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Lehr- und Forschungsgebiet 
Entwurfsmethodik und Entwerfen

„Wie findet man also die Lücke, durch die man schlüpfen kann, um sich mit der B-Seite dieser Logiken auseinanderzusetzen?

Auf deren Rückseite, wo nichts neu und nichts richtig ist, gibt es keine dramatischen Manifeste. Aber vielleicht gibt es dort die Möglichkeit sich in einer Geisteshaltung zu üben, die in den Hintergrund gedrängt wurde. Und schon ist man im Stande, die Welt - wie durch halbgeschlossene Augen- mit einer anderen Brennweite zu betrachten. Schon ist man in der Lage ,- anstelle all der Erklärungen, korrekte Antworten, Gegenstände und Bestimmungen (…) in der diese aufgehoben sind und sich im Zeitverlauf verändern, zu erkennen und zu beeinflussen.“

(Keller Easterling , 2017)

 

Das Aufgabenfeld des Lehr - und Forschungsgebietes Entwurfsmethodik und Entwerfen liegt in der Vermittlung von Möglichkeiten des Denkens, denn flexibles experimentelles Denken ist die Voraussetzung einer erforderlichen architektonischen Transformation, aufgrund rapider klimatischer und gesellschaftlicher Veränderungen.

Neue Denkmodelle, Strategien und Methoden werden entwickelt, ohne vorschnell neue Verlässlichkeiten zu etablieren. Ein Schwerpunkt liegt auf einem forschenden, suchenden Entwerfen, das maximale gedankliche Offenheit mit analytischer Stringenz verbindet. Aus dem Wechselspiel von freiem, spekulativem Denken und strenger Methodik entsteht eine vertiefte Auseinandersetzung mit zentralen Fragen der Architektur. Dabei werden Methoden aus Kunst, Musik, Film und Literatur aufgegriffen und für den architektonischen Entwurf nutzbar gemacht.

Ziel ist es, in Diskussionen und Reflexionen eine kritische, non-binäre Basis für einen multiperspektivischen Blick zu schaffen, um Selbstverantwortung als Individuum wie als Teil der Gesellschaft zu stärken. 

Die enge Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Forschenden und anderen Fakultäten ist zentral, um Relevanz und Durchführbarkeit von Entwürfen kontinuierlich zu prüfen und den Erkenntnishorizont zu erweitern.

Team

Prof. Wiebke Schlüter

Architektin Prof. Dipl.-Ing. Wiebke Schlüter

Professorin

ab 1. September 2026

Kontakt

Entwurfsmethodik und Entwerfen

Santiago Ramón y Cajal (1852–1934), Purkinje-Zellen des Kleinhirns, um 1899. Tuschezeichnung nach Silbernitrat-Golgi-Färbung.

Entwerfen ist für uns weder Stilfrage noch bloße Problemlösung. Es ist eine erkenntnisgeleitete Praxis – eine operative Form des Denkens, in der sich Wahrnehmung, Theorie und Konstruktion unauflöslich verschränken. Entwurf ist nicht das Resultat einer Idee, sondern ihr Medium. Er organisiert Wissen räumlich und erzeugt im Prozess neue Einsichten.

Unsere Entwurfsmethodik versteht Architektur als diskursive Disziplin. Form entsteht durch präzise Setzungen innerhalb einer Ordnung. Jede Linie, jede Fügung, jede Proportion ist Entscheidung. Der Entwurf operiert zwischen Analyse und Projektion, Regel und Abweichung. Er ist Verfahren und bewusste Variation. Er ist Arbeit am Widerstand von Ort, Material und Geschichte.

Architektur behauptet ihre Eigenlogik gegenüber Beschleunigung, Bildproduktion und ökonomischer Verkürzung. Ihre Substanz liegt in räumlicher und konstruktiver Ordnung als Träger kultureller Bedeutung.

Jede architektonische Arbeit gründet in einer strukturellen Ordnung – wirksam als Maßsystem, Proportion, Typologie und tektonische Logik. Entwerfen heißt, diese Ordnung freizulegen und in ein konsistentes räumliches Gefüge zu überführen. Intensität entsteht dort, wo sich Konstruktion und Gedanke gegenseitig durchdringen.

Methodisch operieren wir mit Reduktion, Skalierung, Serialität, Faltung und Montage als Instrumenten der Erkenntnis. Sie präzisieren Ordnung, verschieben Maßstäbe, strukturieren Wiederholung, transformieren Fläche in Raum und fügen heterogene Elemente zu kohärenten Gefügen. So schärfen sie den Blick für Relationen zwischen Teil und Ganzem, Detail und Stadt, Figur und Feld.

Im Atelier fungieren Zeichnung, Modell und Schriftstück als klassische Medien des Entwurfs. Ergänzt durch Bezüge aus Kunst, Film und Philosophie entfaltet sich Architektur im Austausch mit kulturellen Diskursen. Darstellung ist kein Abbild, sondern Argument; jede Zeichnung formuliert eine These, jedes Modell eine räumliche Position.

Entwurf ist kulturelle Praxis mit gesellschaftlicher Wirkung. Architektur ordnet Wahrnehmung, Bewegung und Begegnung und formt die Bedingungen des Zusammenlebens. Präzision ist daher keine ästhetische Entscheidung, sondern eine Form der Verantwortung.

Das Atelier Dilan Vural steht für strukturelle Klarheit, disziplinierte Offenheit und gedankliche Dichte.
Entwerfen heißt: eine Form zu entwickeln, die trägt.

Team WiSe 25/26 - SoSe 2026

Vertr.-Prof. Dilan Vural

Vertretungs- und Gastprofessor*in

01.10.2025 - 31.08.2026

Kontakt

Dilan.Vural@uni-siegen.de

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Fakultät II
Department Architektur
Lehrgebiet Entwurfsmethodik und Entwerfen
Paul-Bonatz-Str. 9-11
57068 Siegen

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