"In der Europäischen Union gibt es einen riesigen Sprachenmix"
Der Amerikanist Prof. Dr. Daniel Stein brachte den Kinderuni-Kindern die Sprachvielfalt und die Kommunikation innerhalb der EU nahe.
Europa ist ein Kontinent. Die Europäische Union ist ein Verbund aus 27 europäischen Staaten. Prof. Daniel Stein: „In der Europäischen Union gibt es einen riesigen Sprachenmix.“ Mit diesem Statement war der Einstieg ins Thema „Sprachen in Europa und warum wir sie lernen. Kann das auch die KI?“ geschafft. „Bunte Vielfalt Europa“ lautet das aktuelle Staffelthema der Kinderuni Siegen. Europa ist vielsprachig: In einem geografischen Gebiet oder einer politischen Einheit werden mehrere Sprachen gesprochen. Mehrsprachig sind Menschen, die mehrere Sprachen beherrschen.
Deutschland ist ein sehr großes Land inmitten der EU. Zudem gibt es weitere deutschsprachige Länder. Deshalb haben etwa 19 Prozent der EU-Bürgerinnen und Bürger Deutsch als Muttersprache. Obwohl Großbritannien nicht mehr Mitglied der EU ist, können etwa 40 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger als Zweitsprache Englisch. Englisch ist also „Lingua franca“, eine Verkehrssprache, mittels derer sich viele Menschen in Europa und auf der ganzen Welt unterhalten können.
Insgesamt zählt die EU 24 Amtssprachen. Stein: „Jeder Bürger und jede Bürgerin der EU kann sich in einer dieser 24 Sprachen an die EU wenden und bekommt in dieser Sprache eine Antwort.“ Aus der Anzahl der Amtssprachen ergeben sich rechnerisch 552 Sprachkombinationen. Deshalb gelten Englisch, Deutsch und Französisch als „Relaissprachen“, in die Ursprungstexte in einem ersten Schritt übersetzt werden. Bei der EU arbeiten 270 verbeamtete Übersetzer und etwa 1500 externe Dolmetscher. Allein im Rahmen des EU-Parlaments fallen jährlich für Übersetzungen und Dolmetscherdienste Kosten in Höhe von etwa 128 Millionen Euro an.
Weltweit gibt es etwa 7000 Sprachen. Sie spiegeln nicht zuletzt Geschichte, Tradition und Kultur menschlicher Gemeinschaften wider. In der EU gibt es neben den Amtssprachen 60 Regional- und Minderheitensprachen sowie auch eine Vielzahl von Dialekten.
„Macht Künstliche Intelligenz die Arbeit von Übersetzern überflüssig?“, stellte der Amerikanist Prof. Stein als Frage in den Raum. Müssen wir also künftig überhaupt noch Fremdsprachen lernen? Zum Abschluss der Kinderuni-Veranstaltung bildete ein eindeutiges „Ja“ die Antwort. Denn die Fähigkeiten von Menschen und KI weichen deutlich voneinander ab. Deutsch gehört zur indogermanischen Sprachfamilie. Diese existiert seit etwa 5000 Jahren. Der Mensch ist das einzige Lebewesen mit einer „Sprache“. Dazu sind verschiedene körperliche Voraussetzungen unabdingbar. Die KI imitiert als Maschine, die Input erhält, menschliche Fähigkeiten. Die Maschine wird trainiert. Sie lernt auf der Basis von Algorithmen (definierte Handlungsschritte). Das heißt, sie speichert zunehmend Daten und auch Zusammenhänge und wertet diese bei Anfragen schrittweise aus. Stein: „Die KI klappert Trainingssätze ab.“ Bei den Antworten liegt sie aber nicht immer richtig.
Mit Blick auf Übersetzungen kann die KI diese automatisch und in Echtzeit anfertigen. Sie ermöglicht Kommunikation ohne Sprachkenntnisse und ist kostengünstig. Die KI übersetzt allerdings wörtlich und hat wenig Sinn für Wortspiele, Sprichworte, Ironie und sprachliche und kulturelle Eigenheiten. Kleine Sprachen sind bei der KI benachteiligt, da die Datenbasis in der Regel geringer ist als bei häufig angewendeten Sprachen. Englisch dominiert die KI-Sprachen.
Die KI ist statisch; sie erkennt keine Mimik und keine Gefühle. Stein: „Die menschliche Ebene fehlt. Das können Menschen besser.“ Wer also in neue Kulturen eintauchen, dadurch einen eigenen Blick auf die Welt erhalten und sich authentisch mit Menschen austauschen möchte, der sollte weiterhin Sprachen lernen. Der Spracherwerb trainiert zudem die kognitiven Fähigkeiten (das Gehirn), verbessert die Kommunikationsfähigkeit, erweitert den Horizont, fördert Empathie, Offenheit und Toleranz und stärkt Selbstbewusstsein. Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zu anderen Kulturen, ermöglichen intensives Erleben auf Reisen, bauen Brücken zwischen Menschen, erleichtern das Freundschaften-Schließen und sind notwendig für Studium und Beruf.