..
Suche

Personensuche
Veranstaltungssuche
Katalog der UB Siegen

Rückblick: Sommerschule Transnational Graphic Narratives

 

Wenn man Anfang August 2017 eine stattliche Gruppe junger Menschen täglich diskutieren und mit Bildern hantieren sah im Campus Unteres Schloss der Universität Siegen, und wenn sich das um Themen drehte wie etwa die Darstellung eines Genozids im Medium Comic, oder den verbürgten Frust im Alltag politischer Karikaturistinnen, oder die britische Rechtsprechung in Bezug auf Boys-Love-Manga, oder die beste Panelanordnung auf einer A4-Seite – wenn also solche Gespräche verzeichnet werden konnten, dann verkörpert das gar nicht schlecht die internationale Sommerschule Transnational Graphic Narratives.

 

img_tgn_01
Skizze zur bergigen Landschaft Siegens, angefertigt von Fifi Mukuna

 

Am Anfang dieser Verkörperung stand eine Idee, die eher theoretischer Natur war und Natur auf ein Desiderat in der Forschung hinwies: Die Analyse von grafischer Literatur – im Gegensatz zur Literatur- und Filmwissenschaft – immer noch ein recht junges Unterfangen, das weiterhin stark von nationalphilologischen Perspektiven und Debatten geprägt ist (z.B. US-amerikanische Comic Strips und Comic Books, franko-belgische bandes dessinées, japanische Manga usw.). Daraus ergibt sich, dass sich eine transnationale Analyse grafischer Literatur herausbilden und konsolidieren soll. Diese sollte nationalphilologische und auf nationale Bildtraditionen fokussierte Interpretationsansätze zwar nicht überwinden, wohl aber auf ihrer Basis multidimensionale und zunehmend globale Austauschprozesse und -praktiken untersuchen. Mit dieser Prämisse und dank der großzügigen Unterstützung der VolkswagenStiftung war es möglich, zwischen dem 31. Juli und dem 5. August 2017 die internationale Sommerschule Transnational Graphic Narratives auf die Beine zu stellen – als integratives Format, das etablierte Forscher/innen unterschiedlicher Expertisen mit exzellenten Nachwuchswissenschaftler/inne/n in einen Dialog brachte und während einer Woche eine intensive sachbezogene Zusammenarbeit ermöglichten.

Konkret hieß das: 22 Forschende und Comicschaffende von vier verschiedenen Kontinenten trafen sich während einer – auch den Rückmeldungen nach zu urteilen – höchst produktiven und akademisch stimulierenden Woche in Siegen. Die zumeist von außerhalb Deutschlands angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen im regen Austausch, stellten in konzisen Präsentationen ihre Doktorats- oder Postdoc-Projekte vor (und damit deren inhaltliche Ausrichtungen und theoretischen Fundamente zur Debatte), lauschten den Keynote Lectures, diskutierten bei den öffentlichen Podiumsdiskussionen rege mit – und legten nicht zuletzt viel Energie und Fantasie an den Tag, als an zwei aufeinanderfolgenden Nachmittagen die belgo-kongolesische Comickünstlerin Fifi Mukuna erschien und einen Comics-Gestaltungsworkshop leitete.

 

img_tgn_03
Die Gruppe beim Kurzvortrag von Prof. Dolle-Weinkauff

Die Keynote Lecturers nahmen die Zuhörenden mit auf ihre Reflexionen zum Transnationalen im Comic und Cartoon: Zum Transnationalen in der globalen Mangaindustrie (Casey Brienza, London/New York), zu geographisch-imaginierten wie auch medial-physiologischen Perspektiven im Mainstream-Comics (Stephan Packard, Freiburg/Köln), zur metaphorischen Grenzüberschreitung im Paratext (Michael Chaney, Dartmouth College) und auch der Frage, wie australische Comicproduktion Regionen auf der südlichen und der nördlichen Erdhalbkugel in einen Dialog setzt (Astrid Böger). Weitere Gäste waren die Spezialistinnen und Spezialisten Joachim Trinkwitz (Bonn), Christina Meyer (Hannover), Bernd Dolle-Weinkauff (Frankfurt am Main). Letzterer führte die Gruppe bei ihrem Tagesausflug durch die Comicsammlung des Instituts für Jugendbuchforschung. Mit John A. Lent (Philadelphia) und Jared Gardner (Ohio State) konnten zudem zwei wichtige Comicforscher und Herausgeber gewonnen werden, auf digitalem Weg (Emailkonversation; Skype-Interview) mit der Gruppe zu kommunizieren.

Die geplante Mischung aus verschiedenen Unterrichtsformaten (Vorträge, Seminarsitzungen, Projektvorstellungen, Podiumsdiskussionen, Archivbesuch, Gestaltungsworkshop) wurde in der Rückschau in diversen Feedback-Notizen als ein großes Plus bezeichnet. Ganz allgemein war die Verkörperung des Interkulturellen und Transnationalen mehr als ein bloßer thematischer Bogen: Teilnehmende wie Keynotes äußerten ihren Wunsch auf eine Fortsetzung der Gespräche in anderer Form, so dass digitale Dialoge, Publikationszusammenarbeiten und Fortsetzungsprojekte bereits in der Mache sind.

 

img_tgn_02
Foto von Ganiyu Jimoh Jimga