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Forschung

1) Arbeitstitel der Dissertation

Versuch über Liebe. Eine analytische Rekonstruktion.

 

2) Interpretation von  Kants Tugendlehre

Die Tugendlehre ist eines der ethischen Hauptwerke Kants und bildet den nicht länger bloß formalen, sondern inhaltlich gefüllten Abschluss der Ethik Kants. Dennoch wurde dieses Spätwerk Kants innerhalb der philosophischen Forschung lange Zeit vernachlässigt; während die Anzahl der veröffentlichten Aufsätze und Bücher zu den weiteren beiden Hauptwerken der kantischen Ethik, der Grundlegung der Metaphysik der Sitten und der Kritik der praktischen Vernunft, für den Einzelnen kaum mehr überblickbar ist, beschränken sich wissenschaftlich relevante Veröffentlichungen zur Tugendlehre auf eine bemerkenswert geringe Zahl; ein umfassender Kommentar ist nach wie vor ein Desiderat. Gerade vor dem Hintergrund der kommentarischen Interpretation ist daher damit zu rechnen, dass eine wirklich sorgfältige und umfassende Analyse des Textes neue Erkenntnisse und Probleme ans Tageslicht bringen wird (die auch für die editorische Arbeit relevant sein werden).
Das Vorhaben will insofern in doppelter Hinsicht neue Maßstäbe setzen: Erstens soll, inhaltlich betrachtet, eine kommentarische Interpretation von Kants Tugendlehre verfasst werden, so dass ein Kommentarwerk entsteht, wie es so noch nicht existiert; und zweitens soll, methodologisch betrachtet, dieser kooperative Kommentar über die Kant-Forschung hinaus in methodischer Hinsicht stilbildend und innovativ sein für eine im engeren Sinne wissenschaftliche philosophiehistorische Forschung.
Was es nun bedeutet, kommentarisch zu interpretieren, lässt sich schwerlich bloß theoretisch erläutern. Daher sei an dieser Stelle nur so viel gesagt: Eine kommentarische Interpretation will das Gegenteil einer oberflächlichen und nicht hinreichend genauen Lektüre sein, sie will unter Berücksichtigung der relevanten Kontexte (Zeitumstände, Entwicklungsgeschichte Kants, Zusammenhang mit anderen Teilen der Kantischen Philosophie) den zu interpretierenden Text in seinem Gesamtzusammenhang und in seinen Elementen (Sätze, Wörter, Interpunktion etc.) umfassend und mikroskopisch genau interpretieren. In einer solchen Interpretation würden systematisch Kohärenz- und Kohäsionsanalysen vollzogen, textuelle Beobachtungen aufgelistet und in die Interpretationen integriert; verschiedene Interpretationshypothesen würden verglichen und als solche deutlich. Dabei wird die Interpretation keinesfalls fortlaufend, Satz für Satz, am Text arbeiten, sondern systematisch oder thematisch orientiert, denn thematisch zusammenhängende, aber über den Text verstreute Stellen gilt es im Zusammenhang zu sehen.
Das wesentliche Element der kommentarischen Interpretation soll außerdem mit der Idee der kooperativen Forschung verbunden werden. Diverse Arbeiten am ZetKIK haben bereits eindeutig gezeigt, dass die kooperative Arbeit an einer Interpretation philosophischer Texte um ein Vielfaches fruchtbarer und produktiver ist als die Arbeit eines Einzelnen. Kooperatives Philosophieren soll mit diesem Projekt demnach gefördert und als philosophisch-wissenschaftliche Methode etabliert werden. Der kooperative Charakter ergibt sich aber nicht etwa aus einer Arbeitsteilung, sondern vor allem aus der gemeinsamen Interpretation; dies ist das wichtigste Moment. Schon Klaus Weimar behauptete völlig zu Recht: „Interpretieren sollte man nicht allein“ (Enzyklopädie der Literaturwissenschaft, § 309). Das Projekt will diese Einsicht umsetzen; der Kommentar wird daher kooperativ von Dieter Schönecker und Elke Elisabeth Schmidt verfasst.

Die Interpretationsarbeit ist Teil des Projekts "Edition und Interpretation von Kants Tugendlehre".