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Vordenker der umweltorientierten BWL

Symposium zu „Rechte der Natur / Biokratie in Ökonomie und Organisation“ anlässlich des 80. Geburtstags von Prof. Dr. Dr. h.c. Eberhard Seidel.

Ecuador hat als erster Staat der Welt die „Rechte der Natur“ in seiner Verfassung verankert. Auch in Deutschland hat sich ein umweltorientiertes Netzwerk formiert, das die Anerkennung von „Rechten der Natur“ als Voraussetzung für zukunftsfähiges Wirtschaften betrachtet. Einer der Vordenker einer umweltorientierten Betriebswirtschaftslehre ist Prof. Dr. Dr. h.c. Eberhard Seidel. Anlässlich seines 80. Geburtstages hat nun das Symposium „Rechte der Natur – Biokratie in Ökonomie und Organisation“ im Artur-Woll-Haus an der Universität Siegen stattgefunden.

Seidel hat eine wissenschaftliche Denk- und Lehrrichtung geprägt, die das Primat der Ökonomie infrage stellt und davon ausgeht, dass eine wahrhaft umweltorientierte Unternehmensführung andere ökonomische Rahmenbedingungen braucht, unter anderem die verfassungsrechtliche Anerkennung und Durchsetzung der Rechte der Natur. Nach Seidel verfehlen viele Kapitalgesellschaften, in denen unternehmensferne Eigentümer die Entscheidungen treffen, die Ziele nachhaltiger Unternehmensführung.

„Es dauerte knapp zwei Jahre der Überzeugungsarbeit im Fachbereich, bevor Professor Eberhard Seidel seinen Lehrstuhl für Organisation umwidmen und sich vollends einer ökologisch orientierten Betriebswirtschaftslehre zuwenden konnte“, resümierte Prof. Dr. Peter Krebs, Prodekan für Forschung und Lehre der Fakultät III der Universität Siegen, im Rahmen seines Grußwortes. Zahlreiche Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren nach Siegen gekommen, um aktuelle Fragen im Themenfeld des Jubilars zu diskutieren und zugleich den Jubilar selbst zu würdigen.

Als Bestandteil einer durch das „Haus der Zukunft, Hamburg“ geförderten Konferenzreihe waren ehemalige Kollegen, Weggefährten, Mitarbeiter und aktive Professoren zum Symposium gereist. Diese wurden von Dr. Georg Winter (Haus der Zukunft). Prof. Dr. Thomas Heupel (FOM) und Prof. Dr. Thomas Göllinger (Hochschule Konstanz sowie Universität Siegen) offiziell begrüßt. Nach den Grußworten würdigte Dr. Georg Winter den Jubilar für seine vielfältigen Verdienste um die Ökologisierung des Wirtschaftens.

Den fachlichen Teil des Symposiums eröffnete Prof. Dr. Ulrich Zabel (Universität Halle) mit dem Vortrag „Verhaltensaspekte des Biokratieansatzes“, gefolgt von Prof. Dr. Eberhard K. Seifert (Wirtschaftsuniversität Wien) mit seinem Beitrag „Biokratie – Zur Kritik der Naturvergessenheit“.

Beim Biokratieansatz geht es im Grundsatz darum, der Natur eine stärkere Stimme zu geben. In einer Zeit, wo der Begriff „Nachhaltigkeit“ soziale und ökologische Aspekte nicht mehr gleichrangig reflektiert und die Ökonomie die bestimmende Größe ist, müssen die Rechte der Natur stärkere Anerkennung finden. Mit dem Konzept „Rechte der Natur/Biokratie“ wird die erstarkte Grundsatzkritik an der neoliberalen Wirtschaftheorie um die ganz konkrete Forderung bereichert, Eigenrechte der Natur in der Verfassung zu verankern.

Es folgten Vorträge von Prof. Dr. Ralf Isenmann (Hochschule München) zum Thema „Biophile Ökonomie – Von der Natur als Sack von Ressourcen hin zum Vorbild“ und Prof. Dr. Thomas Göllinger zum Thema „Integrative Sustainability Strategien“.

Im Rahmen des Symposiums wurde Prof. Seidel zudem eine Auszeichnung der Schweißfurth-Stiftung zu Teil. In seiner Laudatio würdigte der Stiftungsvorstand Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald den großen und langjährigen Einsatz von Prof. Seidel in der ökologischen Ökonomie: „Er ist einer der Pioniere der bereits sehr früh mit großem Mut national wie international das Thema befördert hat. Wir sind froh und stolz, dass wir bereits in der Frühphase als Stiftung diese Ideen unterstützen konnten.“