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Katalog der UB Siegen

Themenkomplex Textzusammenfassung

Arten der Textzusammenfassung:

  • Nacherzählung
  • Precis
  • Klappentext
  • Summary
  • Exzerpt
  • Rezension
  • etc.

Jede dieser Formen hat ihre eigene Funktion und/oder bezieht sich auf einen bestimmten Gegenstandsbereich (so nennt man die textnahe Wiedergabe eines fiktionalen Textes "Nacherzählung", der "Klappentext" hat werbende Funktion, das "Exzerpt" gibt nur zielgerichtet ausgewählte Teile wieder, die "Rezension" darf auch werten, der "Precis" reduziert stilistisch nach vorgegebener Norm, ein "Summary" beschreibt das Thema). Der Sammelbegriff "Inhaltsangabe" umfasst alle diese Formen. Ein Gegenstands- und Funktionsbereich ist allerdings noch offen - die möglichst vollständige Wiedergabe des Sachgehaltes eines Textes zum Zwecke der Informationsübermittlung:

die sachgebundene Textzusammenfassung.

Bei dieser Textbearbeitungsform wird der gesamte Sachgehalt eines Textes auf das Wesentliche reduziert und logisch strukturiert. Zweck der sachgebundenen Inhaltsangabe ist die Wissenssicherung, Wissensübertragung und -vermittlung. Angesichts großer Stoffmengen ist die Beherrschung dieser Textbearbeitungsform für das Studium unerlässlich.

Die sachgebundene Textzusammenfassung stellt hohe Anforderungen und birgt einige Schwierigkeiten, weil ihre reine Wissensorientierung keine formale Vorgehensweise erlaubt (z.B. "kürze auf ein Drittel..." etc.).

Wesentlich kürzen für diesen Zweck lässt ein Text sich nur durch Übertragung seines Gehaltes auf ein höheres Abstraktionsniveau, und eine logische Strukturierung setzt voraus, dass Text- und Gegenstandstruktur erkannt sind. So ist die gelungene sachorientierte Inhaltsangabe vom Verfahren und Resultat her dem erfolgreichen Lernprozess ähnlich: Wissen aneignen heißt Stoff gezielt reduzieren und logisch verknüpfen. Die Angemessenheit und Richtigkeit der Inhaltsangabe ist der Maßstab dafür, inwieweit der Text verstanden wurde.

Im Folgenden werden Form und Prinzipien der sachorientierten Inhaltsangabe dargelegt und Texte in Hinblick auf eine Inhaltsangabe klassifiziert. Übungs- und Korrekturhinweise finden Sie am Ende der Erläuterungen.


Gegenstände der Textzusammenfassung

Alle nichtfiktionalen Texte eignen sich als Gegenstand der sachorientierten Inhaltsangabe (=> Fachtexte, => populärwissenschaftliche Artikel, => Kommentare, => Berichte, => Reportagen, => Reden etc.)


Form der Textzusammenfassung

Einleitung:

  • Titel, Autor, Quelle
  • allgemeine Thematik des Textes
  • spezifischer Anlass
  • These (Hypothese bzw. Stellung des Autors zu seinem Thema)
  • Textsorte (z.B. Flugblatt, Kommentar, Fachartikel, populärwissenschaftlicher Artikel, Satire etc.)

Hauptteil:

  • Argumentation, Definition, Ableitung, Gedankenführung
  • referierte Thesen, referierte Argumentation

Schluss:

  • Schlussfolgerungen (Appell, Resümee, Forderung, Denkanstoß etc.)

Beispiel für die Einleitung einer sachorientierten Inhaltsangabe:

Der Kommentar (Textsorte) mit dem Titel (vollständige Schreibweise) "Ab durch die Mitte" (Titelzitat) erschien am 16.05.2005 in der Tageszeitung "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Quelle). Horst Friedrich (Autor) nimmt darin anlässlich der jüngsten Massenkarambolage auf der A 6 (Anlass) Stellung (Haltung des Autors) zu den Vorschlägen des Verkehrsministers, die Geschwindigkeit auf Autobahnen auf 100 km/h zu begrenzen (allgemeines Thema).


Prinzipien der Textzusammenfassung

1. Freihalten von eigener Wertung

Zweck:

Gewährleistung der Informationsfunktion durch Neutralität und Objektivität

Mittel:

  1. die indirekte Rede
    • Einleitungsverben

      Die Einleitungsverben erfüllen drei Funktionen: Sie signalisieren die Neutralität, bereiten den Leser auf den Inhalt des abhängigen Satzes vor (also nicht ,,Der Autor sagt,...", sondern ,,er argumentiert", ,,er fordert", ,,er referiert", ,,er kritisiert", ,,er resümiert" usw.) und sie sind Bestandteil der logischen Strukturierung (,,er schlussfolgert", ,,er leitet ab" usw.)

    • Konjunktiv I der indirekten Rede (ggfs. Konjunktiv II in der Ersatzfunktion)

      Eindeutige Tatsachenaussagen müssen keinem Aussagesubjekt zugeordnet werden, der Konjunktiv kann entfallen (z.B. Die Bundeskanzlerin sagt, am 24.12. ist (nicht "sei") Heiligabend. Allerdings muss es dann fortfahrend heißen: Dies freue sie sehr, da dies die subjektive Wertung der Kanzlerin ist.

  2. das Zitat

    Zitate sollten sparsam verwendet werden in der Textzusammenfassung, denn in der Regel lässt sich in indirekter Rede der Gedankengang eines Textes sehr viel kürzer darstellen als in Zitaten und Zitatmontagen. Definitionen, prägnante Formulierungen und eventuell kennzeichnende Stilelemente sollten zitiert werden.

2. Adäquate Länge

Zweck:

funktionale Informationsvermittlung

prinzipielles Kürzungskriterium:

die Sachgehaltsdichte des Textes

Folgendes Beispiel soll das Prinzip verdeutlichen:

Textzusammenfassung eines Lexikonartikels

Da das Anforderungsprofil der Textzusammenfassung die Sachgehaltsdichte des Textes als Maßstab der Reduktionsmöglichkeit vorsieht, erscheint eine Zusammenfassung eines Lexikonartikels deshalb nicht sinnvoll, weil dieser sich durch eine nahezu "hundertprozentige" Sachgehaltsdichte auszeichnet, eine Reduktion also nur unter Verlust von wesentlichem Sachgehalt erreicht werden könnte, was wiederum dem Prinzip der möglichst vollständigen Wiedergabe des Sachgehaltes widerspricht.

Eine optimale Kürzung unter Erhaltung des Sachgehaltes gelingt nur durch die Wiedergabe des Inhaltes auf einem deutlich abstrakteren Niveau.

3. Logische Strukturierung

Die Textzusammenfassung strukturiert sich allein nach der Logik des dargestellten Gegenstandes bzw. des dargestellten Sachverhaltes, während die Struktur des Originaltextes je eigenen Textsortenkonventionen und Leseerwartungen folgt (den Leser motivierende Einleitung, Erzeugung von Spannungsbögen, didaktische Redundanzen, Beispiele und Bebilderungen etc.).


Textsystematik nach Sachgehaltsdichte/Kürzungspotentiale

Die nachfolgende Systematisierung folgt einem abnehmenden Grad an Sachgehaltsdichte, d.h., die Textzusammenfassungen werden proportional immer kürzer.

  1. darstellend/beschreibend
    (Textsorten: Lexikonartikel, Protokoll, Bericht, Sach- und Fachartikel etc.)

    Rein darstellend-beschreibende Textsorten besitzen in der Regel wenig Kürzungspotential.
    Ähnlich wie die Inhaltsangabe selbst sollen sie kurz und knapp informieren.

  2. darstellend/veranschaulichend
    (Textsorten: vom Lehrbuch bis zum populärwissenschaftlichen Text)

    Diese Textsorten zeichnen sich durch ein variables Maß an didaktischer Redundanz und begrifflicher wie beispielorientierter Anschaulichkeit aus. Die Inhaltsangabe unterscheidet sich genau hierin von diesen Textsorten: Sie berücksichtigt keine anderen Wissensvermittlungsmethoden als Kürze und Logik.

  3. darstellend/wirkungsorientiert
    (Textsorten: von Kommentar bis Werbung)

    Diese Textsorten zeichnen sich durch ein variables Verhältnis von Sach- und Wirkungsgehalt aus. Der Wirkungsgehalt, mit dem der Autor über die reine Informationsvermittlung hinaus bei seinem Adressaten eine Handlung oder Haltung erreichen will, ist nicht Gegenstand der sachorientierten Inhaltsangabe.


Sachtextsystematik nach Strukturmerkmalen

Die nachfolgende Systematisierung versucht, die strukturellen Eigenarten von Texten durch strukturierende Begriffe abzubilden. Im Prinzip ist die logische Struktur eines Textes nur aus ihm heraus zu gewinnen. Eine festgelegte Anzahl von möglichen Strukturierungen von Texten gibt es nicht, allerdings gibt es immer wiederkehrende Strukturstereotypen.

1) primär sachlogisch-aufklärend strukturiert:

Die strukturierenden Begriffe dieser darstellenden Textformen lauten

  1. wenn der Text thetisch/antithetisch-argumentativ aufgebaut ist:
    • These (Antithese), Hypothese
    • Argument (Gegenargument), Beweis, Indiz
    • Schlussfolgerung, Konsequenz
    (z.B.: Der Autor vertritt die These..., stützt sie mit folgenden Argumenten...und....schlussfolgert...)
  2. wenn der Text von einem Phänomen/Ereignis ausgeht:
    • Phänomen
    • Grund, Ursache
    • Folge
    (z.B.: Ausgehend von..., benennt bzw. referiert der Autor Gründe...und sieht voraus...)
  3. wenn der Text begriffsbildend/definitorisch ist:
    • Gegenstand/Sachverhalt
    • Definition
    • Vertiefung, Umschreibung, Bebilderung
    (z.B.: Die produktionssteigernde Folge von Entlassungen nennt man ,,Entlassungsproduktivität". Diese Formulierung beschreibt den Sachverhalt, der sich daraus ergibt, dass die verbleibende Belegschaft, aus welchen Motiven auch immer, ebenso viele Produkte oder gar mehr produziert und somit produktiver ist als die ehemalig zahlenstärkere.)
  4. wenn der Text modellorientiert ist
    • Grundlage des Modells/Realität
    • Modellart (z.B. Simulation)
    • Erkenntnisgewinn
    (z.B.: Die Folge der Erderwärmung...,mit Hilfe der Simulation..., ...Wüstenwanderung)

2) primär wirkungslogisch strukturiert:

Die strukturierenden Begriffe dieser appellativen Textformen

  1. agitatorische (Rede/Flugblatt)
  2. wertende (Kommentar)
  3. moralische (Traktat)
  • Haltung des Autors zum Gegenstand/Sachverhalt (Wertung/Bewertung)
  • Argument (nicht Wirkungsmittel)
  • Handlungsaufforderung (explizit oder implizit)
    (z.B.: Der Autor lehnt...ab, begründet dies mit...und fordert auf...)

3) primär ästhetisch strukturiert:

Diese Texte enthalten zwar auch einen Sachgehalt, gehören auch zu den nicht-fiktionalen Textsorten, aber dieser Sachgehalt ist in der Regel nicht strukturbestimmend. Deshalb spielen strukturierende Begriffe eine untergeordnete Rolle für diese häufig expressiven (Bühler) Textformen:

  1. narrativ (Reportage)
  2. essayistisch (Impressionen)
  3. ironisch (Satire)

Die sachorientierte Inhaltsangabe ist möglich, greift aber natürlich angesichts der wichtigen Rolle der Form und Formulierung bei diesen Textsorten zu kurz. Sie strukturiert sich am adäquatesten nicht nach logischen Strukturbegriffen sondern entlang der ästhetisch begründeten Struktur des Originals. Sie kommt somit der Nacherzählung nah, sollte aber deren Textnähe meiden.


Vom Lesen über das Konzipieren zum Schreiben

1. Leseverstehen

  • Schlüsselwortbestimmung
  • Fremdwortklärung
  • Klärung inhaltlicher Fragen
  • Strukturbestimmung
  • Textsortenbestimmung (z.B. nach dem => Bühlerschen Organonmodell)

2. Schreibschritte

  1. Strukturierung
    Erstellung einer expliziten Stichwortstruktur des Textes mithilfe logischer Kategorien wie These, Argumentation, Indiz oder Phänomen, Ursache, Folge etc.. Diese Strukturierung emanzipiert sich von der Originalstruktur des Textes.
  2. Reduktion
    Reduktion auf das Wesentliche nach Maßgabe der Kürzungspotentiale
  3. Abstraktion
    Formulierung der abstrakten Aussagen, Entfernung vom Wortlaut des Textes hin zu seinem Gehalt
  4. Überarbeitung                                                                                                                                                                    Allen wissenschaftlichen bzw. im Rahmen des Studiums entstehenden Texten ist es wesenseigen, dass sie das Resultat permanenter Überarbeitungs- und Optimierungsprozesse sind.