbeitsteilung nicht nur in und zwischen den modernen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Sie werden zunehmend auch in den privaten Haushalten produktiv genutzt. Damit verändert sich die private Produktionsarbeit und mit ihr die Interaktionsformen und Austauschbeziehungen zwischen den privaten Haushalten und den erwerbswirtschaftlich organisierten Dienstleistungs- und Güterproduzenten.

Literatur:



BENDER, CHRISTIANE / GRASSL, HANS:

E-Commerce - ein Beitrag zur Modernisierung der privaten Haushalte?
in: UNIFORSCHUNG, Forschungsmagazin der Bundeswehr Hamburg, 12. Jahrgang, Ausgabe 2002, S. 42-46, 2002

BENDER, CHRISTIANE / GRASSL, HANS:

Arbeiten und Leben in der Dienstleistungsgesellschaft,
Konstanz, 2004 




 

Religion als Frauenberuf. Auswertung der Interviews von Gemeindereferentinnen.


Projektdauer: 01.10.1997-30.09.2001
Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender
MitarbeiterInnen: Dipl. Soz. Petra Mayer und Dr. Hans Graßl

 

Im Zuge der Idustrialisierung der gesellschaften haben sich weltweit spezifische Strukturen und Kulturen einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung herausgebildet und etabliert. Die Trennung von Erwerbsarbeit und Haus- und Familienarbeit gibt ein zentrales Ordnungsschema vor, das bis heute weitgehend Bestand hat. Auch der gesellschaftliche Wandel zu Dienstleistungs- und Wissensgesellschaften hat an der geschlechtsspezifischen Strukturierung und Polarisierung bislang nur wenig geändert. Die Gründe dafür liegen nicht allein in den sozioökonomischen Verhältnissen und den damit verbundenen Macht- und Herrschaftsverhältnissen, sondern auch in den religiösen Orientierungen und Organisationen, die die Gestaltung der Geschlechterrollen prägen. Da moderne Gesellschaften ihrem Selbstverständnis nach säkular ausgerichtet sind, bleibt der Beitrag religiöser Vorstellung in der Ordnung der Geschlechter oftmals im Dunkeln und der Reflexion entzogen. Das Projekt räumt dieses Defizit in der Analyse der religiösen Konstruktion der Geschlechterdifferenz aus.



Literatur:



BENDER, CHRISTIANE (HG.):

Frauen - Religion - Beruf. Zur religiösen Konstruktion der Geschlechterdifferenz, 
Konstanz, 2003





 

Die soziale Lage der Frauen in der katholischen Kirche. Eine professionssoziologische Untersuchung am Beispiel der Diözese Rottenburg-Stuttgart

 

Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender
MitarbeiterInnen: Dr. Hans Grassl, Heidrun Motzkau, M.A., Jan Schuhmacher, M.A.
Projektdauer: April 1993 - September 1995

 
Frauen, die in der Kirche hauptberuflich tätig sind, kritisieren die mangelnde Anerkennung, die ihrer Arbeit entgegengebracht wird. Sie begründen ihre Kritik damit, dass sie einerseits einen qualitativ wichtigen Anteil der Arbeit in der Kirche leisten, daß ihnen aber der Zugang zu verantwortungsvollen Leitungs- und Führungsaufgaben versperrt bleibt. Anknüpfend an diese Auffassung besteht das Ziel der professions-soziologischen Untersuchung darin, den Beitrag, den Frauen in der Kirche leisten, herauszuarbeiten und mit empirischen Daten zu belegen. Es soll eine Tätigkeits- und Berufsfeldanalyse erstellt werden, die quantitativ über den Anteil der Frauenarbeit Auskunft gibt und qualitative Merkmale bestimmter Berufsfelder profiliert, in denen Frauen besonders häufig tätig sind bzw. kaum aktiv sind. Das Anliegen der soziologischen Analyse geht jedoch über diese Beschreibung der Geschlechterverteilung innerhalb der Berufsstruktur der Beschäftigten der Diözese Rottenburg-Stuttgart hinaus und richtet sich auf die Analyse der sozialen Ursachen- und Wirkungszusammenhänge, die darin zum Ausdruck kommen.

Literatur:

GRASSL, HANS/ BENDER, CHRISTIANE / MOTZKAU, HEIDRUN / SCHUHMACHER, JAN (1996):
Machen Frauen Kirche? Erwerbsarbeit in der organisierten Religion,
Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag 

 

Die sozialen Orientierungsmuster der Technikgenese- und innovation

 Projektleitung: Prof. Dr. Christiane Bender
 Projektmitarbeiter: Dr. Hans Grassl
 Projektdauer: Juli 1991 - Juni 1993

Die Elektronik hat die Arbeitswelt verändert. Die Risiken und Chancen neuer Produktionstechniken beschäftigt die Medien und die Öffentlichkeit. Das vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) geförderte Projekt will einen sozialwissenschaftlichen Beitrag zur Aufklärung über technologische Entwicklungstendenzen in der industriellen Fertigung leisten. Im Mittelpunkt der Analyse steht die interaktionstheoretische Rekonstruktion firmeninterner Technikgeneseprozesse und die Implementation eines CIM ähnlichen Automatisierungsprojekts in einem Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie. Der Projekttitel bringt das Konzept unserer Technikanalyse zum Ausdruck: Das Wesen der Technik läßt sich nicht technisch, sondern soziologisch begreifen. In Entwicklung und Anwendung schlagen sich Perspektiven der Realitätdeutung und -gestaltung von sozialen Akteuren nieder, die diese in sozialen Interaktionen aufgrund von Aushandlungen und Machtpositionen durchgesetzt haben. Wir gehen davon aus, daß die handlungsleitenden Orientierungsmuster der Technikgenese gesellschaftliche Vorstellungen in nuce enthalten, deren Begründungspotentiale über die unmittelbar abgeleiteten Handlungsstrategien hinausweisen und an allgemeine nicht-technikspezifische Orientierungsvorstellungen anknüpfen.

 Literatur:

GRASSL, HANS / BENDER, CHRISTIANE (1994):
Soziale Orientierungsmuster der Technikgenese. Theoretische und empirische Analysen idealtypischer Modernisierungsstrategien in der Industrie, Opladen: Westdeutscher Verlag