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Wissen mit in die Heimat nehmen

Start eines neuen Projekts am Forschungskolleg Siegen: Entwicklungsbezogenes Engagement von internationalen Studierenden effektiv fördern.

Studierende und junge Wissenschaftler aus aller Welt lernen und forschen an der Universität Siegen. Wenn sie in ihre Herkunftsländer zurückkehren, haben sie wertvolles Wissen im Gepäck. Insbesondere Studierende aus Entwicklungs- und Schwellenländern rücken in den Fokus der Diskussion, da sie durch ihr Know-how zur Entwicklung in ihrer Heimat beitragen können. Zugleich spielen gut ausgebildete Alumni mit Blick auf die Fachkräftesicherung in den Industrienationen eine wichtige Rolle. Wie können internationale Studierende am besten unterstützt werden? Und welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit auch die Herkunftsländer von dieser Förderung profitieren?

Um Fragen wie diese beantworten zu können, haben Privatdozent Dr. Uwe Hunger und Dr. Sascha Krannich am Forschungskolleg Siegen (FoKoS) das Projekt „Entwicklungsbezogenes Engagement von internationalen Studierenden (EEiS)“ ins Leben gerufen, das vom Verband der Diözesen Deutschlands gefördert wird und dessen Fokus auf Studierenden und Alumni aus Georgien, Israel/Palästina, Indonesien, Kolumbien und Ghana liegt.

Untersucht wird insbesondere, wann der erhoffte Entwicklungseffekt am größten ist. Findet Fortschritt nur statt, wenn internationale Studierende nach ihrem Auslandsaufenthalt sofort in die Heimat zurückkehren, oder kann das Engagement gleichermaßen von anderen Ländern aus geleistet werden? Dass Migranten ihr Wissen über Netzwerke in die Herkunftsländer zurück transferieren können, ohne selbst dort anwesend zu sein, zeigen diverse Studien. Auch einige staatliche Institutionen haben dieses Potential längst erkannt und fördern Studierende gezielt.

Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen des Forschungsprojekts EEiS die Stipendienprogramme des KAAD (Katholischer Akademischer Ausländer-Dienst) untersucht. Der KAAD existiert seit 1958 und ist das Stipendienwerk der deutschen katholischen Kirche. Gefördert werden Postgraduierte und Wissenschaftler aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die katholischer Konfession sind. Eine andere Religion muss kein Hindernis sein, solange die Bewerber Bereitschaft zum interreligiösen Dialog mitbringen und von katholischen Partnern vorgeschlagen werden. Von den geförderten Studierenden wird die Rückkehr in die Heimat erwartet. Hier sollen sie sich – auch kirchlich – einbringen und in Führungspositionen zur Entwicklung beitragen. Werden Studium oder Forschung nicht auf eine dauerhafte Reintegration in die Heimatregion ausgerichtet, gilt das Stipendium des KAAD als Darlehen. Ob die gewünschte Rückkehr für ein funktionierendes Engagement tatsächlich nötig ist, will Dr. Krannich im Rahmen seines Projekts herausfinden. Unter anderem sollen Stipendiaten und Alumni befragt werden, die sich gegenwärtig in Deutschland oder in einem der fünf Fallstudienländer befinden.

Obwohl das Forschungsprojekt erst im April gestartet ist, hat Dr. Krannich bereits einige Prognosen. Interessant ist, dass die untersuchten Länder sich durch ganz unterschiedliche, religiös-kulturelle Hintergründe auszeichnen. So ist Georgien eher christlich-orthodox geprägt, in Israel/Palästina dominieren indes die jüdischen und muslimischen Gemeinden. Und während in Kolumbien besonders viele Menschen katholischer Konfession leben und sich in Ghana sowohl der katholische als auch der evangelische Glaube großer Beliebtheit erfreuen, ist Indonesien der Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit.

Auch bei den bevorzugten Fachdisziplinen der Studierenden bestehen erhebliche Unterschiede. So werden in Georgien und Kolumbien Rechts-, Wirtschaft, Kultur- und Sozialwissenschaften favorisiert. Die meisten Stipendiaten aus Israel/Palästina wählen stattdessen Studienfächer aus den Bereichen Medizin und Gesundheitswissenschaften, indonesische Studierende Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In Ghana ist die Verteilung der Fächer ausgeglichen. Die Rückkehrquote der KAAD-Stipendiaten aus Ghana und Georgien ist mit fast 90 Prozent vergleichsweise hoch, während Alumni aus Israel/Palästina und Indonesien mit etwa zwei Dritteln eine durchschnittliche Rückkehrquote aufweisen. Das Schlusslicht bildet Kolumbien – hier sind es unter 50 Prozent.

Insgesamt ermöglicht die Auseinandersetzung mit den internationalen Studierenden, die auf vielfältige Art und Weise zum entwicklungsbezogenen Engagement in ihren Herkunftsländern beitragen, einen Vergleich, der zahlreiche Faktoren berücksichtigt. Am Ende des Projekts sollen konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung der entwicklungsbezogenen Aktivitäten formuliert werden.

Finja Walsdorff