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Sonntagskulturen: Ein qualitativ-empirisches Projekt zur spirituellen Qualität des Sonntags

Sonntagskulturen
Ein qualitativ-empirisches Projekt zur spirituellen Qualität des Sonntags

Projektteam

Leitung: Ulrich Riegel

Studierende: Anne Höffer, Carolin Brenner, Jana Meyer, Melanie Bothor, Susanne Pünzeler, Silvia Stutz, Annika Poser, Anna Hennecke, Sarah Zimmermann, Christina Beutler, Benedikt Schneider, Sarah Gebekken, Antje Krutwig, Annika Achenbach, Carolin Oswald, Sandra Herbst

Problemkontext

Das Christentum feiert den Sonntag als Tag des Herrn. An ihm sollen die Gläubigen den Alltag unterbrechen und zur Ruhe kommen, um sich bewusst an das Heilshandelns Gottes in Jesus Christus zu erinnern.  Deshalb sind die Gläubigen gehalten, am Sonntag nicht zu arbeiten und die Eucharistiefeier zu besuchen. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein bestimmte diese christliche Praxis die Sonntagskultur in Deutschland.

Bis heute hat sich der Sonntag als gesellschaftlicher Ruhetag gehalten. Selbst wenn man davon ausgeht, dass gegenwärtig bis zu 20% der Erwerbstätigen sonntags arbeiten, bleibt sein besonderer Charakter gesetzlich geschützt. Gewandelt haben sich allerdings die Sonntagskulturen. Typisch christliche Vollzüge, wie etwa der Besuch einer Eucharistiefeier, unternimmt nur noch eine gesellschaftliche Minderheit. In einer Allensbach-Umfrage von 2002 waren die häufigsten Beschäftigungen am Sonntag: "gemütlich zu Hause bleiben" (63%), "fernsehen" (61%), "ausschlafen" (56%), "Spaziergänge machen (54%) und "Freunde/Verwandte besuchen" (50%). Bernhard Nuss spricht in diesem Zusammenhang von einem Wandel "von der Erholungs- zur Konsum- und Erlebniszeit".

Diese Veränderung wirft die Frage nach der spirituellen Qualität des Sonntags auf. Zweifelsfrei sind explizite religiöse Bezüge in den meisten zeitgenössischen Sonntagskulturen stark in den Hintergrund getreten. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass der Sonntag seine spirituelle Dimension eingebüßt hat. Das Projekt "Sonntagskulturen" fragt deshalb nach der spirituellen Qualität des Sonntags.

Forschungsfragen

Das Projekt erhebt die spirituelle Qualität von Sonntagskulturen entlang von drei Forschungsfragen:

  1. Wie verbringen Menschen, und hier vor allem Kinder und Jugendliche, normalerweise ihren Sonntag?
  2. Wie erleben sie diese Beschäftigungen, d.h. wie wichtig sind den Befragten diese Beschäftigungen und welche Gefühle und Erfahrungen weckt die Erinnerung an diese Beschäftigungen?
    1. Fühlt sich die erzählende Person in einer Beschäftigung zu etwas in Beziehung gesetzt?
    2. Wer oder was  ist dieses Gegenüber der Beziehung?
  3. Falls typisch christliche Vollzüge, wie etwa der Besuch einer Eucharistiefeier, nicht Bestandteil der erzählten Sonntagskultur sind: Welche Gefühle und Erfahrungen verbinden sie mit diesen Vollzügen?

Methode

Das Projekt verfolgt ein qualitativ-empirisches Design. Die Daten werden durch halbstrukturierte Interviews gewonnen. Sie gliedern sich in drei Abschnitte. Der erste Abschnitt ist narrativ; in ihm erzählen die Befragten, wie sie einen typischen Sonntag verbringen und wie sie diese Beschäftigungen erleben. Der zweite Abschnitt besteht aus den immanenten Nachfragen, d.h. klärt die Erzählpassagen, die beim Zuhören offene Fragen hinterlassen haben. Der dritte Teil beinhaltet exmanente Nachfragen, löst also die Teile der Forschungsfragen ein, die durch die Erzählung nicht beantwortet wurden.

Bei der Befragung von Kindern und sprachlich weniger behänden Jugendlichen wird der narrative Teil des Interviews so abgeändert, dass die Kinder zuerst ihren letzten Sonntag anhand eines Tagesschemas rekonstruieren und dann jede Aktivität auf einer Skala dahingehend bewerten, wie toll sie diese Aktivität erlebt haben.

Publikationen

Spiritual rather than Religious. A Case Study on Making Meaning from Sunday's Activities, in: Riegel U., Leven E. & Fleming D. (Eds.): Religious Experience and Experiencing Religion in Religious Education, Waxmann 2018, 61-77.
Sonntagskulturen. Zur spirituellen Qualität typischer Aktivitäten am Sonntag, in: Klöcker Michael & Tworuschka Udo (Hg.), Handbuch der Religionen. 48. Ergänzungslieferung. I - 9-4, 1-26.
Sonntagskulturen junger Menschen, in: Faix T., Riegel U. & Künkler T. (Hg.), Theologien von Jugendlichen. Empirische Erkundungen zu theologisch relevanten Konstruktionen Jugendlicher, Münster 2015, 105-121.
Holiday instead of Holy Day? A qualitative inquiry on the spiritual qualitiy of people's acitivities on Sunday, in: Journal of Empirical Theology 26 (2013), 207-228.

Teilnahmemöglichkeit für Studierende im Rahmen ihrer Staatsarbeit

Studierende sind herzlich eingeladen, sich im Rahmen ihrer Staatsarbeit am Projekt "Sonntagskulturen" zu beteiligen. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit wird auf der Gewinnung, Dokumentation und Analyse der Interviews liegen. Es geht also darum, 10 Kinder, Jugendliche oder Erwachsene zu interviewen, diese Interviews digital zu dokumentieren (auf CD-ROM) und zu transkribieren (= abtippen) und sie entlang der obigen Fragestellungen auszuwerten. In der Auswertung hat es sich als günstig erwiesen, drei Interviews im Detail zu analysieren und diese Befunde durch einschlägige Passagen aus den restlichen Interviews zu bestätigen oder zu ergänzen. Damit bleibt der Analyseaufwand im Rahmen dessen, was bei einer Staatsarbeit seriös verlangt werden kann.

Es wird empfohlen, sich auf eine Altersgruppe zu beschränken. Das erleichtert das Führen der Interviews (z.B. müssen Kindern die Forschungsfragen anders gestellt werden als Jugendlichen) und vereinfacht den Vergleich der Erzählungen. Ferner ist es sinnvoll die Befragten nach Möglichkeit so auszusuchen, dass sie für verschiedene Sonntagskulturen stehen, d.h. ihren Sonntag auf verschiedene Art und Weise verbringen. Das ist im Sinne des theoretical sampling legitim und gibt Ihnen die Möglichkeit, in ihrer Staatsarbeit ein breiteres Spektrum kennen zu lernen und zu verstehen. Auch stellt es kein Problem dar, wenn die Befragten aus dem eigenen Umfeld (Freunde, Bekannte, Verwandte, usw.) stammen; für Ihren späteren Unterricht macht es aber auch Sinn, sich Befragte aus ihrer angestrebten Schulart zu suchen.

Als Teilnehmerin oder Teilnehmer am Projekt "Sonntagkulturen" können Sie selbstverständlich auf die vorliegenden Ressourcen zurückgreifen. Als derartige Ressourcen stehen gegenwärtig zur Verfügung:

  • Eine Sammlung von wissenschaftlichen Texten zu den Thematiken "Spiritualität", "Sonntag theologisch" und "Sonntag soziologisch". Sie können verwendet werden, um das eigene theoretische Eingangskapitel der Staatsarbeit zu formulieren.
  • ein Leitfaden für die Interviews. Dieser Leitfaden muss von ihnen verwendet werden, um vergleichbare Daten zu gewinnen. Allerdings gilt es, diesen Leitfaden alters- und situationsgerecht in den einzelnen Interviews umzusetzen. Er gibt ihnen also eine grobe Orientierung über den Ablauf des Interviews, ersetzt aber nicht Ihre Kommunikationskompetenz und Ihre Fähigkeit, sich auf die Befragten einzustellen.
  • ein Gliederungsentwurf. Er hilft Ihnen beim Aufbau der Staatsarbeit und gibt Auskunft über die wesentlichen Schritte der Analyse.

Interessenten sind eingeladen, sich direkt an mich zu wenden oder mir eine Mail zu schreiben (ulrich.riegel@uni-siegen.de).