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My International Career

Internationale Alumni teilten im studio:A, dem Career Talk mit Alumni, ihre Erfahrungen des Berufseinstiegs und der Perspektiven für internationale Studierende in Unternehmen in Deutschland.

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Rund 12 Prozent der Studierenden der Universität Siegen sind internationale Studierende, die für ihr Studium nach Deutschland und zwar an die Universität Siegen gekommen sind. So auch die drei Talkgäste der Studio:A Veranstaltung am 22.01.2020: Frederic Arsene Youbi Si Nziko und Dr.-Ing. Romeo Ayemele Djeujo kamen aus Kamerun und Kapil Bhardwaj kam aus Indien nach Deutschland. Ähnlich wie die zahlreichen internationalen Studierenden im Publikum standen sie während ihres Studiums vor der Frage, wie es danach weitergehen sollte. Sie haben sich einst für eine Karriere in Deutschland entschieden und sind heute erfolgreich in Unternehmen in Deutschland tätig. So konnten sie an diesem Abend den internationalen Studierenden Rede und Antwort stehen, ihre Erfahrungen des Berufseinstiegs teilen und berichteten von den Möglichkeiten, die man als internationaler Studierender hier in Deutschland hat und den Herausforderungen auf dem Weg in deutsche Unternehmen. Moderiert wurde der Abend von Ben Wrigley, Student des Masterstudiengangs Economic Policy. Er ist für ein Studium aus England an die Universität Siegen gekommen und beschäftigt selbst sich auch für seine eigne Karriere mit Fragen des Berufseinstieg in Deutschland. Somit trafen seine Fragen an die Runde genau den Nerv der Zuschauer. Die Veranstaltung wurde vom Alumniverbund der Universität Siegen gemeinsam und dem Projekt SieguVer des International Office der Universität Siegen angeboten, das insbesondere das Ziel verfolgt, internationale Studierende bei Einstieg in den regionalen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Drei verschiedene Werdegänge und doch ähnliche Herausforderungen

Die Runde setzte sich zusammen aus Alumni drei verschiedener Studiengänge. Somit sind auch ihre Werdegänge und heutige Tätigkeiten sehr unterschiedlich. Frederic Arsene Youbi Si Nziko ist Sales Manager für Westeuropa und England bei der Commerzbank in Frankfurt. Er hat an der Universität Siegen den Master der Betriebswirtschaftslehre Controlling und Risikomanagement studiert. Kapil Bhardwaj hat ein Masterstudium der Mechatronik an der Universität Siegen absolviert und arbeitete bis vor kurzem als Projektmanagement-Berater für MI-GSO im Augsburg. In seiner neuen Anstellung bei Lufthansa arbeitet er als IT-Berater. Dr. Romeo Ayemele Djeujo kam für den Masterstudiengang der Elektrotechnik nach Siegen und promovierte hier im Anschluss am Lehrstuhl für Digitale Kommunikationssysteme. Er ist heute als Global Lead zuständig für Enterprise Cloud und IoT Security bei dem Carl Zeiss Konzern in Oberkochen, Baden-Württemberg. Trotz dieser Verschiedenheit können alle drei von ähnlichen Erfahrungen und Herausforderungen berichten.

Aller Anfang ist schwer… muss aber nicht.

Für internationale Studierende kann gerade der Bewerbungsprozess in Deutschland mitunter sehr kompliziert und teilweise auch ernüchternd sein. Daher war es besonders interessant zu erfahren, wie die drei Gäste zu ihren Jobs in die Unternehmen in Deutschland gekommen sind. Romeo berichtete, dass er nach dem Studium zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Siegen war. Ihm war schon während des Studiums klar, dass er sich im Anschluss ausschließlich bei den großen Unternehmen in Deutschland bewerben möchte. So ging eine seiner ersten Bewerbungen auch nach Daimler. Als die ersten Absagen kamen, war dies für ihn nicht weiter schlimm. Romeo sieht dies ebenfalls als einen Teil des Bewerbungsprozess. Er sagt, man lerne daraus. Er hat seinen Lebenslauf nach jeder Absage zusammen mit Kollegen überarbeitet und verbessert. Einige Zeit darauf hat es dann bei der Bewerbung um eine andere Stelle bei Daimler geklappt. Dort gab es dann zunächst ein Telefoninterview und danach das persönliche Kennenlernen in Stuttgart. „Ich wusste genau was ich will“, erzählte Romeo. Daher war im klar, dass es natürlich auch einige Absagen geben wird und der ganze Prozess bis zum Vertrag einige Zeit dauert kann. Aber es lohne sich, denn am Ende hat man seinen Traumjob. „Der Bewerbungsprozess ist immer ein Hinfallen und wieder ein Aufstehen, wichtig sei, dabei immer ein klares Ziel vor Augen zu haben.“

Ähnlich hat auch Kapil seinen Bewerbungsprozess in Deutschland erfahren. Kapil betont, dass in einem Lebenslauf das „Herz mit drin stecken“ sollte, denn der Lebenslauf sei der erste Eindruck, den das Unternehmen bekommt. Dies sei zwar der der schwierigste Teil der Bewerbung, aber es lohne sich, denn dann wäre die Chance hoch, bei dem Unternehmen einzusteigen, zu dem man passt und wo man gerne arbeiten möchte. Auch er bestätigt Romeos Erfahrung, dass es einige Monate dauern kann bis man dann seinen Traumjob bekommt. In der Regel drei Monate.

Youbi hingegen konnte von einem sehr interessanten, wenn auch eher Einzelfall berichten. Er berichtete wie er seinen heutigen Job bei der Commerzbank bekommen hat. Nach seinem Praktikum bei der Commerzbank in Frankfurt dort wollte er eigentlich direkt dort bleiben, leider war jedoch zu dem Zeitpunkt keine Stelle frei. Daraufhin arbeitete er in einer anderen Bank, wo er bereits nach drei Monaten seinen Job kündigte, da er feststellte, dass er ihm dieser Bereich nicht gefiel. Als er später in der Commerzbank einen Freund besuchen wollte, kontaktierte er aber auch spontan einen Bereichsleiter, der sein Bewerbungsprofil kannte, und fragte nach einem Job. Zwei Monate später bekam er den Vertrag zugesendet und hatte den Job, ohne eine weitere Bewerbung geschrieben zu haben und ohne ein weiteres Vorstellungsgespräch. Youbi gab den wertvollen Tipp, nicht aufzugeben, wenn man zunächst keinen Erfolg mit seinen Bewerbungen hat, sondern weiterhin selbstbewusst zu bleiben. Absagen heißen nicht, dass die Unternehmen etwas gegen den Bewerber oder die Bewerberin persönlich haben, sondern dass es einfach zu diesem Zeitpunkt in diesem Unternehmen nicht passt. „Es gibt einfach gerade nicht die richtige Stelle, das heißt aber nicht, dass du schlecht bist.“ Geduldig bleiben und weiter versuchen lautet sein Tipp.

Andere Länder, andere Sitten

„Ist Deutschland ein guter Ort zu arbeiten?“, wollte Ben von den Talkgästen wissen. Da mussten Kapil und Romeo nicht lang überlegen. „Definitiv“ kommt es von beiden beinahe „wie aus der Pistole geschossen“. Aus ihrer „Ingenieurperspektive“ berichten sie, gebe es viel gute Jobangebote in Deutschland und man könne in guten Positionen arbeiten. Youbi, der mit seiner Tätigkeit in der Finanzbranche auf Erfahrungen in einem anderen Bereich zurückblickt, meint, dass es hier eher von der Bank und dessen Profil abhängt. Bei weltweit operierenden Banken werden auf jeden Fall immer „Internationals“ gebraucht, die die Kultur der Kollegen und Kunden aus den anderen Ländern kennen und dessen Sprache beherrschen.

Einer der Studierenden aus dem Publikum fragte die Alumni, worauf es dem Unternehmen, bei dem man sich in Deutschland bewirbt, am meisten ankommt. Punktet man mit guten Leistungen im Studium? Oder interessieren besonders Praktika und andere außeruniversitäre Erfahrungen? Worauf legen die Unternehmen am meisten Wert? Youbi meint, es hänge ganz klar vom Unternehmen ab. Große Unternehmen, die mit Algorithmen arbeiten, sortieren Studierende mit einer schlechten Note direkt aus. Andere Unternehmen wie z.B. auch Commerzbank haben keinen Algorithmus, dann wird zwar auch auf Note geachtet, aber auch darauf, ob man Praktika gemacht habe. Romeo hat die Erfahrung gemacht, dass zunächst der Lebenslauf genau den Erwartungen des Unternehmens entsprechen muss. Erst dann, wenn man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, komme es auf die Persönlichkeit an. Dann zählen nicht mehr die Noten, sondern ob man sich selbstbewusst und überzeugend darstellen kann. Beide sind sich einig, dass ehrenamtliches Engagement, Praktika und andere außeruniversitäre Tätigkeiten bei den Arbeitgebern gut ankommen und man sich dadurch neben den geforderten Fertigkeiten von den anderen Bewerbern abhebt. Wenn man dadurch sein Studium nicht in Regelstudienzeit abschließt, ist dies keineswegs schlecht angesehen.

Wie ist der Übergang von der Universität in die Arbeitswelt? Erwarten die Unternehmen, dass man schon alles kann nach Abschluss des Studiums? wollte ein weiterer Zuhörer wissen. „Niemand kommt als Experte aus der Uni“, gibt Kapil zu verstehen. Die Arbeitgeber wissen, dass es einen großen Unterschied zwischen Uni und Arbeitswelt gibt und erwarten auch von internationalen AbsolventInnen nicht, dass man alles direkt kann. „Die allermeisten Unternehmen bieten Trainings und arbeiten euch in den entsprechenden Bereichen ein, sodass ihr alle Kenntnisse habt, die ihr für den Job braucht.“ Romeo hingegen hat dies etwas anders erlebt. Er sagt, wenn man promoviert hat, würden die Arbeitgeber direkt sehr von dem Bewerber viel erwarten. Dies sei ein Nachteil.

Außerdem war für die internationalen Studierenden nicht uninteressant über die Vorstellungen zu den Gehältern in Deutschland zu erfahren. Kapil erklärte, dass es große Gehaltsunterschiede von Süd zu Nord Deutschland gebe genauso wie von Stadt zu Stadt. Er rät sich dazu im Internet zu erkundigen.

Die, der oder das oder gar nicht so wichtig?

Die deutsche Sprache zählt nicht gerade zu den Einfachsten. Wenn man dann auch noch in Bayern arbeitet -so wie Kapil- kann dies eine echte Herausforderung sein. Viele der Studierenden im Publikum studieren komplett auf Englisch oder sprechen nur ein wenig Deutsch. Und auch wenn das Gespräch dieser studio:A-Veranstaltung in Englisch moderiert wurde und so für die TeilnehmerInnen angenehm war, sich mit einzubringen, wollte Ben von den Alumni wissen „Wie wichtig ist die deutsche Sprache in eurem Beruf?“ Wie ist das Verhältnis von Englisch und Deutsch in eurem Beruf?“ Hier antworten Youbi, Romeo und Kapil einstimmig. Im Beruf finden Teammeetings und alles andere, das mit der Arbeit zu tun hat, auf Englisch statt. Dies trifft zumindest auf die Unternehmen und/oder Abteilungen zu, bei den drei Talk-Gäste arbeiten. Aber in Kaffeepausen und vor allem unter den Kollegen finden die Gespräche auf Deutsch statt. Die Alumni sagen zwar alle, dass Arbeiten ohne Deutschkenntnisse ohne weiteres möglich wäre, aber für das alltägliche Leben seien wenigstens grundlegende Sprachkenntnisse ein Muss. Wer in Deutschland lebt, hier einkauft oder zum Arzt geht, muss sich in der Landessprache verständigen können. Letztendlich verbindet die Sprache auch. „Wenn man mit den Menschen auf Deutsch spricht, deren Sprache kann, freundet man sich schneller mit ihnen an. So baut man auch schneller Sozialkontakte auf“, merkt Kapil an.

Und ob man nun „die Tisch“ oder „der Tisch“ sagt, das sei völlig egal. Hauptsache man wird verstanden. Unter Kollegen sprechen die Talkgäste einfach drauf los, auch wenn es manchmal zu Fehlern und kulturellen Missverständnissen kommt. Bei wichtigen Mails und im Schriftverkehr mit dem Manager oder Chefs, geben sie zu, lassen sie einen deutschen Kollegen Korrekturlesen. Alle sind sich einig, wer hier leben möchte sollte nicht unbedingt perfekt, aber immerhin grundsätzlich deutsch sprechen können. Youbi gibt den wertvollen Hinweis das Angebot der Uni zu nutzen. Denn die Deutschkurse sind hier günstiger und als Student hat man noch die Zeit, daran teilzunehmen.

Zukunftsperspektive und Rückblick

Bei keinem der drei war Deutschland zunächst für ein Studium das Ziel Nummer eins und keiner hatte auch von Beginn an geplant nach dem Studium hier zu bleiben. Youbi wollte eigentlich zunächst in Kanada studieren. Aufgrund des Aspekts der Studiengebühren entschied er sich jedoch für ein Studium in Deutschland. Auch für Kapil war es günstiger in Deutschland als in Indien zu studieren. Ihm kam es besonders gelegen, dass er in Siegen Mechatronik auf Englisch studieren konnte. Romeo wusste zwar, dass er auf jeden Fall nach Europa wollte, allerdings war Frankreich eigentlich seine erste Wahl, denn seine Muttersprache ist Französisch. Als er jedoch damals mit Bekannten, die schon einmal in Deutschland waren, ins Gespräch kam, erfuhr er, dass in Deutschland die besten Universitäten von ganz Europa auf dem Gebiet seien, in dem er studieren wollte. Deswegen entschied er sich dazu hier zu studieren.

Rückblickend bereut keiner der Alumni seine Entscheidung hier in Deutschland studiert zu haben und nun hier auch zu arbeiten und zu leben. Alle drei Talk-Gäste sind mit ihrer Entscheidung und ihrem Werdegang in Unternehmen in Deutschland sehr zufrieden und haben das Land und die Leute kennen und lieben gelernt. Was die Zukunft angeht, haben die Talkgäste auch schon weitreichende Pläne. Youbi würde gerne weiterhin für ein deutsches Unternehmen, vielleicht aber an einem Standort im Ausland, arbeiten. Romeo sieht sich auch definitiv in einer anderen Position als heute. Aber vor allem Kapil möchte noch einmal in eine ganz andere Rolle schlüpfen. Nun da er bei Lufthansa arbeitet, ist bei ihm der Wunsch entstanden, vielleicht sogar Pilot zu werden.