Digitaler Kolonialismus: Ökonomische und ökologische Implikationen der Tech- Konzerne
Forschungsprojekt
Die globale Digitalisierung wird in öffentlichen Diskursen oft einseitig als technologischer Fortschritt verstanden. Das vorliegende Projekt bricht mit dieser Perspektive und beleuchtet die ökonomischen sowie ökologischen Auswirkungen der digitalen Ökonomie auf den Globalen Süden und den Globalen Norden aus dem Blickwinkel historischer Kontinuitäten. Im Zentrum der Untersuchung steht das Konzept des „Digitalen Kolonialismus“. Anknüpfend an das gleichnamige Sachbuch (Dachwitz & Hilbig, 2025). Das Vorhaben geht der Frage nach, inwiefern die Geschäftsmodelle und Lieferketten globaler Tech-Konzerne koloniale Ausbeutungsmuster reproduzieren, neue digitale Abhängigkeiten schaffen und bestehende globale Ungleichheiten verschärfen. Dabei fokussiert sich die Arbeit auf drei zentrale und gesellschaftspolitisch hochrelevante Problemfelder. Die oft prekären Arbeitsbedingungen in der Tech-Branche wie sogenannte „Geisterarbeit“ und Content-Moderation, die fortschreitende Ressourcenausbeutung durch den Abbau der für die physische Infrastruktur der Digitalisierung notwendigen natürlichen Ressourcen einschließlich der damit verbundenen Auswirkungen auf die Ökosphäre und den anthropogenen Klimawandel sowie die aus der Digitalisierung erwachsenen globalen Macht- und Wissensasymetiren. Neben der theoretischen Einordnung verfolgt das Projekt das Ziel, konkrete Handlungsmöglichkeiten auf individueller und gesellschaftlicher Ebene aufzuzeigen, um eine gerechte globale Transformation im Sinne einer Just Transition entschieden voranzutreiben.
Um diese komplexen Zusammenhänge aufzuarbeiten und in die Bildungspraxis zu übersetzen, nutzt das Projekt ein partizipatives, zweiphasiges Bildungs- und Vermittlungskonzept. In der ersten Projektphase erarbeitet eine innere Zielgruppe von rund 15 Teilnehmenden unter Einbindung externer Expert:innen didaktische Konzepte für drei interaktive Workshops zu den Kernbereichen des Themenfeldes digitaler Kolonialismus. In der anschließenden zweiten Phase werden bundesweit rund 30 Workshops in Präsenz und als Online-Formate angeboten, die inhaltlich auf Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Bildungsarbeit und sozialen Bewegungen zugeschnitten sind. Über die gesamte Projektlaufzeit hinweg wird zudem der Aufbau einer aktiven Community vorangetrieben, die zum Fortbestand des Erlernten über die Laufzeit hinaus beiträgt. Das Projekt mündet schließlich im August 2027 in eine digitale Abschlussveranstaltung zur langfristigen Vernetzung sowie in die anschließende Veröffentlichung der erarbeiteten Leitfäden und Workshopkonzepte, um die Materialien auch über das Projekt hinaus öffentlich zugänglich zu machen.
Alles auf einen Blick