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LUMIS - Institut für Empirische Literatur- und Medienforschung


Neben der Erweiterung des Forschungsgegenstands erfahren die Literaturwissenschaften in den Siebziger Jahren einen weiteren wichtigen Impuls aus der sog. Theoriedebatte und Methodendiskussion, in der hermeneutische Traditionen, Analytische Philosophie sowie sozial- und naturwissenschaftliche Positionen aufeinander prallten. Eine der Folgeentwicklungen dieser Debatten artikulierte sich als „Empirisierung der Literaturwissenschaften“. Es waren vor allem die Arbeiten des Philosophen, Linguisten und Literaturwissenschaftlers Siegfried J. Schmidt , die neben dem kulturpsychologischen Ansatz Norbert Groebens diese Richtung maßgeblich geprägt haben. Schmidt entwickelte während seiner Tätigkeit in Bielefeld die analytische und sozialwissenschaftliche Konzeption einer "Empirischen Literaturwissenschaft".

Nach seinem Wechsel nach Siegen (1979) wird diese Konzeption noch deutlicher profiliert. Siegfried J. Schmidt übernimmt in Siegen eine Professur für Germanistik und Allgemeine Literaturwissenschaft. Er gründet 1984 zusammen mit Helmut Schanze und Christian W. Thomsen das Institut für Empirische Literatur- und Medienforschung (LUMIS) als Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung der Universität, die Vorläuferinstitution des heutigen Instituts für Medienforschung. Der Begriff „Medien“ in der Bezeichnung des Instituts ist bemerkenswert, signalisiert er doch deutlich - und dem Kontext der Siegener Literaturwissenschaft entsprechend – die Erweiterung des Fokus, wie sie erst heute mit den verschiedenen Varianten der Medienwissenschaften in großem Stil vollzogen wird. Als Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung erfüllt das Institut fachbereichsübergreifende Aufgaben, verfolgt interdisziplinäre Forschungen und unterstützt das Lehrangebot der Fachbereiche.

Mitarbeiter Schmidts waren vorerst Achim Barsch, Helmut Hauptmeier , Dietrich Meutsch, Gebhard Rusch  und Reinhold Viehoff, mit der Gründung des LUMIS stoßen 1984 vom Paderborner FEoLL Peter M. Hejl , Wolfram K. Köck und Raimund Klauser  hinzu.

Durch die Gründung des Instituts für Empirische Literatur und Medienforschung (LUMIS) gelingt den Siegenern in den folgenden Jahren eine gewisse Konsolidierung und Institutionalisierung des empirischen Ansatzes in den Literaturwissenschaften. Außerdem wird die Siegener Forschergruppe durch ihr Engagement für konstruktivistische Positionen und die Entwicklung konstruktivistischer Kommunikations-, Medien-, Sozial- und Geschichtstheorien bekannt. Das konstruktivistische Engagement strahlt sehr erfolgreich vor allem in andere Disziplinen aus, insbesondere in die Philosophie, Soziologie und Geschichtswissenschaft, sowie die Kommunikationswissenschaft. Heute ist Siegfried J. Schmidt einem großen Publikum in erster Linie als Gestalter des konstruktivistischen Diskurses bekannt. Der Siegener Konstruktivismus greift vor allem den "Radikalen Konstruktivismus" Ernst von Glasersfelds auf und schließt an Grundannahmen von Heinz von Foerster, Humberto Maturana und Francisco Varela an.

Neben der Ausarbeitung konstruktivistischer Kommunikations-, Medien- und Sozialtheorien, die von der DFG in zahlreichen Einzelprojekten gefördert wurde, spielte das LUMIS auch bei der Beantragung und Einrichtung des ersten DFG-Sonderforschungsbereiches an der Universität Siegen ein maßgebliche Rolle. Siegfried J. Schmidt bleibt Direktor des LUMIS bis er 1997 dem Ruf auf einen Lehrstuhl für Kommunikationstheorie und Medienkultur an der Universität Münster folgt. Dieser Wechsel markiert auch seinen Abschied aus der Literaturwissenschaft. Im Jahr 2001 überführt der geschäftsführende Direktor des LUMIS, Ralf Schnell , die Einrichtung in das Institut für Medienforschung. Das Institut für Medienforschung verfolgt das Ziel einer transdisziplinären integrierten Medienforschung.