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Stellungnahme Universität Siegen

Das Seminar „Denken und Denken lassen. Zur Philosophie und Praxis der Redefreiheit“ im Wintersemester 2018/2019 hat begonnen. Die Universität nimmt Stellung.

Am 15. November 2018 hat das Seminar „Denken und Denken lassen. Zur Philosophie und Praxis der Redefreiheit“ an der Universität Siegen begonnen, Leiter des Seminars ist Prof. Dr. Dieter Schönecker (Philosophisches Seminar). Im Rahmen des nichtöffentlichen Seminars steuern sechs interne und externe Referenten jeweils einen Redebeitrag bei. Für den 20. Dezember 2018 ist ein Vortrag von Dr. Marc Jongen (MdB, AfD) zum Thema „Vom Free Speech zum Hate Speech – auch eine Dialektik der Aufklärung“ geplant, für den 10. Januar 2019 ein Vortrag von Dr. Thilo Sarrazin mit dem Titel „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“.

Die Ankündigung des Seminars hat zu einer breiten Diskussion geführt, universitäts-intern und öffentlich. Die Universität Siegen begrüßt diese offene gesamtgesellschaftliche Diskussion ausdrücklich, betont sie doch die Bedeutung des Themas. Aufgrund des erfolgten Diskurses möchte die Universität einige Aspekte bekräftigen und näher erläutern.

Der Hochschulrat, das Rektorat, der Senat und die Philosophische Fakultät der Universität Siegen bekennen sich zur Wissenschaftsfreiheit gemäß Artikel 5 GG. Vor dem Hintergrund der Freiheit von Forschung und Lehre betrachtet es die Universität Siegen deshalb grundsätzlich nicht nur als legitim, sondern als begrüßenswert, wenn sich ihre Angehörigen auf wissenschaftlicher Basis auch mit politisch umstrittenen Positionen und Meinungen auseinandersetzen. Der Diskurs ist ein wichtiges Privileg und eine wesentliche Alternative zu bloßer Ausgrenzung oder Sprachlosigkeit. Folgerichtig gab es und gibt es keine Bestrebungen, das Seminar zu unterbinden.

Die Universität ist in Forschung und Lehre zu politischer Neutralität verpflichtet. Diese ist im Fall des vorliegenden Seminars durch die einseitige Einbindung von Politikern und Denkern in eine Lehrveranstaltung leider nicht gegeben. Das erklärte Bemühen des Seminarleiters, im Sinne der Neutralität auch Vertreter anderer parteipolitischer Positionen zu seinem Seminar eingeladen zu haben, erkennt die Universität ebenso an wie das Ziel des Seminars, eine akademische Auseinandersetzung mit dem Thema ohne ideologische Prägung zu führen. Es ändert jedoch nichts an der im Ergebnis einseitigen Ausrichtung, die die Universität als problematisch ansieht und bedauert.

In den vergangenen Jahren sind an der Universität Siegen in anderen Kontexten bereits PolitikerInnen unterschiedlicher Parteien aufgetreten. Im Rahmen der öffentlichen Vortrags- und Diskussionsreihe „Franz Böhm Kolleg“ waren beispielsweise Dr. Sahra Wagenknecht (2017), Christine Lieberknecht (2012), Prof. Dr. Wolfgang Böhmer (2011) oder Günther Verheugen (2008) zu Gast. Sie alle haben nicht an Veranstaltungen der grundständigen Lehre teilgenommen, sie alle haben im Zusammenhang mit ihren Auftritten an der Universität auf Honorare verzichtet.

Auch im Fall von Dr. Marc Jongen und Dr. Thilo Sarrazin sehen die Universität, die Fakultät und ihre Gremien die Finanzierung von Honoraren als falsches Signal an. Für die Finanzierung des Seminars stehen Prof. Schönecker selbstredend seine frei verfügbaren Mittel zur Verfügung, nicht aber zusätzlich Mittel der Fakultät.

Die Universität distanziert sich klar und eindeutig von den politischen Auffassungen von Dr. Marc Jongen und Dr. Thilo Sarrazin. Die Universität wendet sich ausdrücklich gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Extremismus. Gemeinsam mit den in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zusammengeschlossenen Hochschulen tritt sie mit dem Slogan „Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“ offensiv für Aufgeschlossenheit und Weltoffenheit ein. Diese Haltung zeigt sich nicht zuletzt auch in der Unterstützung zahlreicher Hilfsprojekte für geflüchtete Menschen an der Universität Siegen. Die universitäre Initiative „Geflüchtete helfen Geflüchteten“ zur Integration von Studierenden mit Fluchtgeschichte erhielt 2017 eine Auszeichnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin.

Universität Siegen, 21. November 2018 

Zu diesem Thema finden Sie außerdem:


Am 17. Januar 2019 findet die Veranstaltung „Wissenschaftsfreiheit und Redefreiheit. Ein klärendes Gespräch.“ statt. Die Diskussionsveranstaltung ist universitätsöffentlich und wird einige der Fragen behandeln, die im Wintersemester 2018/19 durch das Seminar „Denken und denken lassen“ von Prof. Dieter Schönecker aufgeworfen worden sind. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht das ‚Seminar als Seminar‘, sondern das Verhältnis von Wissenschaftsfreiheit und Redefreiheit. Friedemann Vogel, Ehler Voss und Stefan Kutzner werden in das Thema einführen. Vorgesehen ist eine ausgiebige Gelegenheit zur Diskussion, angefangen mit den Gästen Patrick Bahners, Gerd Morgenthaler und Dieter Schönecker. Die Moderation übernimmt Cord Friebe vom Philosophischen Seminar. Die Veranstaltung wurde vom Medienwissenschaftlichen Seminar in Absprache mit dem Rektor der Universität Siegen organisiert.

Für eine Medien-Akkreditierungen nehmen Sie bitte Kontakt zur Pressestelle auf.