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Lesung statt Vorlesung

In das Café Flocke hat das Literaturfestival „vielSeitig“ Dozierende und MitarbeiterInnen der Universität Siegen eingeladen – für Lyrik statt Lehre.

In einer gemütlichen Ecke am Fenster des Cafés Flocke steht ein Sofa aus braunem Holz mit rotem Bezug – davor ein kleiner runder Tisch, auf dem sich eine Leselampe neben einer kleinen Blumenvase befindet. Das Lokal ist bis auf den letzten Platz voll. Einige stehen sogar. „Schön ist es, die Anbindung zwischen Kunst und Universität zu finden“, stellt Gastgeber Dr. Nathanael Busch fest. Die Veranstaltung „Lesung statt Vorlesung“ ist Teil des europäischen Literaturfestivals Siegen „vielSeitig“. In Kneipen, Cafés und im Kulturhaus Lÿz wurde vom 8. bis zum 11. November auf unterschiedliche Art und Weise internationale Literatur thematisiert. Der Nachmittag an der Marburger Straße ermöglichte den Gästen einen ganz privaten Blick auf das literarische Interesse von Dozierenden und MitarbeiterInnen der Universität Siegen.

Durch das Praktikumsbüro nahezu allen Studierenden ein Begriff, beginnt Anne-Marie Weber aus dem erzählenden Sachbuch „London Calling“ vorzulesen. Es ist autobiografischer Natur und erzählt von den Erfahrungen, die ARD-Korrespondentin Annette Dittert macht, als sie 2008 beginnt, in England zu leben. Dass sie schon bald in ein Hausboot zieht, sowie der Umstand, dass sich englische von deutschen Attituden unterscheiden, erzeugt einen gemütlichen und seichten Witz. Nur gelegentlich werden die Worte Webers durch das Geklapper von Tassen begleitet.

Als zweites ist Jun.-Prof. Dr. Christian Gomille an der Reihe. Er unterrichtet an der Uni Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht. Seine Buchauswahl fällt auf einen modernen Klassiker: „Tyll“ von Daniel Kehlmann. Die Neuerfindung der Kultfigur Till Eulenspiegel erlaubt sich oft bösartige Scherze auf Kosten Anderer, die dem Publikum ein Grinsen ins Gesicht schneidern. „Die schöne und lockere Sprache Kehlmanns ist eine willkommene Abwechslung zum Juristendeutsch, dem ich im Alltag so oft begegne“, begründet Gomille seine Wahl.

Anna Rick aus dem Department Germanistik lässt die Stimmung mit ihrem Buch ernst werden. Sie hat sich das Buch „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf ausgesucht. Herrndorf ist an einem Hirntumor verstorben. Das Buch besteht aus einer Sammlung von Aufzeichnungstexten, die er zunächst online in einem Blog veröffentlichte. Die Krankheit war dafür der Auslöser. Aber auch hier findet sich Komik in der Tragik, wenn Rick aus seinen Einträgen aus der Psychiatrie vorließt. Dort war er zunächst, da der Krebs die Symptome einer geistigen Erkrankung erzeugte.

Als letztes steht „Elefanten treffen: Erzählungen“ auf dem Programm. Dr. Marcel Hartwig aus der Anglistik wählte ein Werk, in dem es um Menschen geht, die nicht über ihren Tellerrand hinausblicken. In Waldesreuth dreht sich deswegen vieles um Dehnungsstreifen-Selbsthilfegruppen und Aufnahmen beim Sex, die wie wild im Internet gesucht werden. Eine Lockerungsübung nach der Lesung aus Herrndorfs Werk.

Das „vielSeitig“ Literaturfestival wird veranstaltet vom Kultur!Büro des Kreises Siegen-Wittgenstein und der Universität Siegen und unterstützt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der Volksbank in Südwestfalen eG und der Stadt Siegen.