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Wie leben Menschen mit Behinderungen in Westafrika?

Die Universität Siegen kooperiert mit der University of Ghana, um zu Lebensläufen von Menschen mit Behinderungen in westafrikanischen Gesellschaften zu forschen.

Wie sehen Lebensverläufe von Menschen mit Behinderungen in Westafrika aus? Welche Erfahrungen machen sie in der Schule und beim Start ins Berufsleben? Was passiert, wenn sie aus ihrem Elternhaus ausziehen oder eine Familie gründen möchten? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich ab sofort ForscherInnen der Universität Siegen und der University of Ghana. Gemeinsam forschen die WissenschaftlerInnen zu Lebensläufen von Menschen mit Behinderungen in westafrikanischen Gesellschaften. Das Projekt läuft über drei Jahre und wird mit über einer halben Million Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

„Menschen mit Behinderungen werden in den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen explizit als eine der Zielgruppen genannt, die im Rahmen internationaler Bemühungen für nachhaltige Entwicklung nicht zurückgelassen werden dürfen“, erklärt Dr. Efua Esaaba Mantey Agyire-Tettey. Die Sozialwissenschaftlerin hat ihre Promotion am Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE) an der Uni Siegen absolviert und arbeitet jetzt an der University of Ghana. Sie wird im Zuge des Kooperationsprojekts an ihrer Hochschule den Forschungsschwerpunkt „Behinderung & Lebenslauf“ mit einer etwa zehnköpfigen Forschungsgruppe mit acht Promotionsvorhaben afrikanischer WissenschaftlerInnen aufbauen und leiten. Lars Wissenbach, Projektkoordinator von Seiten der Uni Siegen, ergänzt: „Die Entwicklungsziele fordern explizit den Zugang für viele Millionen Menschen mit Behinderungen weltweit zu Bildung, Ausbildung, Beschäftigung, sozialer Sicherung und Gesundheitsversorgung.“ Demgegenüber stehe ein Mangel an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Lebensbedingungen und Lebensverläufen von Menschen mit Behinderungen in afrikanischen Gesellschaften. „Die Forschung ist bisher sehr stark westlich geprägt“, so Mantey Agyire-Tettey.

Das Ziel des Projekts ist es, zur Schließung dieser Forschungslücken beizutragen und herauszufinden, wie sich die Übergänge zwischen Lebensphasen gestalten und welche Muster und Strukturen zu erkennen sind, also zum Beispiel von der Kindheit ins Jugendalter bis zum jungen und mittleren Erwachsensein. „Wie gut solche Übergänge gelingen, hängt von vielen Faktoren ab“, erklärt Wissenbach. „Zum einen geht es darum, welche gesellschaftlichen Erwartungen an eine bestimmte Lebensphase gestellt werden und welche Rollenbilder und eigenen Ressourcen die Menschen zur Verfügung haben. Dazu zählen zum Beispiel Wissen, Vorbilder, Geld und Fähigkeiten.“ Zum anderen hänge der Erfolg der Übergänge auch davon ab, auf welche Ressourcen in ihrem Umfeld Menschen mit Behinderungen zurückgreifen können – zum Beispiel auf Familie, Freunde, Nachbarschaft und professionelle Unterstützung.

Um das herauszufinden, werden die ForscherInnen Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen in Ghana und anderen westafrikanischen Ländern befragen. Dabei interessieren sich die SozialwissenschaftlerInnnen zum Beispiel dafür, welche Strategien Menschen mit Behinderungen entwickeln, um die Übergänge zwischen Lebensphasen zu meistern. Auch interessiert, welche Faktoren dabei behilflich sind und was solche Übergänge erschwert.     

Die WissenschaftlerInnen wollen unter anderem herausfinden, wie sich die Ergebnisse in Westafrika von denen im globalen Norden unterscheiden. Und was die spezifischen Ergebnisse aus Westafrika für die dortige Ausgestaltung der sozialen Dienste und Sicherungssysteme bedeuten. Darüber hinaus werden die Erfahrungen, Erkenntnisse und Projektergebnisse der Forschungsgruppe unmittelbar in die Lehre an beiden Universitäten einbezogen. So kann der wissenschaftliche Nachwuchs weiter qualifiziert werden.

Das Projekt läuft unter dem Titel “Life Course Transitions and Trajectories of Persons with Disabilities in West African Societies” (LICOT-WASO) (Deutsch: Lebenslaufübergänge und -verläufe von Menschen mit Behinderungen in westafrikanischen Gesellschaften). Gefördert wird es durch das BMBF in der Förderlinie „Research Partner Groups for Alumni“, bei der afrikanische Alumni deutscher Universitäten beim Aufbau neuer Forschungsschwerpunkte an ihren lokalen Universitäten unterstützt werden sollen.

Kontakt
Lars Wissenbach    
Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE), Universität Siegen   
0271 740 4353       
lars.wissenbach@uni-siegen.de