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Gleichberechtigung geht nur gemeinsam

Die Frauenanteile bei Professuren und im Bereich des hauptberuflich wissenschaftlichen Personals sind an der Uni Siegen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Für ihre Gleichstellungsarbeit hat die Universität zahlreiche Auszeichnungen und Zertifikate erhalten.

„Gleichstellungsarbeit braucht Beharrlichkeit, Geduld – und einen langen Atem“, sagt Dr. Elisabeth Heinrich. Eigenschaften, die die promovierte Philosophin definitiv besitzt und die im Gespräch mit ihr immer wieder durchblitzen. Seit über zwölf Jahren kümmert sich Heinrich an der Uni Siegen um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Am Besprechungstisch in ihrem Büro wird schnell deutlich, dass der Job als Gleichstellungsbeauftragte in der Praxis auch viel Schreibarbeit bedeutet. Konzepte und Anträge müssen formuliert, Zahlen erfasst und Berichte geschrieben werden. In erster Linie gehe es aber um Überzeugungsarbeit – und das auf breiter Front, betont Heinrich: „Gleichstellung ist eine Querschnittsaufgabe. Nur wenn alle, vom Rektorat bis in die einzelnen Fächer hinein, aktiv daran mitwirken, können wir wirklich etwas verändern.“

Professorinnen-Anteil gestiegen

Dass Elisabeth Heinrich und ihr Team vom Gleichstellungsbüro in den vergangenen Jahren bereits einiges erreicht haben, zeigt ein Blick auf die Zahlen: So hat sich der Frauenanteil bei den Professuren an der Universität sehr positiv entwickelt. Lag er Ende 2009 noch bei rund 20 Prozent, konnte zum Jahresende 2017 schon ein Frauenanteil von 25 Prozent verzeichnet werden. Die Uni Siegen liege damit sogar leicht über dem bundesweiten Schnitt, sagt Elisabeth Heinrich nicht ohne Stolz: „Nachdem wir eine Zeitlang große Probleme hatten, Frauen zu berufen, sind die Zahlen zuletzt deutlich gestiegen. Das freut mich sehr – und ich bin zuversichtlich, dass es in den kommenden Jahren noch weiter nach oben geht.“

Positiv ist auch die Entwicklung im so genannten „Mittelbau“: Auch hier konnte der Frauenanteil deutlich gesteigert werden – von 32 Prozent im Jahr 2009 auf 39 Prozent zum Jahresende 2017. Dieser Wert sei gemessen am Frauenanteil unter den Studierenden (er lag in den letzten Jahren bei ca. 50%) zwar nach wie vor „viel zu gering“, sagt Heinrich, aber: „Ein starker weiblicher Mittelbau ist die Voraussetzung dafür, dass wir in den kommenden Jahren den Professorinnen-Anteil noch weiter steigern können.“ Gerade in den Fakultäten habe das Gleichstellungs-Thema deutlich an Fahrt aufgenommen, beobachtet Heinrich und lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Arbeit ihrer Kolleginnen auf Fakultätsebene, der Fakultätsgleichstellungsbeauftragten.

Fachspezifische Frauenquote zeigt Erfolge

Die positive Gesamtentwicklung sieht Heinrich als Ergebnis einer ganzen Reihe von Maßnahmen und Programmen, allen voran der Verabschiedung der Gleichstellungsquote im Jahr 2016. Seitdem gelten bei Berufungsverfahren an der Uni Siegen fachspezifische Frauenquoten, die die Kommissionen jeweils berücksichtigen müssen. „Eine einheitliche Frauenquote macht keinen Sinn, weil die Zahl der potenziellen Kandidatinnen je nach Fach sehr unterschiedlich ist“, erklärt Heinrich. Die fachspezifische Quote – basierend auf dem so genannten „Kaskadenmodell“ – orientiert sich daran, wie viele berufungsfähige Frauen es in einem Fach tatsächlich gibt. Sie sei realistisch und werde daher auch ernst genommen, beobachtet Heinrich: „Die Verantwortlichen fühlen sich durch die fachspezifischen Quoten ganz anders gefordert und bemühen sich sehr, die jeweilige Quote in den Verfahren auch einzuhalten.“

Bewusstsein für eigene Fähigkeiten schärfen

Gleichstellungsarbeit setzt an der Uni Siegen jedoch schon weit vor der Berufung an. „Je weiter eine Wissenschaftlerin in ihrer Karriere nach oben kommt, umso mehr muss sie sich im gegenseitigen Konkurrenzkampf behaupten,“ sagt Heinrich. Viele Frauen würden sich dabei nach wie vor schwertun: „Sie treten weniger selbstbewusst auf, weshalb ihnen dann auch weniger Entwicklungspotenzial zugetraut wird.“ Mit Programmen wie dem Women Career Service und dem Mentoring-Programm FraMeS (Frauenspezifisches Mentoring Siegen) sollen Frauen gezielt gestärkt werden: durch Workshops zu karriererelevanten Themen oder durch eine Mentorin beziehungsweise einen Mentor, die oder der die Frauen auf ihrem Weg unterstützt. „Im Grunde geht es darum, den Frauen die eigenen Fähigkeiten deutlich zu machen. Ich sehe hier nach wie vor einen großen Bedarf“, sagt Elisabeth Heinrich.

Für ihre sehr erfolgreiche Gleichstellungsarbeit hat die Universität Siegen in den vergangenen Jahren zahlreiche Auszeichnungen und Zertifikate erhalten: Seit dem Sommersemester 2006 darf sie sich „familiengerechte Hochschule“ nennen, für ihre nachhaltige und an Chancengleichheit orientierte Personalpolitik erhielt sie bereits drei Mal in Folge das Zertifikat „Total E-Quality“. 2018 war die Uni Siegen zudem erneut beim Professorinnen-Programm von Bund und Ländern erfolgreich. Das Programm ermöglicht die Finanzierung von bis zu drei neu berufenen Professorinnen. Die dadurch freiwerdenden Mittel sollen in die Gleichstellungsarbeit fließen.

Veränderung in den Köpfen

„Strukturell sind wir inzwischen wirklich sehr gut aufgestellt“, freut sich Elisabeth Heinrich. Seit zehn Jahren orientieren sie und ihr Team sich unter anderem an den Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Regelmäßig fordert die DFG von den teilnehmenden Hochschulen einen Bericht über die Umsetzung dieser Standards. Der aktuelle Bericht sei gerade fertig geworden, erzählt Heinrich. „Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung, dass die DFG sich dem Gleichstellungsthema so angenommen hat. An den Universitäten hat sich dadurch sehr viel getan.“ Am Ziel sieht sich Heinrich aber noch lange nicht. Sie möchte die Frauenanteile in den kommenden Jahren weiter steigern – in allen Bereichen. Dazu müsse vor allem die Veränderung in den Köpfen weitergehen, sagt die Gleichstellungsbeauftrage: „Jede und jeder an der Uni muss verstehen: Wir sind diejenigen, auf die es ankommt.“

Kontakt:
Dr. Elisabeth Heinrich (Gleichstellungsbeauftragte)
E-Mail: gleichstellungsbeauftragte@uni-siegen.de
Tel.: 0271 740 - 2227

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