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„Digitalisierung darf kein Brandbeschleuniger für den Klimawandel werden“

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, sprach an der Universität Siegen über die Rolle der Digitalisierung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Die Digitalisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft wie derzeit keine andere Entwicklung und eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, die in der öffentlichen Wahrnehmung bislang nur bedingt mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht werden. Über die Rolle der Digitalisierung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit sprach Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, an der Universität Siegen.

„Wir müssen Digitalisierung so gestalten, dass sie kein Brandbeschleuniger für den Klimawandel wird“, sagte Schwarzelühr-Sutter. Um die Potenziale der Digitalisierung für Umwelt und Klimaschutz zu stärken und ihre Risiken einzudämmen, hat das Bundesumweltministerium Eckpunkte für eine zukunftsfähige Digitalisierung vorgelegt und erarbeitet derzeit eine eigene umweltpolitische Digitalagenda. „Wir möchten zum Beispiel ein erweitertes europäisches Recht auf Reparatur und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, damit insbesondere digitale Endgeräte nicht sofort in der Mülltonne landen “, erklärte die Politikerin.

„Wir hören häufig, dass Klimaschutz und Digitalisierung sich widersprechen. Es kommt aber darauf an, dass wir die Entwicklung im Sinne unserer Gesellschaft gestalten“, sagte Schwarzelühr-Sutter. Einerseits stelle die Digitalisierung eine Herausforderung für Klima- und Umweltpolitik dar. Seltene, nicht nachwachsende Rohstoffe würden verbraucht, zum Beispiel für die Produktion von Smartphones. Viele Produkte seien für wenige Jahre konzipiert, Reparaturen seien oft nicht möglich, Recycling schwierig. Dazu komme die ungeheure Menge Energie, die aufgebracht werden muss, um digitale Prozesse überhaupt zu gewährleisten.

bmu1_webJedoch könne die Digitalisierung auch helfen, Treibhausgasemissionen maßgeblich zu verringern und nachhaltige Wirtschaftsmuster zu etablieren. Eine Studie von Roland Berger im Auftrag des Bundesumweltministeriums prognostiziert zum Beispiel im Jahr 2025 eine jährliche Einsparung von 50 Millionen Tonnen CO₂. durch digitale Systeme in der Umwelttechnik. Dazu zählen zum Beispiel ressourceneffiziente Produktionsverfahren, Gebäudeautomation, Speichertechnologien, intelligente Zähl- und Verbrauchsmesssysteme oder Verkehrsleitsysteme. Schwarzelühr-Sutter nannte bei ihrem Vortrag auf dem Campus Paul-Bonatz-Straße ein weiteres Beispiel, was schon heute möglich ist: Durch Algorithmen, die große Mengen an Daten auslesen und auswerten, sei es möglich, klimafreundliche Forstwirtschaft zu fördern und Empfehlungen für einen sinnvollen Waldumbau zu geben – und zwar schnell. „Denn unser Wald kann nicht warten“, sagte die Politikerin. Würden Menschen die Auswertung ohne technische Tools übernehmen, wäre das nur extrem langsam möglich, mit vermutlich fatalen Folgen für den Wald.

Der Vortrag war Teil einer Veranstaltungsreihe im Wintersemester 2019/20. Sie trägt den Titel „Energie- und Umwelttechnik im Spannungsfeld von Wissenschaft, Industrie und Politik“. Die Reihe bietet Vorträge für die interessierte Öffentlichkeit, in denen die Energie- und Umwelttechnik aus der Perspektive der Ingenieurwissenschaften, der Industrie und der Politik beleuchtet werden. Veranstalter ist die Universität Siegen, hier das Institut für Fluid- und Thermodynamik mit Prof. Dr. Thomas Carolus und Prof. Dr. Thomas Seeger, in Zusammenarbeit mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Siegen.