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Blick in die Praxis

24 Research-Alumni aus 22 Ländern

Die 70-seitige Broschüre zur Global Digital Health-Woche liest sich wie ein Who is Who der internationalen Forschungslandschaft rund um das Thema Digitalisierung und Gesundheitswesen. 24 teilnehmende Research Alumni aus 22 Ländern und fast allen Kontinenten brachten sich mit ihren Forschungsprojekten ein und tauschten sich mit ExpertInnen der beteiligten deutschen Universitäten und Einrichtungen intensiv aus. Für jeden der sechs Projektpartner steht hier stellvertretend ein kleines Forschungsporträt:


Bild von Mark Sujan.

Mark Sujan (55) aus Großbritannien war von 1999 bis 2002 Doktorand am Karlsruher Institut für Technologie; nach verschiedensten Stationen von Siena und Rom über Oxford bis York ist er aktuell Professor an der University of York. Seit rund 25 Jahren arbeitet er im Bereich Patientensicherheit und anderen sicherheitskritischen Bereichen und zur Gewährleistung der Sicherheit von Systemen mit Künstlicher Intelligenz. Sein Fokus liegt auf "menschenzentrierter KI", menschlichen Faktoren im Gesundheitswesen und Fragen, wie eine KI gestaltet und angewendet werden sollte, die eine sichere und ethische Versorgung gewährleistet. Ein Beispiel seien Systeme mit KI-unterstützter Hautkrebserkennung, die besser auf heller als dunkler Haut funktioniere, das könne Ungleichheit begünstigen.

Der renommierte Wissenschaftler ist Treuhänder des Chartered Institute of Ergonomics and Human Factors und Mitglied der Interessengruppe für KI und digitale Gesundheit. Die Einführung von KI im Gesundheitswesen werde von politischen Entscheidungsträgern zunehmend als unverzichtbar angesehen, viele aktuelle Initiativen würden seines Erachtens jedoch Gefahr laufen, "von einer technologiezentrierten Denkweise dominiert zu werden". Ihm liegt der persönliche Austausch mit KollegInnen in der Projektwoche sehr am Herzen. Er habe festgestellt, "dass viele von uns auf relativ verwandten Gebieten tätig sind, diese Beziehungen kann man jetzt mitnehmen". Außerdem lerne man die internationale Wissenschaftslandschaft noch näher kennen und könne Kontakte (wieder) intensivieren, die teils durch den Brexit gelitten hätten.


Bild von Lamees Elhassan.

Lamees Elhassan, (41) derzeit Marokko, war von 2019 bis 2023 Wissenschaftlerin an der Universität Heidelberg, derzeit ist sie Beauftragte für öffentlich-private Partnerschaften im Bundesgesundheitsministerium Sudan (aufgrund des Konflikts im Sudan vorerst ausgesetzt). Die Sudanesin ist Zahnärztin und Spezialistin für globale Gesundheit und befasste sich intensiv auch mit öffentlichen Gesundheitssystemen und digitalen Innovationen in dem Bereich, entwickelte Rahmenwerke für die allgemeine Gesundheitsversorgung und Strategien für Reformen. "Die Woche ist wirklich beeindruckend. Amazing! Diese interdisziplinären Felder, diese international besetzte Gruppe!", schwärmt sie.

Ihr besonderes Augenmerk gilt dem Einsatz von E-Learning und Blended Learning-Methoden, um dem Mangel an medizinischen Fachpersonal in Subsahara-Afrika besser zu begegnen und den Zugang die medizinischen Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern. Solche digitalen Tools dort zu implementieren, sei allerdings mit großen Herausforderungen auch angesichts der Infrastruktur besonders in ländlichen Regionen Afrikas verbunden. Es gebe teilweise eingeschränkten Zugang zu Techniken wie dem Internet, der Ausstattung mit Smartphones und Computern und Stromversorgung. Der gravierende Fachkräftemangel gehe einher mit fast einem Viertel der weltweiten Krankheitslast auf diesen Ländern mit eingeschränkten Ressourcen. Sie reiste auch mit dem Anliegen nach Deutschland, Kontakte zu Stakeholdern für eine Zusammenarbeit zu knüpfen.


Bild von Aparecido Fabiano Pinatti de Carvalho.

Aparecido Fabiano Pinatti de Carvalho (43), gebürtiger Brasilianer, war von 2016 bis 2022 Wissenschaftler an der Universität Siegen und ist Professor am Institut für Informatik der Universität Oslo. Er leitet zudem die Forschungsgruppe "Design of Information Systems" im Bereich Digitalisierung, Mitglied der European Society for Socially Embedded Systems und der Association for Computing Machinery. Pinatti di Carvalho interessiert sich insbesondere für Mensch-Computer-Interaktionen und eine interdisziplinäre Herangehensweise, die nicht allein Daten in den Mittelpunkt stellt, sondern soziologische Fragestellungen und Methoden aus der Sozialwissenschaft einbezieht. "Wir müssen Technologien entwickeln, die die Welt besser machen." Dafür müsse man die Praxis gut verstehen. Auf der Grundlage einer Studie mit Radiologen und der Prostatakrebs-Diagnostik zeige sich etwa, dass die Mediziner transparente KI-Systeme benötigen, die Diagnosevorschläge mit klaren Begründungen liefern und sich an klinischen Denkprozessen orientieren, um Vertrauen zu schaffen, die Akzeptanz zu erhöhen und eine hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen.

Für das komplexe Thema wolle er die KollegInnen in der Projektwoche sensibilisieren. Die Veranstaltung sei "eine super Möglichkeit, Forschende aus verschiedensten Disziplinen zu treffen und neue Ideen zu entwickeln. Wir haben schon einige! Vielleicht entsteht daraus ja auch ein neuer Projektantrag für das Netzwerk!"


Bild von Tiia Kekäläinen.

Tiia Kekäläinen (34) aus Finnland, erhielt 2024 als Postdoktorandin an der Uni Münster ein Women in Research-Fellowship (WiRe) und ist Forscherin an der Laurea University of Applied Sciences, Abteilung Soziale Dienste und Gesundheitswesen. "Mein Hintergrund liegt in der Gerontologie und den Gesundheitswissenschaften", sagt die junge Forscherin, die mit dem sechs Monate alten Baby und ihrem Ehemann mit auf die Tagungsreise nach Köln und Heidelberg reiste. Sie nutzte gern die Möglichkeit, andere WissenschaftlerInnen zu treffen und einen Einblick in aktuelle Forschungsprojekte zu erhalten. "Ich bekomme in jedem Gespräch neue Anregungen, auch die Lab-Führungen waren hochinteressant", so Kekäläinen.

Sie forschte unter anderem zum psychischen Wohlbefinden in betreuten Wohnumgebungen. Näher stellte sie die "neuartige, smartphonebasierte ökologische Momentaufnahmen" (EMA) vor, bei der in der Regel Verhalten, Erfahrungen oder Leistungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg mehrmals täglich bewertet werden. Die Daten könnten mit anderen Methoden kombiniert werden, um momentane Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und kognitiven Funktionen beziehungsweise psychischer Gesundheit zu untersuchen.


Bild von Aliyu Muhammad.

Aliyu Muhammad (43) aus Nigeria war von 2015 bis 2016 sechs Monate Postdoktorand am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg; derzeit ist er außerordentlicher Professor an der Ahmadu Bello University. Er forscht und lehrt seit über 14 Jahren im Bereich Medizinische Biochemie, von Krebsbiochemie, Ernährung und Gesundheit bis KI/maschinellem Lernen. Er befasst sich unter anderem mit der öffentlichen Wahrnehmung des Klimawandels und dessen schwerwiegenden Auswirkungen auch auf die Gesundheit, insbesondere Brustkrebsrisikofaktoren. Von UV-Strahlung über Pestizideinsatz bis Luftverschmutzung - das öffentliche Bewusstsein für Zusammenhänge zwischen Klima und Brustkrebs und Möglichkeiten zum Schutz vor umweltbezogenen Risikofaktoren müsse stärker Beachtung finden, unterstreicht der 43-Jährige. Etwa bei Info-Kampagnen seien digitale Tools und KI-gestützte Strategien von großer Bedeutung.

In der Projektwoche habe er "sehr viele Ideen und Anregungen bekommen", zum Beispiel rund um das Thema Datenwissenschaft und Künstliche Intelligenz und die Frage, wie Anwendungen in seinem Heimatland adaptiert werden könnten und sollten. Von großem Interesse seien auch Informationen rund um Gründung und Fördermöglichkeiten sowie nachhaltige Kooperationen. Er habe viele interessante Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen von Brasilien bis Norwegen: "Es ist sehr spannend und ich sehe, dass man viel mit AI tun könnte. Ich hoffe, dass ich nach der Projektwoche bald wieder nach Deutschland komme, zusammen könnten wir noch viel mehr tun!"


Bild von Lily Makalanga.

Lily Makalanga (53) aus Tansania war 2024 Postdoktorandin an der Universität zu Köln und ist derzeit Dozentin und Forscherin an der Universität Dodoma/Tansania, wo sie in Entwicklungsstudien promovierte. Sie befasst sich mit geschlechtsspezifischen Themen und Gendergerechtigkeit im globalen digitalen Gesundheitsbereich sowie politischen Führungsrollen von Frauen und geschlechtersensiblen Gesundheitsthemen. Sie beteiligte sich an verschiedenen Projekten mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung durch innovative digitale Plattformen zu verbessern.

Das übergeordnete Thema der Alumni-Projektwoche und die internationale Besetzung interessiere sie sehr, wobei die Chancen und Herausforderungen je nach Land sehr unterschiedlich seien. In Tansania hätten viele Frauen kaum oder gar keinen Zugang zu Smartphones und anderen digitalen Techniken. "Ich habe während der Woche viele Anregungen erhalten, zum Beispiel was den Einsatz von Künstlicher Intelligenz angeht."Er biete Chancen - wenn KI ethisch und auch geschlechtergerecht Anwendung finde.

Martina Windrath, freie Journalistin, Köln

Hier zu unserem Rückblick der Projektwoche.
Hier zu einem Interview mit Prof. Strünck.
Hier zu einem Interview mit dem Heidelberg-Alumnus Felipe Mejia-Medina aus Kolumbien.
Hier zu einem Rückblick der Uni Heidelberg.
Hier zu Hintergrundinformationen über die gemeinsame Research-Alumni-Initiative.

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Die Projektwoche wurde vom DAAD mit Mitteln des Auswärtigen Amtes (AA) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

 
 
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