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Der Campus als Teil der Stadt

Bei der Preisverleihung zum städtebaulichen Wettbewerb erläuterten Architekten, wie die nördliche und südliche Erweiterung des Campus Unteres Schloss die Siegener Innenstadt verändern wird.

Begegnung und Bewegung. Wenn die Architekten des Berliner Stadtplanungsbüros Machleidt ihre Ideen für die zwei neuen Uni-Standorte in der Siegener Innenstadt in Stichwörtern zusammenfassen müssten, dann wären es diese. „Der Campus als Teil der Stadt, wo sich Studierende und Bürgerinnen und Bürgern treffen und auf gemeinsamen Wegen durch Siegen gehen, dieser Titel war schon in unseren Köpfen, bevor wir mit dem Entwurf angefangen haben“, erklärte Steffen Wörsdorfer (Machleidt). Gemeinsam mit seinen Kollegen Henner Winkelmüller (Architekturbüro Winkelmüller) und Ole Sass (SINAI Landschaftsarchitekten) war er ins Siegener Apollo-Theater gekommen, um den Entwurf, mit dem sie den städtebaulichen Wettbewerb „Uni (kommt) in die Stadt“ im Juli dieses Jahres gewonnen hatten, der Öffentlichkeit zu präsentieren – und um ihren Preis aus den Händen von Kanzler Ulf Richter, Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart, Bürgermeister Steffen Mues und Stadtbaurat Henrik Schumann entgegenzunehmen.

Auch Prof. Andreas Fritzen gratulierte. Der Kölner Architekt und Vorsitzende der Wettbewerbsjury moderierte die Preisverleihung und erläuterte anhand der Pläne, wodurch die Erstplatzierten besonders überzeugen konnten. Das sei unter anderem der klar gestaltete Weg durch die Stadt, der den Campus Unteres Schloss mit seinen neuen Ablegern nördlich in der Friedrichstraße und südlich am Löhrtor verbindet. Ein autofreier Platz an der Friedrichstraße, eine Treppenanlage, aber auch ein öffentlich zugänglicher Aufzug, der die Menschen in die Oberstadt bringt, das sei herausragend gelungen, so Fritzen. Der Campus am Löhrtor sei stärker landschaftlich geprägt. „Die Gebäude wirken durch den großen Fensteranteil offen und leicht“, sagte Fritzen.  Der Baumbestand, vor allem die schönen Kirschbäume, soll nach den Plänen der Architekten von Machleidt erhalten bleiben. Der Fluss Weiß wird wieder zugänglich. „Die Frage von Klimaschutz und Naturschutz war uns bei den Entwürfen wichtig“, so Fritzen.

Alle 13 Wettbewerbsbeiträge seien von hoher Qualität gewesen, lobte der Jury-Vorsitzende. Die Siegener Architektin Christine Loth war als eine der beiden Drittplatzierten vor Ort und nahm ihren Preis persönlich entgegen. Die Architekten von rheinflügel Severin aus Düsseldorf (2. Platz) und Victoria von Gaudecker Architektur aus München (ebenfalls 3. Platz) verfolgten die Reden und die Auszeichnung über den Livestream.  

Das Projekt „Uni kommt in die Stadt“, das ihn von Beginn seiner Amtszeit 2009 begleite, sei zu einer echten Herzensangelegenheit geworden, betonte Rektor Burckhart. „Denn es zeigt: Die Uni ist kein Selbstzweck, sie ist für die Gesellschaft, für die Menschen und für die Region da.“ Nachdem die erste Fakultät in das Untere Schloss gezogen ist, sei es immer sein Wunsch gewesen, dass weitere Standorte hinzukommen. „Und die sollten so gelegen sein, dass man in maximal 15 Minuten zu Fuß am Schlossplatz ist“, so Burckhart. „Ich freue mich über die Entwürfe, die zeigen, dass das gelingen kann.“

Die Universität Siegen ist in den vergangenen zwölf Jahren stark gewachsen, erklärte Kanzler Richter. „Wir brauchen mehr Platz.“ Und vom Haardter Berg, der immer das Image des universitären „Elfenbeinturms“ gehabt habe, hineinzugehen in das Herz der Stadt, sei eine wichtige und richtige Entscheidung gewesen.

„Weil die Uni Menschen nach Siegen bringt, die hier studieren, arbeiten, mit ihren Familien hier leben und gar nicht so selten auch Unternehmen gründen und neue Arbeitsplätze schaffen“, ergänzte Bürgermeister Mues. Die Uni verändere das Gesicht der Stadt, sie trage aber auch dazu bei, Dinge zu erhalten. „Während meiner Amtszeit wurde vier Mal über die Schließung von Karstadt in Siegen diskutiert.“ Jetzt stehe der Standort Siegen nicht mehr in Frage. In diesem Fall hätten das neue Hörsaalzentrum und die Mensa am Standort Unteres Schloss als Konzept überzeugt.

Auch was die Verkehrsplanung angeht, so Stadtbaurat Schumann, könnten die neuen Campusstandorte Nord und Süd ein Erfolgsmodell sein. „Es entstehen neue Wegebeziehungen, es entstehen neue öffentliche Räume, es gibt eine verkehrliche Entzerrung.“
 
Corona-bedingt konnten nicht alle Interessierte vor Ort dabei sein, aber dank des Streams die Veranstaltungen im Internet verfolgen und auch Fragen stellen. So wollten die BürgerInnen unter anderem wissen, wie es mit dem Projekt weitergeht. Dazu erklärte Kanzler Richter, dass der Siegerentwurf derzeit in einem sogenannten Masterplan konkretisiert wird. Erst dann kann der Bebauungsplan erstellt und Baurecht geschaffen werden. Die ersten Bagger könnten 2022 rollen. „Mit einer Bauzeit von zweieinhalb bis drei Jahren muss man dann rechnen“, so Richter. Ein solches Projekt bedeute natürlich auch eine große finanzielle Anstrengung. Der Kanzler sprach von einem „dreistelligen Millionenbetrag“. So etwas sei nur mit Unterstützung des Landes realisierbar.  „Und diese Unterstützung haben wir.“
 
Für die interessierten Bürgerinnen und Bürger steht ab sofort auch die Internetseite www.campusunteresschloss.de zur Verfügung, die Einsicht in den aktuellen Stand des Projekts bietet und Möglichkeiten eröffnet, Fragen zu stellen und Kommentare zu hinterlassen.


Die Entwürfe sind noch bis zum 16. Oktober in den Schaufenstern des ehemaligen Möbelhauses Wonnemann in der Sandstraße 16-18 in Siegen ausgestellt.

Neu Preise Apollo

Der Siegerentwurf des Berliner Stadtplanungsbüros Machleidt wurde im Apollo-Theater ausgezeichnet. Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart (links), Bürgermeister Steffen Mues (2. von links), Kanzler Ulf Richter (2. von rechts) und Stadtbaurat Henrik Schumann (rechts) gratulierten den Architekten: Ole Sass (3. von links), Henner Winkelmüller (Mitte) und Steffen Wörsdorfer (3. von rechts).