Menschenrechtspreis für Siegener Demenzbeiräte
Bei der Preisverleihung in München (v.l.n.r.): Prof. Dr. Christoph Ellßel (Kath. Stiftungshochschule München), Prof. Dr. Constanze Giese (Kath. Stiftungshochschule München), Prof. Dr. Andreas Frewer (FAU Erlangen-Nürnberg), Celina Sander ( Universität Siegen), Dr. Caroline Emmer De Albuquerque Green (Universität Oxford und Mitglied der Josef und Luise Kraft-Stiftung), Dr. Harald Mosler (Vorstand der Josef und Luise Kraft-Stiftung).
Forschung soll nicht nur ÜBER Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sprechen, sondern gemeinsam MIT ihnen gestaltet werden. Das ist der Leitgedanke der Demenzforschung an der Professur für Psychologische Alternsforschung der Universität Siegen. Zusammen mit der Alzheimer Gesellschaft Siegen-Wittgenstein haben die Wissenschaftler*innen zwei Demenzbeiräte ins Leben gerufen: Sie bieten Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Sichtweisen aktiv in die Forschung und die Versorgung einzubringen. Für ihre Arbeit mit den Demenzbeiräten wurden Celina Sander, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Psychologischen Alternsforschung und Stefanie Kremer von der Alzheimer Gesellschaft Siegen-Wittgenstein jetzt ausgezeichnet: Die Josef und Luise Kraft-Stiftung hat ihnen den „Förderpreis für Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere“ verliehen. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wurde im Rahmen eines Festaktes in München übergeben.
„Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Perspektive von Menschen mit Demenz und denjenigen, die sie begleiten, nicht nur in unsere Forschungsarbeit einzubeziehen, sondern sie auch im öffentlichen Diskurs zu zeigen. Deshalb freuen wir uns umso mehr über diese Auszeichnung“, sagte Celina Sander, die für die Universität Siegen seit mehreren Jahren monatlich mit den beiden Beiräten zusammenarbeitet. Der Preis gelte stellvertretend allen Mitgliedern der beiden Beiräte.
Entstanden sind der „Beirat Menschen mit Demenz“ und der „Beirat An- und Zugehörige von Menschen mit Demenz“ aus Forschungsprojekten der Universität Siegen. Ziel war es zunächst, zu untersuchen, wie Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an Forschungsvorhaben beteiligt werden können. Außerdem wurde erforscht, wie sich die aktive Teilnahme an Forschungsprojekten auf die Lebenszufriedenheit und die erlebte Selbstwirksamkeit der Menschen auswirkt.
Der so entwickelte, partizipative Ansatz wurde anschließend weitergeführt und als feste Struktur in die Forschungsarbeit der Psychologischen Alternsforschung verankert. Ein Ergebnis der Beiratsarbeit ist unter anderem die jüngst erschienene 3. Neuauflage eines Ratgebers zum Thema „Kommunikation bei Demenz“. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen waren unmittelbar daran beteiligt: Sie brachten zahlreiche Erfahrungen und Empfehlungen aus ihrem eigenen Alltag mit Demenz mit ein. Der Ratgeber kombiniert diese mit aktuellen Forschungsergebnissen und bietet so vielfältige Hintergrundinformationen und Hilfestellungen für Menschen mit Demenz, Angehörige und Pflegepersonen rund um das Thema Kommunikation.
„Indem Menschen mit Demenz als aktive Mitgestaltende von Forschung und Versorgung verstanden werden, leisten die Demenzbeiräte einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Menschenrechte und stärken das Recht auf Teilhabe und Selbstbestimmung“, sagt Celina Sander. Forschungsfragen und Versorgungsangebote könnten so stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Zielgruppe ausgerichtet werden.
Die Josef und Luise Kraft-Stiftung engagiert sich für die Förderung der Menschenrechte, der Teilhabe und der Lebensqualität älterer Menschen. Mit ihrem jährlich vergebenen Förderpreis zeichnet sie Personen, Organisationen und Initiativen aus, die sich dafür einsetzen. Die Jury setzt sich aus Vertreter*innen der Stiftung des Deutschen Instituts für Menschenrechte, der Forschungsgruppe „Menschenrechte und Ethik in der Medizin für Ältere“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie der Katholischen Stiftungshochschule München zusammen.