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Bianca Hauda
Moderatorin bei ARTE.

Dr. Alexandra Geisler
Vertretungsprofessorin für Angewandte Sozialpädagogik an der Fachhochschule Dresden.

Heiko Elmshäuser
Director Corporate Communications & Marketing Services bei Canon.

Anne Beuttenmüller
Director Marketing bei Niantic, Google.

Tilman Welther
Leiter Sachwertinvestments bei FONDS professionell Multimedia GmbH.

Eva Brandt
Entwicklungshelferin bei der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit.

Thomas Pütz
Information Risk Manager bei Enabling Function IT, Bayer AG.

Markus Mörchen
stellv. Redaktionsleiter Tagesmagazine, ZDF.

Dr. Catharina Friedrich
Vorständin bei rhenag.


Dr. Alexandra Geisler (Update Januar 2022)

„Das Jahr 2020 war für mich ein sehr holpriges Jahr“, erklärt Alexandra Geisler, die seit November dieses Jahres ganz frisch eine Vertretungsprofessur für Angewandte Sozialpädagogik in Dresden innehat. Beim letzten Treffen/Interview 2017 war Alexandra als Leiterin einer diakonischen Einrichtung für junge geflüchtete Mädchen in Berlin tätig. In der relativ kurzen Zeit von 4 Jahren ist jedoch viel passiert…

Warum, sagst du, war das Jahr 2020 für dich ein holpriges Jahr?

Für mich stellte sich Ende 2019 die Frage, ob ich im akademischen Bereich tätig bleiben oder wieder in ein praktisches Handlungsfeld gehen möchte. Ich hatte seit dem Wintersemester 2018 eine Professur an der IU (Internationale Hochschule) inne. Nach drei Semestern jedoch habe ich die Hochschule wieder verlassen, um einem großartigen Angebot nachzugehen, auf das ich große Lust hatte. Es ging um ein Modellprojekt vom DGfPI (Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung, -vernachlässigung und sexualisierter Gewalt), für das ich Beratungs- und Präventionsangebote in Brandenburg entwickelte. Der Aufbau von Schutzkonzepten war und ist genau mein Thema. Ich bin mit viel Energie in das Projekt gestartet und dann kam Corona.

Da zur Corona-Zeit im letzten Jahr bis zu 100 Frauen * und ihre Kinder in Berlin aufgrund der bereits vor der Pandemie ausreichenden Zahl an Frauenhausbette in umgenutzten Hotels untergebracht waren, bekam ich ein neues Angebot von einem sozialen Träger in Berlin. Ich war dafür verantwortlich eine Notunterkunft für gewaltbetroffene Frauen* und ihre Kinder aufzubauen und konzeptionell zu einem weiteren Frauenhaus zu entwickeln. Das war für mich eine sehr intensive und letztendlich lehrreiche Zeit.

Was hat dich dazu bewogen aus dem Frauenhaus-Projekt wieder auszusteigen?

Obwohl es eines meiner Herzensthemen ist, habe ich mich entschieden dort aufzuhören. Grund dafür war mein Anspruch an die Arbeit mit gewaltbetroffenen Frauen* und Kindern sowie die langjährige wissenschaftlich-fachliche Expertise der in diesem Handlungsfeld tätigen Organisationen.

Die unterschiedlichen Werteorientierungen, die Überlagerung von ökonomischen Prämissen und Konkurrenzgedanken sowie die Unterwanderung von Qualitätsstandards sind mir noch nie so bewusst geworden wie in diesem Träger in den Zeiten der Pandemie. Mit den finanziell und politisch geleiteten Zwecken konnte ich mich nicht identifizieren und war in der permanenten Auseinandersetzung. Da ich meinem Anspruch an die Arbeit mit gewaltbetroffenen Personen in diesem Setting nicht gerecht werden konnte, habe ich mich entschieden zu kündigen und bin mitten in der Pandemie erst einmal in die Arbeitslosigkeit geraten.

Welcher Tätigkeit gehst du aktuell nach?

Anfang des Jahres 2021 bin ich zunächst in die Schulsozialarbeit eingestiegen und wäre vermutlich auch noch dort, wenn ich nicht eine Anfrage bekommen hätte, eine Vertretungsprofessur zu übernehmen. Die Vertretungsprofessur für Angewandte Sozialpädagogik an der Fachhochschule Dresden mache ich seit November.

Was gefällt dir an deiner aktuellen Tätigkeit?

Die soziale Arbeit kämpft um Anerkennung im wissenschaftlich akademischen Bereich. Das wissenschaftliche Profil der sozialen Arbeit geht oft unter, daher bin ich sehr froh auch in der Forschung tätig zu sein und hier neue Erkenntnisse zu erlangen. Aktuell forsche ich zum Kinderschutz und Gewalt in Institutionen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und Ungarn.

Außerdem ist es eine Riesenfreude, das Wissen, welches ich über die Jahre angesammelt habe, weitergeben zu können.

Das Thema geschlechtsspezifische Gewalt beschäftigt dich schon lange: Was motiviert dich daran?

Das sind für mich zentrale Themen, an die ich mit einem hohen Idealismus und viel Engagement heran gehe. Ich möchte in dem Bereich wirklich etwas bewegen. Denn die gesellschaftliche Realität ist Ausdruck tief verwurzelter Stereotype sowie vielfältiger Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder, die auch heute kaum etwas von ihrer Wirkungskraft verloren haben.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich bin vor kurzem über ein afrikanisches Sprichwort gestolpert, das mich sehr angesprochen hat: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Geduld ist sicherlich ein Wunsch für die Auseinandersetzung mit den vielfältigen strukturell verankerten Macht- und Dominanzverhältnissen sowie die Nutzung von Einfluss- und Veränderungsmöglichkeiten.


Das Porträt basiert auf einem Interview mit Alexandra Geisler.