Prof. Dr. Thomas Ludwig
Thomas Ludwig erforscht menschzentrierte Informationssysteme und fragt, wie Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität so gestaltet werden können, dass sie uns im Alltag und bei der Arbeit unterstützen. Als Professor für dieses Fachgebiet lehrt und forscht er an der Universität Siegen, an der er bereits zu Beginn seiner Karriere tätig war. Vor seiner Rückkehr war er Professor an der FernUniversität in Hagen und trieb in leitenden Rollen die Digitalisierung im regionalen Mittelstand voran. Mit seiner Arbeit schlägt er die Brücke zwischen technologischer Machbarkeit und menschlichen Bedürfnissen und zeigt, wie sich die Arbeitswelt von morgen verantwortungsvoll und wertschöpfend gestalten lässt.
Woran forschen Sie aktuell? Und warum ist das Thema wichtig?
Stellen Sie sich vor, Technik passt sich uns an, nicht umgekehrt. Ich erforsche, wie digitale Werkzeuge, von KI bis zu virtuellen Räumen, die Arbeit in Unternehmen und Organisationen unterstützen, statt sie zu bestimmen. Mein Schwerpunkt liegt darauf, wie Menschen Technologie im Alltag kreativ für sich aneignen, eigene Praktiken entwickeln und so Prozesse aktiv mitgestalten. Das ist wichtig, damit Digitalisierung nicht am Menschen vorbeigeplant wird, sondern echten Nutzen stiftet.
Welche Frage treibt Sie in Ihrer Forschung schon lange um?
Wie schaffen wir es, dass KI und Algorithmen menschliche Expertise erweitern, statt sie zu ersetzen? Mich treibt um, wie Beschäftigte in einer stark automatisierten Welt die Kontrolle über ihre Arbeit behalten und Technologie selbstbestimmt als Werkzeug nutzen können, statt von ihr gesteuert zu werden.
Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet besonders?
Je autonomer Technologie agiert, desto entscheidender wird der Faktor Mensch. Dieses Paradoxon fasziniert mich. Denn erst die Unberechenbarkeit menschlicher Kreativität und sozialer Praktiken macht aus standardisierter Software eine lebendige, wertschöpfende und gesellschaftlich sinnvolle Innovation.
Gab es einen Moment in Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn, der Sie besonders geprägt hat?
Meine Berufung zurück an die Uni Siegen. Hier schließt sich für mich der Kreis. Ich kann internationale Spitzenforschung direkt mit den Menschen und Unternehmen meiner Heimatregion zusammenbringen.
Was lernen Studierende in Ihren Veranstaltungen?
Studierende lernen im besten Fall, die Brücke zwischen technischer Machbarkeit und menschlichen Bedürfnissen zu schlagen. Anhand echter Beispiele aus der Industrie lernen sie, wie man die Einführung neuer Technologien in Unternehmen so steuert, dass sie für die Beschäftigten einen Nutzen bringt.
Ein typischer Satz, den man von Ihnen in Seminaren oft hört?
Als Wirtschaftsinformatiker sollten wir weniger über reine Technologiegestaltung nachdenken, sondern eher darüber, wie wir sinnvolle Technologienutzung gestalten. Denn Code und Algorithmen sind nur die halbe Miete. Die eigentliche Innovation entsteht erst durch die Menschen, die das System am Ende nutzen.
Was ist Ihr Lieblingsort auf dem Campus?
Ich bin gerne im Food Court am Unteren Schloss. Da treffen Studierende, Mitarbeitende und Profs ganz ungezwungen auf die Menschen aus der Stadt. Es ist schön zu sehen, dass hier ein so lebendiger, zentraler Ort im Herzen von Siegen entstanden ist. Außerdem ist es sehr lecker.
Woran arbeiten Sie gerade außerhalb von Forschung und Lehre mit besonderer Begeisterung?
Wenn neben der Uni Zeit bleibt, arbeite ich am liebsten daran, meinen beiden Kindern viel für ihr Leben mitzugeben. Ansonsten arbeite ich viel ehrenamtlich. Ich leite das europäische Netzwerk EUSSET, unterstütze das DIGITALUM Wittgenstein und packe gerne bei den Aufgaben in meinem Heimat-Sportverein mit an.
Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht an die Uni denken?
Dann halte ich selten die Füße still. Entweder arbeite ich rund um unser Haus in Schameder oder power mich bei langen Läufen in der Region aus. Das ist für mich das perfekte Abschalten.