Grenzüberschreitende Mobilität und ihre Folgen: Welche Rolle spielen Institutionen?
Was passiert, wenn staatliche Behörden eine Familienzusammenführung nicht erlauben? Wie viel Macht haben Personen über Arbeitsmigrant*innen, wenn sie für diese bürgen? Wie wirken sich grenzüberschreitende politische Netzwerke auf die Autorität von Führungspersonen aus? Und welche Folgen hat es für Menschen, wenn sie sich ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in einem Land aufhalten? Fünf Jahre lang erforschte die überregionale Forschungsgruppe „Grenzüberschreitende Mobilität und Institutionendynamiken“ an den beteiligten Universitäten in Siegen, Köln und Frankfurt, wie Formen der grenzüberschreitenden Mobilität und Institutionen zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) förderte das Vorhaben, das von Forschenden am Seminar für Sozialwissenschaften der Universität Siegen initiiert wurde.
Die Ergebnisse zeigen: Grenzüberschreitende Mobilität lässt sich politisch nur begrenzt steuern und hängt von sehr unterschiedlichen, nicht immer von einer Seite her kontrollierbaren Faktoren ab. Die vor Ort beteiligten Menschen sind in diverse Institutionen eingebunden, die Mobilität in unterschiedlicher Weise zu regeln suchen. Zudem haben Kontrollversuche häufig nicht beabsichtigte Folgen und grenzüberschreitende Mobilität wirkt sich auf die an ihrer Initiierung und Kontrolle beteiligten Institutionen aus.
Die Projekte führten die Wissenschaftler*innen in unterschiedliche Regionen und Lebenswelten. Die Teilprojekte befassten sich mit der grenzüberschreitenden Mobilität von Chiefs im südlichen Afrika, den Erfahrungen afrikanischer Arbeitsmigrant*innen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit dem Verhältnis zwischen Geduldeten und Ausländerbehörden in Deutschland, den Bedingungen der Familienzusammenführung für Geflüchtete in Deutschland und Frankreich sowie mit internationalen Organisationen und ihrer Norm(um)setzung zum Schutz von Geflüchteten. Dafür arbeiteten über 20 Expert*innen aus Soziologie, Ethnologie und Politikwissenschaften in Forschungsprojekten, die längere Phasen der Feldforschung beinhalteten. Das heißt, sie führten Interviews und beobachteten Abläufe vor Ort. Teilweise sprachen die Wissenschaftler*innen selbst die jeweiligen Sprachen, teilweise unterstützten Übersetzer*innen die Arbeit. Die Forschenden betrachteten verschiedene Formen der Migration und Mobilität dabei nicht isoliert, sondern in sozialen, politischen und institutionellen Zusammenhängen.
Die Ergebnisse der Forschungsgruppe sind inzwischen in zahlreiche Publikationen eingeflossen, die sich mit den speziellen Teilprojekten, aber auch mit übergreifenden Fragen der Forschungsgruppe insgesamt befassen. Darüber hinaus fanden wissenschaftliche Tagungen oder Workshops in Siegen, Köln und Frankfurt sowie Dialogveranstaltungen mit Menschen aus Ländern des globalen Südens statt. Internationale Gäste wurden dabei zu zahlreichen Veranstaltungen eingeladen.