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W. Ludwig-Mayerhofer – Literaturempfehlungen Wissenschaftstheorie


Literaturempfehlungen für Studierende:

Wissenschaftstheorie

Home | Forschungsmethoden | Statistik | Wissenschaftstheorie | Soziale Ungleichheit | Familiensoziologie | Vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung
Einführungen

Chalmers, Alan F. (1999): What is this thing called science? (3. Auflage). Indianapolis, IN: Hackett Publishing Company.

Eine charmante Einführung, die auch auf neue Entwicklungen eingeht.
Es gibt auch den Versuch einer deutschen Ausgabe, aber zumindest bis zur 5. Auflage (Wege der Wissenschaft. Einführung in die Wissenschaftstheorie, 5., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 2001) war die Übersetzung teilweise schlecht und gelegentlich sogar falsch und irreführend. Auch wird jenseits der ganz bekannten Namen so mancher studentische Versuch, Personennamen in immer neuer Weise falsch zu schreiben, in den Schatten gestellt. Gut aber die von den deutschen Bearbeitern eingefügte ausführliche deutschsprachige Bibliographie, die auch auf viele Einzeldisziplinen eingeht. – Seit 2006 gibt es eine neue Auflage, an der offenbar auch eine neue Person als Übersetzerin beteiligt war. Ich hatte noch keine Zeit zu prüfen, ob das etwas geholfen hat.
So oder so: Warum eine Übersetzung lesen, wenn das Original so schön klar und deutlich ist?

Poser, Hans (2001): Wissenschaftstheorie. Eine philosophische Einführung. Stuttgart: Reclam.

Die Hauptfragen und -probleme der modernen analytischen Wissenschaftstheorie werden hier gut nachvollziehbar, aber keineswegs unterkomplex diskutiert. Mir gefällt gut, dass der Verfasser daneben, nein: darüber hinaus auch der Hermeneutik und der Dialektik ihren Platz einräumt.

Schülein, Johann August & Reitze, Simon (2002): Wissenschaftstheorie für Einsteiger. Wien: Wien Universitätsverlag (UTB).

Das Buch ist gut zu lesen, es stellt die neuere Wissenschaftstheorie einschließlich des Konstruktivismus vor dem Hintergrund der Entwicklung der Erkenntnistheorie seit Platon dar. Das geht angesichts der Kürze des Textes allerdings nur in sehr kursorischer Weise: Die meisten AutorInnen und/oder Positionen werden auf zwei bis fünf Seiten abgehandelt, manchmal geht's auch schneller (der ganze Pragmatismus auf einer Buchseite!). Ich nehme an, man lernt aus diesem Buch vor allem, dass es dringend nötig ist, sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen, will man wirklich etwas davon verstehen. Peinlich schließlich, dass der Philosoph G.W. Leibniz durchgängig mit "tz" geschrieben wird, dass im Literaturverzeichnis die ausführlich zitierten Popper und Wittgenstein schlicht und einfach fehlen (sicher kennen wir [aber vielleicht nicht alle "Einsteiger", an die das Buch sich doch richtet?] deren wichtigste Werke, aber dennoch wüsste man gerne, aus welchen Ausgaben hier eigentlich zitiert wird), oder dass Paul Feyerabends berühmtes Buch hier "Wider dem (sic) Methodenzwang" heißt.

Wichtige Originaltexte

Bourdieu, Pierre, Chamboredon, Jean-Claude & Passeron, Jean-Claude (1991): Soziologie als Beruf. Wissenschaftstheoretische Voraussetzungen soziologischer Erkenntnis. Berlin, New York: de Gruyter.

Der Titel täuscht etwas (vielleicht hätte man der Versuchung einer Anspielung auf Max Weber widerstehen sollen?), der Untertitel zeigt schon eher an, worum es hier geht, auch wenn es sich gerade nicht um Wissenschaftstheorie im Sinne Poppers oder Kuhns handelt.

Feyerabend, Paul (1986): Wider den Methodenzwang. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Kuhn, Thomas S. (1976): Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Da wichtigste Gegenmodell zur Theorie Poppers, wenn man letztere als Theorie des Fortschritts der Wissenschaft betrachtet.

Lakatos, Imre & Musgrave, Alan (Hrsg.) (1970): Criticism and the Growth of Knowledge. London, New York: Cambridge University Press.

Dieser Band geht auf ein Symposium über Kuhns Theorie der Wissenschaftsentwicklung zurück. Neben vielen Klärungen findet sich hier auch Imre Lakatos' berühmter Aufsatz "Falsification and the Methodology of Scientific Research Programmes". – Eine deutsche Version des Buches ist 1974 als "Kritik und Erkenntnisfortschritt" im Verlag Vieweg (Braunschweig) erschienen, scheint aber im Gegensatzu zum englischen Original nicht mehr lieferbar.

Popper, Karl R. (1994): Logik der Forschung. Tübingen: J.C.B Mohr (Paul Siebeck)

Das Hauptwerk Poppers, 1934 erstmals erschienen (manchmal kann man lesen: 1935, aber das bezieht sich laut Popper auf die im Buch gedruckte Jahreszahl – oft erhalten im Herbst erscheinende Bücher bereits die des kommenden Jahres), in dem er seine Idee des Falsifikationismus formuliert. Derzeit (2004) ist das Buch auf Deutsch nicht erhältlich, soweit ich sehe. Eine englische Ausgabe kann man aber für 14 Euro bekommen!
NB! 1994 ist das Jahr der bisher letzten erschienenen Ausgabe, es liegen zahlreiche ältere Auflagen vor.

Popper, Karl R. (2000): Vermutungen und Widerlegungen. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)

Das erste Kapitel dieses Buchs, das diesem auch den Titel gab (im Inhaltsverzeichnis gleichwohl als "Vermutungen und Überlegungen" ausgewiesen, könnte bitte mal jemand beim Verlag so nett sein und das korrigieren?), ist eine sehr gute Einführung in das Thema von Poppers Hauptwerk.
NB! 2000 ist das Jahr der bisher letzten erschienenen Ausgabe, es gibt auch ältere Auflagen.

Weber, Max (1988): Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) (UTB)
oder Weber, Max (1991): Schriften zur Wissenschaftslehre, Stuttgart: Reclam
oder irgendeine andere (ältere) Ausgabe der Schriften Webers zur Wissenschaftslehre

Der Aufsatz über die "'Objektivität' sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis" und die Arbeit über den "Sinn der 'Wertfreiheit'", wiewohl sperrig, gehören zum Grundbestand der Texte Webers, die man als Soziologe/-in kennen sollte.

Vorläufer Kuhns

Hanson, Norwood Russell (1958): Patterns of Discovery. Cambridge: Cambridge University Press.

Toulmin, Stephen E. (1981): Voraussicht und Verstehen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. (zuerst 1961 engl. als "Foresight and Understanding))

Beide Autoren haben im Grunde schon vor Thomas S. Kuhn das gleiche gesagt wie er. Sind aber nicht so bekannt geworden. Trotzdem gut zu lesen!

Positivismus-
Streit

Adorno, Theodor W., Dahrendorf, Ralf, Pilot, Harald, Albert, Hans, Habermas, Jürgen & Popper, Karl R. (1969): Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie. Darmstadt, Neuwied: Luchterhand.

Dahms, Hans-Joachim (1994): Positivismusstreit. Die Auseinandersetzungen der Frankfurter Schule mit dem logischen Positivismus, dem amerikanischen Pragmatismus und dem kritischen Rationalismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Ein spannendes Buch, denn es zeigt, dass das Verhältnis von Kritischer Theorie und "Positivismus" (und zwar gerade jener philosophischen Richtung des frühen 20. Jahrhunderts, die diesen Titel am ehesten zu Recht trug) weitaus komplizierter war, als die späteren, stark durch Konfrontation bis Unverständnis gekennzeichneten Auseinandersetzungen glauben machen.