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Katalog der UB Siegen

Prof. Dr. Ulrich Riegel - Forschung

Programmatik

Der zentrale Forschungsgegenstand Praktischer Theologie ist gelebte Religion. Sie untersucht, wie sich religiöse Überzeugungen im Denken und Handeln von Menschen und Institutionen ausdrücken und wie das Denken und Handeln von Menschen und Institutionen religiöse Überzeugungen hervorbringt. Sie verwendet dabei einen „diskursiven Religionsbegriff“ (Joachim Matthes). Demnach ereignet sich die religiöse Praxis eines Individuums (oder einer Institution) im Horizont vorfindlicher religiöser Traditionen (und u.U. alternativer Weltanschauungen), bleibt dabei aber der jeweiligen biographischen und gesellschaftlichen Situation verpflichtet, in der sie sich ereignet.
Innerhalb dieses Selbstverständnisses erforscht die Praktische Theologie/Religionspädagogik Prozesse religiösen Lehrens und Lernens unter den Bedingungen einer modernen Gesellschaft. Sie fragt danach, wie Menschen Zeugnisse religiöser Tradition wahrnehmen und wie religiöse Überzeugungen unter den Rationalitätsbedingungen westlicher Gesellschaften kommuniziert werden können. Dazu bedient sie sich eines empirischen Ansatzes, indem sie ihre Daten mit den Methoden der empirischen Sozialforschung erhebt. Zwei Schwerpunkte prägen gegenwärtig die Forschung des Siegener Lehrstuhls:

  • 1. Rezeptionsprozesse christlicher Kultur: In der gegenwärtigen Kultur westlicher Gesellschaften finden sich vielfältige Zeugnisse christlicher Praxis. Aus der Perspektive religiösen Lernens interessiert insbesondere, wie Menschen diese Zeugnisse wahrnehmen und wie sie sich in ihrer Lebensgestaltung zu diesen Zeugnissen verhalten. Mit diesem Wissen kann abgeschätzt werden, auf welche Lernbedingungen religiöse Bildung trifft, die eine reflexive Haltung zu religiösen Überzeugungen anbieten will. Die beiden aktuellen Projekte konzentrieren sich dabei auf die Wahrnehmung und Nutzung von Kirchen und auf die Gestaltung des Sonntags.

  • 2. Theologische und religionsdidaktische Kompetenzen von Lehrpersonen: Religionsunterricht ist gegenwärtig konfessionell ausgerichtet und wendet sich an Lernende mit unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergründen. In diesem Kontext müssen Lehrpersonen eine reflexive Haltung gegenüber ihrer eigenen religiösen Überzeugung entwickeln und die konfessionellen Überzeugungen ihrer Konfession so in Lernprozesse einspeisen, dass sie für das Gegenüber rational nachvollziehbar werden. Der vorliegende Schwerpunkt fragt, welche theologischen und religionsdidaktischen Kompetenzen Religionslehrpersonen dafür entwickeln müssen.