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Prof. Dr. Bernd Dollinger

Bernd Dollinger erforscht die Theorie und Geschichte der Sozialpädagogik und widmet sich dabei zentralen Themen wie Jugendkriminalität, Professionalisierung sowie dem Verhältnis von Sozialpädagogik und Sozialpolitik. Seine Forschung führte ihn unter anderem an die Universitäten Augsburg und Bamberg sowie als Professor an die Pädagogische Hochschule Freiburg. Seit 2010 ist er Professor im Department Erziehungswissenschaft-Psychologie an der Universität Siegen. Mit seiner Forschung verbindet er historische Entwicklungen mit drängenden sozialen Fragen und eröffnet so neue Perspektiven auf abweichendes Verhalten und gesellschaftliche Integration.

Woran forschen Sie aktuell? Und warum ist das Thema wichtig? 
Ein aktuelles Projekt befasst sich mit Fallkonferenzen nach dem Jugendstrafrecht. Hier kommen Sozialpädagogik, Polizei, Staatsanwaltschaft und weitere zusammen, um über Maßnahmen zu beraten. Besonders spannend ist die Frage, wie man sich trotz der Unterschiede einigen kann. Es sind vielschichtige Aushandlungen nötig, um eine Einigung zu realisieren – und nicht zuletzt sind auch die jungen Menschen bzw. ihre Sorgeberechtigten oftmals beteiligt.

 

Zitat: »Wer ist berechtigt, jemandem ein bestimmtes Problem zuzuschreiben und darüber zu bestimmen, wie mit ihm umzugehen ist. Menschen haben unterschiedlichste Sorgen und Nöte. Aber nur bestimmte werden zu Problemen, die institutionell bearbeitet werden.« Prof. Dr. Bernd Dollinger

Welche Frage treibt Sie in Ihrer Forschung schon lange um?
Was mich besonders interessiert, ist die Frage: Wer ist berechtigt, jemandem ein bestimmtes Problem zuzuschreiben und darüber zu bestimmen, wie mit ihm umzugehen ist. Menschen haben unterschiedlichste Sorgen und Nöte. Aber nur bestimmte werden zu Problemen, die institutionell bearbeitet werden.

 

Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet besonders?
Die Vielschichtigkeit der Themen und die Möglichkeit, an unterschiedliche Wissensbestände und Disziplinen anzuschließen. Ich habe die letzten Jahre viel interdisziplinär kooperiert. Man lernt hier ausgesprochen viel. Das kann mühsam sein, aber man macht nur durch Differenz neue Erfahrungen.

 

Gab es einen Moment in Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, der Sie besonders geprägt hat? 
Ja, das war beim Schreiben meiner Dissertation. Da gab es eine Wandlung von der Suche nach Problemursachen hin zu der Frage, warum Probleme eigentlich als solche interpretiert werden. Das hat mein wissenschaftliches Selbstverständnis grundlegend verändert.

 

Was lernen Studierende in Ihren Veranstaltungen?
Hoffentlich, sich eigenständig zu und in öffentlichen, politischen, aber auch fachlichen Diskursen zu positionieren. Max Weber hatte einmal wissenschaftliches Arbeiten als Arbeit mit „Pflugscharen zur Lockerung des Erdreichs des kontemplativen Denkens“ beschrieben. Ich finde das sehr passend.

 

Ein typischer Satz, den man von Ihnen in Seminaren oft hört?
Was halten Sie denn nun davon?

 

Was ist Ihr Lieblingsort auf dem Campus?
Wo man Kaffee bekommt und auch spontan mal Kolleg:innen treffen kann.

 

Woran arbeiten Sie gerade außerhalb von Forschung und Lehre mit besonderer Begeisterung?
Dann arbeite ich nicht, oder versuche es zumindest…

 

Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht an die Uni denken?
Sport, japanisch essen, und hoffen, dass ich mal wirklich gut abschalten kann.