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„Partizipation als populäres Versprechen“

Spätestens seit den 1960er Jahren, als Performativitätstheorien aus Wissenschaft und Kunst die soziale Ordnung als praktisch veränderbar erscheinen ließen, prägt der Gedanke der Partizipation das politische Denken und die soziale Praxis westlicher Gesellschaften. Partizipation ist zu einem populären Versprechen in der Demokratie geworden, und partizipatorische Elemente – von der Direktwahl von Bürgermeister:innen bis hin zu Bürgerräten auf nationaler Ebene – gelten oft als Mittel gegen sinkendes Engagement und weit verbreitete Unzufriedenheit der Bürger:innen.

Der Campus Unteres Schloss der Universität Siegen

Tagungsbeschreibung

In verschiedenen Institutionen, von der Medizin über Schulen bis hin zu Kirchen, wird erwartet, dass die Beteiligung kompetenter Lai:innen die Leistungsfähigkeit der Institutionen verbessert. Digitale und vernetzte Medien wecken die Hoffnung auf eine aktive Beteiligung der Bürger:innen am öffentlichen Diskurs und an Entscheidungsprozessen. Andererseits hat es sich als schwierig erwiesen, den mit dem Versprechen der Partizipation verbundenen Erwartungen gerecht zu werden und angesichts ungleicher Beteiligungschancen eine effektive Teilhabe zu ermöglichen. Zudem sehen sich Gesellschaften zunehmend mit der Klage konfrontiert, dass Partizipation auch zur Popularität politischer Praktiken und Agenden führen kann, die von (traditionellen) institutionellen Akteuren als herausfordernd, unerwünscht oder gar bedrohlich wahrgenommen werden. Die Tagung thematisiert Partizipation als ein zwar populäres, aber ambivalentes Versprechen mit einem (historischen) Hintergrund in der (populär-)wissenschaftlichen Literatur (z. B. Performativitätstheorien, Demokratietheorien, Wissenschafts- und Technikforschung, Disability Studies usw.). Während der erste Tag historische Perspektiven auf den Diskurs, einschließlich internationaler Vergleiche, in den Mittelpunkt stellt, werden am zweiten Tag Fallstudien zu gegenwärtigen institutionellen Praktiken erörtert.

Podiumsdiskussion
Im Rahmen der Tagung findet am 19. Februar 2026 um 18:00 Uhr in Kooperation mit „Forum Siegen“ die öffentliche Podiumsdiskussion „Reden, Entscheiden, Mitbestimmen: Wann hält Bürgerbeteiligung, was sie verspricht?“ statt. Auf dem Podium nehmen teil: Prof. Dr. Sigrid Baringhorst (Universität Siegen), Prof. Dr. Chantal Munsch (Universität Siegen), Prof. Dr. Fran Osrečki (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin) und Hennig Witzel (Netzwerk Junge Bürgermeister*innen e.V.). Moderiert wird die Diskussion von Prof. Dr. Maren Lehmann (SFB 1472).

Workshop/Gallery Walk
Am 20. Februar 2026 werden die zentralen Themen der Tagung in einem interaktiven Gallery Walk weiter bearbeitet. Dieser wird organisiert von Prof. Dr. Anna-Rebecca Hoffmann und Prof. Dr. Alexander Wohnig (Universität Siegen). Er bietet interaktive und verschiedene medial vermittelte Einblicke in das Living Archive-Projekt Your Most Popular und reflektiert es auf seine partizipative Dimension hin. Zudem wird ein Gespräch mit Teilnehmenden am Projekt (Lehrer:innen, Schüler:innen und Studierende) stattinden (https://sfb1472.uni-siegen.de/forschung/oeffentlichkeitsarbeit-und-administration/wissenschaftskommunikation).

Die Vorträge zur Tagung können auf Deutsch oder Englisch gehalten werden, die Diskussionen sind zweisprachig. Die Podiumsdiskussion und der Workshop/Gallery Walk finden ausschließlich auf Deutsch statt.

Nähere Informationen zur Tagung finden Sie unter:
https://sfb1472.uni-siegen.de/veranstaltungen/participation-as-a-popular-promise

Alles auf einen Blick

  • Veranstaltungstermin
    19.02.2026 - 20.02.2026
  • Veranstaltungsort

    Seminarzentrum US-S 002
    Obergraben 25
    57072 Siegen

  • Veranstaltungsformat
    Tagung