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Höhepunkt zum Abschied

Prof. Bodo Gemper richtet sein letztes „Franz-Böhm-Kolleg“ aus – Festredner Dr. Norbert Röttgen und die zahlreichen Gäste zollen dem Volkswirtschaftler größten Respekt.

Als es zu Ende ist, erheben sich die Menschen im Friedrich-Schadeberg-Hörsaal der Universität Siegen und klatschen Beifall. Für Dr. Norbert Röttgen, den Festredner des 21. Franz-Böhm-Kollegs. Vor allem aber für Prof. em. Dr. rer. pol. DCom. Bodo Gemper, den „spiritus rector“ der Veranstaltungsreihe. Seit 1998 organisiert Bodo Gemper die Veranstaltungsreihe, Jahr für Jahr kamen herausragende Persönlichkeiten nach Siegen – Wolfgang Clement, Christine Lieberknecht, Sahra Wagenknecht, Hans-Jürgen Papier, Bernhard Vogel oder Jens Weidmann, um nur einige zu nennen. „Mit dem Franz-Böhm-Kolleg haben Sie einen intellektuellen Brennpunkt geschaffen. Wir verabschieden uns von einem ganz wichtigen Element im kulturellen und öffentlichen Leben dieser Stadt“, sagte Uni-Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart – und wünschte Prof. Bodo Gemper „von Herzen, gesund zu bleiben“.

Fast 30 Jahre lehrte und forschte der Volkswirtschaftler Prof. Bodo Gemper an der Universität Siegen. Von seiner Zeit als Forscher und Hochschullehrer berichtete er dem Publikum im Friedrich-Schadeberg-Hörsaal, über prägende Momente seiner Laufbahn, darunter der direkte Austausch mit Ludwig Erhard und das Erleben individueller und wissenschaftlicher Freiheit. Nach seiner Emeritierung 2001 setzte der am 30. Januar 1936 in Jena geborene Gemper als engagierter Organisator wirtschaftspolitischer Tagungen mit stets prominenter Besetzung Zeichen. „Danke an Sie, Herr Gemper, für Ihr diesbezügliches Lebenswerk. Für die Grundidee, die Durchführung, die unermüdlichen Anfragen an Ihre Gäste, die publizistischen Nachbereitungen und vor allem für Ihre ehrliche Begeisterung für den inhaltlichen Kern – die soziale Marktwirtschaft in einem demokratischen Rechtsstaat. Unsere aufrichtige Hochachtung ist Ihnen gewiss“, sagte Prof. Dr. Volker Stein in seinem Grußwort für das Rektorat der Universität. Dem schloss sich Uni-Kanzler Ulf Richter an: „Es ist eine große Ehre, dass wir Sie in unserer Mitte haben dürfen.“

fbk_gemper_gruppeJetzt, im November 2022, hatte Prof. Bodo Gemper zum letzten Mal einen Gast nach Siegen eingeladen – Dr. Norbert Röttgen, Bundesminister a.D., Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. „Was Sie geschildert haben, Herr Gemper, war für uns alle berührend. Ihr persönlicher Rückblick, das Erleben von Freiheit und Wissenschaft, das war großartig – ich muss mich bedanken und es rührt mich“, sagte Röttgen gleich zu Beginn, um dann über „Friedensordnung Europa als Aufgabe deutscher Außenpolitik“ zu sprechen.

Die Grundbedingung für eine Friedensordnung in Europa nannte er gleich zu Beginn: „Das Ziel bedeutet, dass Russland Teil dieser Friedensordnung ist – oder wir keine europäische Friedensordnung mehr haben“, sagte Röttgen. Gleichermaßen präzise und rasant schilderte Röttgen die politische Entwicklung auf dem europäischen Kontinent, beginnend mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hin zum Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022.

Durch die Maidan-Revolution 2013/2014 habe sich die Ukraine klar zum Westen bekannt. „Es war klar, dass, wenn die Ukraine europäisch wird, sie erfolgreich wird. Der Erfolg liegt in der Ordnung des Gemeinwesens, der sozialen Marktwirtschaft, der Gewaltenteilung, der Rechtsstaatlichkeit. Das hat Putin massiv unter Druck gesetzt. Der Virus der Freiheit wäre auf Russland übergegangen und hätte Putins Macht bedroht“, sagte Röttgen. Die Annexion der Krim, Syrien, die destruktive Außenpolitik – allesamt taktische Manöver, um den russischen Nationalstolz zu fördern. Und allesamt ohne spürbare Konsequenzen, sodass 2022 der Krieg zurück nach Europa kehrte. „Putins Motivation entspringt der Obsession, den Ausgang der Geschichte zu korrigieren. Er hat den Ausgang des Kalten Krieges nie akzeptiert. Er will ein russisches Imperium gründen“, sagte Röttgen.

fbk_roettgenDeutschland sieht der Außenpolitiker in der Pflicht, für eine neue europäische Friedensordnung zu kämpfen, diese einzuleiten und eine Führungsrolle einzunehmen. „Die wichtigste europäische Sicherheit ist so die USA. Doch sie werden sich eine neue europäische Friedensordnung nicht zu ihrer Aufgabe machen wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist die Aufgabe unseres Landes, West und Ost zusammenzubringen und eine sicherheitspolitische Ordnung zu entwickeln.“ Röttgen fasste zusammen, dass unser Wohlstand durch geopolitische Entwicklungen angegriffen ist. Kurzfristig habe billige Energie geholfen, aber Deutschland langfristig abhängig gemacht. Röttgen blickte bereits auf einen möglichen Folgekonflikt mit China: „Die wirtschaftliche Abhängigkeit wird gigantisch viel kosten, wenn wir diese weiter steigern und es zum Konflikt zwischen China und Taiwan kommt. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“

Röttgen schloss mit den Worten: „Wir können die Politik des Augenblicks nicht weiter betreiben und brauchen einen strategischen Blick. Wir müssen dafür klären, wer wir Deutsche angesichts des neuen Horizonts von Herausforderungen sein wollen. Ich erlebe uns als empathisches, solidarisches Volk. Wir bezahlen mit höheren Rechnungen, die Ukrainer mit ihrem Blut. Die Menschen kennen den Grund.“ Der Gast trug sich zum Abschluss der Veranstaltung in das Goldene Buch der Stadt Siegen ein und diskutierte mit Prof. Gemper und den Gästen weitere Fragen. Das Schlusswort sprach der Prof. Gemper: „Wir sollten Europa zur Staatsräson machen. Frieden ist die einzige Chance, die unser Überleben gestattet.“

Zum Franz Böhm-Kolleg:
Professor Franz Böhm (1895 bis 1977), Jurist, ist Mitbegründer der Freiburger Schule der Nationalökonomie und des Ordo-Liberalismus. Unter seinem Vorsitz konstituierte sich der „Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium“. Böhm personifiziert die Einheit des Denkens im gesellschaftlichen Ordnungsgefüge von Rechtsstaat und Sozialer Marktwirtschaft. Die „Franz Böhm-Kollegs“ wurden von Bodo Gemper, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Siegen, begründet. Sie sollen ein Ort des interdisziplinären Gedankenaustauschs und des konstruktiv-kritischen gesellschaftlichen Engagements sein und besonders auch jungen Menschen den Zugang zu sozialem Dialog eröffnen.

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