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Aktuelle Information – PCB

Die Universität Siegen informiert über das Thema PCB und die aktuelle Situation an der Hochschule. Sofortmaßnahmen sind eingeleitet, die Uni bietet individuelle Beratung und Betreuung an.

Vor dem Hintergrund erhöhter PCB-Werte in einzelnen Räumen der Campus-Standorte AR und ENC beschäftigt sich die Universität Siegen intensiv mit dem Thema. Zwar besteht aufgrund der aktuellen Messwerte keine akute Gesundheitsgefahr – dennoch nimmt die Universität die Sorgen ernst und handelt mit Sofortmaßnahmen, um Studierende und MitarbeiterInnen bestmöglich zu schützen und zu informieren.

PCB steht als Abkürzung für „Polychlorierte Biphenyle“, eine große Gruppe (die 209 unterschiedlichen Substanzen werden als „Kongenere“ bezeichnet) schwer abbaubarer, mehrfach chlorierter aromatischer Verbindungen. Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften wie hoher Hitze- und Chemikalienbeständigkeit, niedrigen Dampfdrucks, schwerer Entflammbarkeit und geringer elektrischer Leitfähigkeit fanden sie in der Vergangenheit in sehr großer Menge vielfältige technische Anwendungen. In den Gründungsjahren der Universität Siegen gehörte die Verwendung von PCBs zum bautechnischen Standard, es weisen daher noch heute mehrere Gebäudeteile erhöhte PCB-Werte auf. In Bezug auf PCB sind bei langzeitiger Aufnahme hoher Konzentrationen gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen. Die Verantwortung für die Beseitigung liegt beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW als Eigentümer der Gebäude und der Universität Siegen als Arbeitgeberin. Die Universität unternimmt große Anstrengungen, um die Belastung für Studierende und MitarbeiterInnen so gering wie möglich zu halten. Gemeinsam mit dem BLB wurden und werden Maßnahmen für eine Senkung der PCB-Raumluftbelastung erarbeitet und umgesetzt.

Richtwerte für PCB in der Raumluft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Thema wissenschaftlich aufgearbeitet und eine maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK) für den beruflichen Umgang mit PCBs festgelegt. Danach darf die Summe der Indikator-PCBs 3.000 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft (ng/m³) im Jahresmittel nicht überschreiten. Dieser Luftgrenzwert, der dem Interventionswert der PCB-Richtlinie NRW entspricht, bedeutet: Wenn ein gesunder Erwachsener acht Stunden pro Tag 40 Jahre lang bei einer Konzentration von maximal 3.000 ng/m³ arbeitet, ist NICHT damit zu rechnen, dass er krank wird.

Situation an der Universität Siegen

An der Universität Siegen wurde in den Gebäudeteilen AR-A bis AR-E sowie im Gebäudeteil AR-SK auf dem Adolf-Reichwein-Campus eine erhöhte PCB-Raumluftbelastung festgestellt. Betroffen ist außerdem der Gebäudeteil D auf dem Emmy-Noether-Campus. Der Interventionswert von 3.000 ng/m³ wurde bisher in einem Büroraum im Gebäudeteil AR-A sowie in einem Büroraum und einem Archivraum in Gebäudeteil AR-B überschritten. Die beiden betroffenen Büroräume wurden unmittelbar nach Bekanntwerden der Werte aus der Nutzung genommen, für die MitarbeiterInnen wurden Ersatzlösungen gefunden. Für die weiteren Gebäudeteile stehen die Ergebnisse der aktuellen raumweisen Messungen derzeit noch aus.
In allen übrigen Gebäudeteilen liegen die 2017 durchgeführten repräsentativen Messungen deutlich unter 3.000 ng/m³. Der höchste 2017 gemessene Wert lag bei 1.800 ng/m³.

Von einer akuten Gesundheitsgefahr für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist daher laut der PCB-Richtlinie NRW und den durch die DFG erarbeiteten Grenzwerten derzeit NICHT auszugehen. Prof. Dr. med. Thomas Kraus, Leiter des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH Aachen, das die Biomonitoring-Untersuchungen im Auftrag der Universität Siegen durchführt, erklärt: „Es handelt sich an der Universität Siegen um vergleichsweise sehr geringe Belastungen.“

Historie

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) hat sich nach der Übernahme der Liegenschaften des Landes NRW im Jahr 2001 der Schadstoffproblematik in den Gebäuden angenommen. In den Jahren 2003 und 2004 wurden dazu Umweltanalysen erstellt, dies erfolgte auch für 13 Gebäude der Universität Siegen. Basierend auf den Analysen wurden zwischen 2005 und 2007 Universitätsgebäude gezielt auf Schadstoffe untersucht. Im Jahr 2008 erfolgten in zwölf Gebäuden mit Verdacht auf eine PCB-Raumluftbelastung weiterführende Raumluftmessungen, wie es in der PCB-Richtlinie NRW vorgesehen ist.

Diese Richtlinie beinhaltet Richtwerte für PCB in der Raumluft und bietet eine Orientierung, wann und wie schnell gegebenenfalls saniert werden sollte. Auch die Richtlinie legt einen Interventionswert von 3.000 ng/m³ fest. Wird dieser Wert im Jahresmittel bei einer täglichen Aufenthaltsdauer von 24 Stunden überschritten, kann eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden. Es sind Sofortmaßnahmen notwendig, um den PCB-Wert zu senken. In einem Konzentrationsbereich zwischen 300 und 3.000 ng/m³ muss die PCB-Quelle unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig beseitigt werden. Werte unterhalb von 300 ng/m³ gelten als langfristig tolerabel. Die aufgeführten Konzentrationsbereiche basieren auf der Bewertung der PCB-Aufnahme des Körpers während einer Aufenthaltsdauer von 24 Stunden in den betroffenen Räumen.

Bis 2011 führte der BLB in folgenden Gebäudeteilen PCB-Sanierungen durch: AR-A, AR-B bis AR-E, AR-S, AR-SK sowie PB-B und PB-C. Im Jahr 2012 erfolgten in diesen Gebäudeteilen Freimessungen. Diese Messungen ergaben, dass die Gebäude uneingeschränkt nutzbar waren.

Bei einer regelmäßigen Kontrollmessung im Jahr 2015 konnte dieses positive Ergebnis leider nicht bestätigt werden. In einzelnen Räumen wurden wider Erwarten erhöhte Werte festgestellt. Probesanierungen in zwei Räumen ergaben, dass man sehr tief in die Bausubstanz eingreifen muss, um die PCB-Quellen nachhaltig zu entfernen.

Im Erdgeschoss des Gebäudeteils B findet aktuell eine PCB-Sanierung statt, die Biologie wurde dazu interimsweise im Gebäudeteil AR-SK untergebracht. Maßnahmen in den übrigen Gebäudeteilen erfolgen in Abstimmung mit dem baulichen Masterplan der Universität. Da durch Sofortmaßnahmen wie die Reinigung und Lüftung betroffener Räume in kurzer Zeit eine erhebliche Reduzierung der PCB-Belastung erreicht werden kann, werden aktuell in verschiedenen Räumen Einzellüftungsanlagen eingebaut (siehe auch „Maßnahmen zur Senkung der PCB-Werte“).

Sofortmaßnahmen und Angebote

Obwohl nach derzeitigem Kenntnis- und Sachstand keine akute Gesundheitsgefährdung besteht, nimmt die Universität Siegen die Sorgen ihrer Studierenden und MitarbeiterInnen sehr ernst. Die Verwaltung ergreift daher eine Reihe von zusätzlichen Sofortmaßnahmen, um die Situation kurzfristig zu verbessern und bietet Studierenden und MitarbeiterInnen verstärkt eine individuelle Beratung und Betreuung an.

1)    Kontinuierliche Messungen und Transparenz

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) führt seit Bekanntwerden des Themas regelmäßige Messungen gemäß der PCB-Richtlinie NRW durch. Die bisher ermittelten Messwerte können online über das PCB-Informationsportal von allen Interessierten eingesehen werden. Um ein vollständiges und jederzeit aktuelles Bild der PCB-Belastung in den betroffenen Gebäudeteilen zu erhalten, wurden zusätzliche, flächendeckende Messungen in Auftrag gegeben. Auch in Zukunft werden regelmäßige Messungen veranlasst. Sämtliche Ergebnisse werden transparent im PCB-Informationsportal veröffentlicht.

2)    Maßnahmen zur Senkung der PCB-Werte

Die PCB-belasteten Bereiche werden durch die Universität regelmäßig gereinigt, um zu verhindern, dass sich PCB-haltige Stäube längerfristig ablagern. Zusätzliche Sonderreinigungen werden in den vorlesungsfreien Zeiten durchgeführt. Darüber hinaus hat sich regelmäßiges Lüften als sehr wirkungsvoll erwiesen, um die PCB-Konzentration zu senken. Der BLB lässt derzeit in einigen Räumen Einzellüftungsanlagen einbauen, um einen kontinuierlichen Luftaustausch und damit eine Senkung der Werte zu erreichen. Ist diese Maßnahme erfolgreich, sollen bis Ende 2019 sämtliche betroffenen Räume entsprechend ausgerüstet werden.

3)    Individuelle Beratung/ Biomonitoring

Studierende und MitarbeiterInnen, die in den betroffenen Gebäudeteilen lernen und arbeiten, können sich jederzeit durch die Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz beraten lassen. Ansprechpartner ist Abteilungsleiter Ralf Schmelzer. Für medizinische Fragen steht darüber hinaus der Betriebsarzt der Universität Siegen, Dr. Joachim Schauerte zur Verfügung.

Um ihre individuelle Belastungssituation zu bestimmen, wird MitarbeiterInnen in den betroffenen Gebäudeteilen außerdem ein PCB-Biomonitoring angeboten. Dabei wird die Konzentration der Kongenere PCB 28, 52, 101, 138, 153 und 180 im Blutplasma gemessen. Die Universität Siegen hat das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der RWTH Aachen beauftragt, die Untersuchungen durchzuführen. Instituts-Leiter Prof. Dr. med. Thomas Kraus steht MitarbeiterInnen der Universität Siegen auf Anfrage auch als Gesprächspartner zur Verfügung, beispielsweise, um Untersuchungsergebnisse zu interpretieren oder eine zweite Meinung einzuholen.

4)    Besondere Personengruppen

Besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sowie für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Immunsupprimierte. Menschen, die zu diesem Personenkreis gehören und sich regelmäßig und längerfristig in den betroffenen Gebäudeteilen aufhalten, sollten eine Beratung durch die Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz in Anspruch nehmen. Gemeinsam kann dann eine individuelle Lösung entwickelt werden.

5)    Begleitung durch ein Gremium

Ein eigens zu diesem Zweck eingerichtetes Gremium wird die geplanten Maßnahmen langfristig begleiten. In enger Kooperation mit dem BLB, der Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie dem Baudezernat der Universität haben die Mitglieder die Möglichkeit, sich aktiv in das Thema einzubringen. Gleichzeitig soll durch die Beteiligung des Gremiums zusätzliche Transparenz geschaffen werden. Das Gremium soll zwei Mal pro Jahr tagen und den Erfolg der oben aufgeführten Maßnahmen und Angebote evaluieren.

Kontakt
Ralf Schmelzer (Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz)
E-Mail: ralf.schmelzer@zv.uni-siegen.de
Tel.: 0271-740 3311