Zwischen Forschung und Praxis: VelocityAdapt zu Gast beim TUM Think Tank und auf der Online-EXPO „Digitale Zwillinge“
Wie plant man Klimaanpassung, bevor gebaut wird?
Mit VelocityAdapt waren wir im August digital unterwegs: zu Gast beim TUM Think Tank in München und in der Digital-Twin-Community. Wir haben unseren Prototyp vorgestellt und viele Anregungen mitgenommen.
Wie können Kommunen Maßnahmen zur Klimaanpassung durchspielen, bevor sie gebaut werden, und wie lassen sich deren Folgen für Verwaltung und Stadtgesellschaft sichtbar machen? Daran arbeiten wir im Projekt VelocityAdapt gemeinsam mit den Städten Bad Berleburg und Hagen. Solche Fragen lassen sich nicht allein am Schreibtisch beantworten. Umso wertvoller war es, dass wir im August gleich zweimal mit Praxis und Fachcommunity ins Gespräch kommen konnten.
Fachvortrag am TUM Think Tank. Den Auftakt machte ein virtueller Abstecher nach München. Beim Urban Digitainability Lab des TUM Think Tank, das Forschung und Praxis zur grünen und digitalen Transformation von Städten zusammenbringt. Dort hielt Nino Bohn am 13. August einen Fachvortrag zum Thema „Digitale Zwillinge für kommunale Klimaanpassung“. Er gab Einblicke in das Forschungsprojekt und zeigte an ausgewählten Funktionen unseres Prototyps, was möglich wird, wenn kommunale Daten, urbane digitale Zwillinge und Sprachmodelle zusammenkommen. Die anschließende Diskussion brachte uns wertvolle Impulse aus einer anderen Perspektive, und wir freuen uns, mit dem Lab eine weitere Verbindung zwischen Forschung und kommunaler Praxis geknüpft zu haben. Herzlichen Dank für die Einladung und den offenen Austausch!
Online-EXPO „Digitale Zwillinge“. Ende August ging es weiter. Zur Online-EXPO von Urban Digital und dem DDGI kamen rund 100 Vertreter aus Kommunen, Unternehmen und Forschung zusammen. Elf Pitches und vier Thementische boten spannende Einblicke in Projekte anderer Städte, aktuelle Lösungen von Anbietern und die Herausforderungen, vor denen Kommunen bei der Einführung digitaler Zwillinge stehen. Für uns war die Veranstaltung zugleich eine gute Gelegenheit, unser Netzwerk in der deutschen Digital-Twin-Community zu erweitern und die Erkenntnisse aus unseren Reallaboren in Bad Berleburg und Hagen mit den Erfahrungen anderer abzugleichen. Zwei Beobachtungen haben wir mitgenommen:
- Der digitale Zwilling wird zur Arbeitsweise. Über 3D-Modelle und technische Details wurde kaum noch gesprochen. Im Mittelpunkt stand, wie Kommunen mit gemeinsamen Daten über Ämter- und Fachgrenzen hinweg zusammenarbeiten und Entscheidungen besser begründen können. Sobald Datenquellen zusammengeführt werden, entstehen jedoch neue Aufgaben: Wem gehören die Daten, wer pflegt sie, und wer ist verantwortlich, wenn sich Daten aus verschiedenen Fachbereichen widersprechen? Diese Fragen der Data Governance begegnen uns auch in unseren Reallaboren immer wieder, oft früher als die technischen.
- Die Nutzer sind Raumplaner. Neue Datenquellen wie Satellitenbilder oder Mobile Mapping machen digitale Zwillinge immer reichhaltiger. Viele Städte stehen damit vor derselben Frage: Wie werden diese komplexen Geodaten für Menschen nutzbar, die keine Informatiker sind, sondern in der Stadtplanung, im Umweltamt oder in der Grünflächenpflege arbeiten? Genau hier setzt VelocityAdapt an. Mit einem No-Code-Konfigurator und LLM-Unterstützung sollen Fachleute in der Verwaltung eigene Was-wäre-wenn-Szenarien aufbauen können, ohne selbst programmieren zu müssen.
- Überzeugen über konkrete Anlässe. Auf der Fachebene ist der Nutzen digitaler Zwillinge oft unbestritten, in der Politik braucht es dagegen greifbare Anlässe: Klimaanpassung, Krisenmanagement oder konkrete Probleme vor Ort. Auch in unseren Gesprächen mit Kommunen zeigt sich, wie wichtig die richtige Rahmung eines Projekts für seine Unterstützung ist.
- Offene Standards setzen sich durch. Die vorgestellten Lösungen setzen auf modulare Einstiege und offene OGC-Formate. Für die Architektur unserer Plattform ist das eine wichtige Bestätigung, denn Kommunen sollen nicht an einen einzelnen Hersteller gebunden sein.
Beide Termine haben uns in unserem Ansatz bestärkt und liefern konkrete Anregungen für die nächsten Entwicklungsschritte im Projekt.
Wie geht es weiter? Am 23. September ist unser Konsortium mit einem Beitrag auf der Geography Connect Convention (GCC) vertreten; im Dezember folgt die nächste Online-EXPO von Urban Digital zum Thema KI. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch und berichten, sobald erste Ergebnisse aus der Erprobung in Hagen und Bad Berleburg vorliegen.
VelocityAdapt verbindet urbane digitale Zwillinge, End-User Development und Extended Reality für die kommunale Klimafolgenanpassung. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.