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Stolperstein für NS-Opfer Bruno Lüdke

In ihrem gemeinsam mit Dr. Axel Doßmann herausgegebenen Buch „Fabrikation eines Verbrechers“ analysiert Prof. Dr. Susanne Regener, mit welchen Strategien während der NS- und bundesdeutschen Nachkriegszeit Bruno Lüdke zum Täter gemacht wurde. Nun wurde im Beisein des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und des Schauspielers Mario Adorf ein Stolperstein für Lüdke verlegt.

Eine „Bestie in Menschengestalt“ – bis in die 1990er Jahre galt der Berliner Bruno Lüdke als brutalster Serienmörder Deutschlands. In Berlin-Köpenick, dem Geburtsort Lüdkes, verlegte der Künstler Gunter Demnig jetzt in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen Stolperstein für das Opfer der NS-Justiz. Angeregt hatte dies der Schauspieler Mario Adorf, der 1957 in Robert Siodmaks Spielfilm „Nachts, wenn der Teufel kam" die Rolle des Bruno Lüdke verkörperte.

Zusammen mit Dr. Axel Doßmann, jetzt Leiter der Villa ten Hompel in Münster, hielt die Medienhistorikerin Prof. Dr. Susanne Regener (Universität Siegen) die Gedenkrede: „Mit diesem Stolperstein würdigen wir heute einen Menschen, der im Alter von 36 Jahren brutal benutzt und ermordet wurde. Bruno Lüdke war ein Opfer in mehrfacher Hinsicht: Er war ein Opfer der Zwangssterilisation. Er war ein Opfer der NS-Politik gegen sogenannte ‚Gemeinschaftsfremde’, ‚Asoziale’ und ‚Berufsverbrecher’. Und er war ein Opfer der erneut sozialrassistischen Wahrnehmung nach 1945 bis in die 1990er Jahre hinein.“

bruno-luedke_webMehr als 50 Morde an Frauen legten die Nationalsozialisten Lüdke zur Last, dabei hat er keinen einzigen Mord verübt. Stichhaltige Beweise gab es keine, vielmehr handelte es sich um sozialrassistische, vom Herrenmenschen-Denken beeinflusste Erfindungen der Ermittler. Lüdke war Ende der 1930er Jahre „erblicher Schwachsinn“ attestiert worden, woraufhin seine Zwangssterilisierung erfolgte. Ohne vorherige Gerichtsverhandlung ermordete die SS Lüdke 1944 in Wien.

Wie vielfach im bundesdeutschen Umgang mit NS-Verbrechen setzte sich die rassistische Gewalt der nationalsozialistischen Kriminalpolitik im Fall Bruno Lüdkes fort, wie das Buch „Fabrikation eines Verbrechers“ von Axel Doßmann und Susanne Regener belegt: Die überlieferten Akten, Fotos und Anekdoten wurden ab 1949 in True Crime-Storys vermarktet, beteiligt war daran u.a. auch SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein.

 

Foto im Text: Der Kutscher Bruno Lüdke (1908-1944) in Berlin-Köpenick, Grüne Trift 32, 1930er Jahre. Im Hintergrund das Wohnhaus mit der elterlichen Wäscherei.Fotograf: unbekannt, Quelle: privat.

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Susanne Regener
Tel. 0271 740-2046
E-Mail: susanne.regener@uni-siegen.de