Testimonial Katharina Albrecht
Mitarbeiterin des ATHENA-Teams (Deutschland)
Aufenthaltszeitraum: 24. März – 27. März 2026
Meine erste Staff Week unter dem Motto „Enhancing Student Experience through Support Services“ an der Universität Orléans war geprägt von zahlreichen Highlights. Das Programm war nicht nur kulturell äußerst spannend, sondern bot auch wertvolle Einblicke hinter die Kulissen verschiedener Support Services der Universität sowie einen intensiven und bereichernden Austausch zwischen den Teilnehmenden.
Der erste Tag begann mit einer offiziellen Begrüßung durch den Präsidenten der Universität sowie der Vorstellung der Leiter:innen der Einrichtungen für den Studierendensupport. Neben einer Präsentation zur Universität und zur Geschichte von Orléans erhielten wir eine Campusführung, bei der wir unter anderem die Sporteinrichtungen, Bibliotheken und das Kulturzentrum besichtigen konnten. Am Nachmittag fand das erste Job-Shadowing statt. Bereits im Vorfeld konnten wir uns für zwei Einrichtungen entscheiden – meine Wahl fiel auf den Health Service und den Career Support.
Im Health Service wurden wir herzlich empfangen. Die Mitarbeitenden hatten ein kleines Quiz sowie eine Präsentation vorbereitet. Vor Ort arbeitet ein multidisziplinäres Team bestehend aus vier Krankenschwestern, fünf Psycholog:innen, drei Sozialarbeiter:innen sowie drei Ärzt:innen, die Studierende bei unterschiedlichsten Anliegen unterstützen. Darüber hinaus organisiert der Health Service regelmäßig Veranstaltungen wie den „Health Day“ oder Informationskampagnen zum Thema Impfungen. Ergänzend können auch zwei Hebammen, ein Zahnarzt, ein Ernährungsberater sowie ein Beauty-Therapeut in regelmäßigen Abständen konsultiert werden. Ziel dieses breit aufgestellten Angebots ist es, das Wohlbefinden der Studierenden auf unterschiedlichen Ebenen zu fördern.
Der Tag endete mit einem Empfang durch den Bürgermeister im Groslot-Hotel, einem historischen Kulturdenkmal, das als repräsentativer Ort für standesamtliche Trauungen und Empfänge der Stadt genutzt wird, sowie einem gemeinsamen Abendessen.
Am folgenden Tag präsentierten alle Teilnehmenden die Supportstrukturen ihrer jeweiligen Heimathochschulen. Dabei wurden sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede deutlich. Neben meiner Präsentation zur Universität Siegen wurden unter anderem Hochschulen aus Polen, Maribor, Tschechien, Rumänien und der Ukraine vorgestellt.
Am Nachmittag stand ein kulturelles Programm auf dem Plan, darunter der Besuch des Château de Cheverny. In der Region rund um Orléans befinden sich zahlreiche Schlösser – dieses ist unter anderem dafür bekannt, dass es als Inspiration für Schauplätze in „Tim und Struppi“ diente. Heute wird das Schloss vor allem touristisch genutzt, wobei ein Teil weiterhin von den Eigentümern bewohnt wird. Ein interessanter historischer Aspekt ist, dass das Château de Cheverny während des Zweiten Weltkriegs als Versteck für Kunstschätze aus dem Louvre diente, darunter angeblich auch die Mona Lisa. Zudem leben etwa 100 Jagdhunde auf dem Schlossgelände.
Am dritten Tag stellte sich die Einrichtung „CROUS“ vor, die in etwa mit dem deutschen Studierendenwerk vergleichbar ist. Thematisiert wurden unter anderem die Vergabe von Stipendien, das Mensaangebot sowie die Wohnsituation in Orléans. Besonders interessant war, dass Studierende mit Stipendium Mahlzeiten für nur einen Euro erhalten können. Im Gegensatz zum BAföG in Deutschland müssen diese finanziellen Unterstützungen in Frankreich nicht zurückgezahlt werden. Im Anschluss nahmen wir an einer Yoga-Session teil, die ebenfalls zum universitären Angebot gehört und von den Studierenden gut angenommen wird.
Am Nachmittag folgte die zweite Runde des Job-Shadowings im Career Service. Diese Einrichtung unterstützt Studierende nicht nur bei der späteren Berufswahl, sondern begleitet sie während des gesamten Studiums – etwa bei einer möglichen Studienumorientierung, bei der Studienberatung an Schulen oder bei der Information über Studiengänge. Es wurde deutlich, dass viele Studierende zeitweise mit ihrer Studienwahl hadern; hier werden sie auch durch psychologische Beratung unterstützt.
Da ich selbst mit internationalen Studierenden arbeite, war für mich besonders interessant zu erfahren, wie deren Übergang in den Arbeitsmarkt gestaltet wird. Die Universität bietet nur wenige rein englischsprachige Programme an, weshalb die meisten internationalen Studierenden bereits über gute Französischkenntnisse verfügen und somit weniger sprachliche Hürden bei der Jobsuche haben. Dies wurde auch durch ein Gespräch mit einer internationalen Studierendenvertretung aus dem Tschad bestätigt: In vielen afrikanischen Ländern ist Französisch weit verbreitet, was den Einstieg in den französischen Arbeitsmarkt erleichtert. Viele internationale Studierende streben zudem an, nach ihrem Abschluss zunächst Berufserfahrung in Frankreich zu sammeln.
Ebenfalls am Nachmittag besuchten wir das Campus-Radio und dessen Räumlichkeiten. Dort erfuhren wir, dass das Angebot sehr beliebt ist und entsprechend gut ausgestattet wurde. Anschließend besichtigten wir den „Ouaf Campus“. Dieser wurde im Rahmen eines Projekts mit Hunden erstmals an der Universität angeboten. Studierende und Mitarbeitende durften ihre Hunde mitbringen, und über den Tag verteilt fanden verschiedene Aktionen statt.
Darüber hinaus erhielten wir eine Führung durch eine Bibliothek, die neben klassischen Lernmöglichkeiten auch innovative Angebote bereithält, wie etwa einen „Nap Room“ für kurze Ruhepausen, Hängematten oder sogar ein Fahrrad, auf dem man beim Lesen aktiv bleiben kann. Am Abend wurde im Rahmen des Kulturprogramms ein Konzert eines französischen Pop-Musikers angeboten.
Am letzten Tag ließen wir die Woche gemeinsam Revue passieren und tauschten uns über unsere Eindrücke aus. Insgesamt war es eine lehrreiche und interessante Zeit, in der wir hinter viele Kulissen der Universität blicken konnten. An der Universität Orléans wird Studierenden ein vielfältiges Angebot bereitgestellt, auch wenn es mitunter eine Herausforderung darstellt, dieses ausreichend sichtbar zu machen. Der internationale Austausch bietet hierbei großes Potenzial, um voneinander zu lernen und Best Practices zu übernehmen.
Abschließend möchte ich mich herzlich bei den Organisator:innen der Staff Week in Orléans bedanken sowie bei Madeleine Höfer, die mich in Siegen bei der organisatorischen und formalen Abwicklung unterstützt hat.