Karrieren brauchen Vorbilder
Im Bild (hintere Reihe, von links): Elisabeth Heinrich, Jenny Morín Nenoff (DAAD), Anna Franziska Pflitsch (FraMeS-Team), Eva Schramm, Jasmin Laura Gerfen, Jeannette Schnüttgen, Julia Kernbach, Meryem Kücükhüseyin, Ronja Müller-Späth, Laura Greawert, Alina Aulbur, Inga Haase (FraMeS-Team). Vordere Reihe (von links): Sheila Gondar Tubío, Jessica Kuhlmann, Emine Aşcı, Vanessa Dobbener, Natacha Kuete Meli, Ermioni Athanasiadi, Jil Alisa Weber, Dr.in Rebecca Weber (Programm-Koordination FraMeS).
Es ist immer gut, einen Mutmacher bei sich zu haben. Ein paar Worte, die erinnern, warum der Weg, über den man vielleicht gerade stolpert, doch der richtige ist. Dr. Rebecca Weber verteilt einen solchen Mutmacher an die Teilnehmerinnen des Frauenmentoring Programms der Universität Siegen (FraMeS). „For the scientist in you“ steht auf dem kleinen Zettel, der in Plastik eingeschweißt ist, denn er soll die Wissenschaftlerinnen lange begleiten. Die Idee ist von Dr. Nadine Hoffmann, Forschungsreferentin der Universität Siegen, die in ihrem Grußwort betonte: „Lernt von den Besten.“ Mit Blick auf Promotion und weitere Forschungsprojekte empfahl sie, trotz hoher Arbeitsbelastung strukturiert vorzugehen: „Verliert euch nicht in Details, konzentriert euch auf die Schritte, die euch wirklich weiterbringen – und genießt die Reise.“
Diese „Reise“ in eine wissenschaftliche Spitzenposition ist anspruchsvoll. Mit dem Mentoringprogramm FraMeS (Frauen-Mentoring Siegen) begleitet die Universität Siegen seit inzwischen 16 Jahren Doktorandinnen, Postdoktorandinnen und Juniorprofessorinnen auf ihrem Karriereweg. Die Programmkoordinatorinnen Dr. Rebecca Weber und Dr. Inga Haase freuen sich, dass das Interesse an dem Angebot nach wie vor hoch ist und die Teilnehmerinnen, die sie bei der Übergabe der Zertifikate begrüßen können, ein Netzwerk bilden, in das sie die neuen Teilnehmerinnen wiederum einbinden können. Denn die Vernetzung von Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Fachrichtungen ist eine der drei Säulen, auf denen FraMeS basiert. Dazu kommen Mentoring und Training. Über einen Zeitraum von einem Jahr werden die Teilnehmerinnen von einer Mentorin oder einem Mentor begleitet, den sie selbst, innerhalb oder außerhalb der Universität Siegen, auswählen. Ergänzt wird das Programm durch Workshops und Seminare zum Erwerb überfachlicher Schlüsselqualifikationen sowie Möglichkeiten zum Austausch.
Die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Elisabeth Heinrich hob die Bedeutung des Programms für die persönliche und wissenschaftliche Entwicklung hervor. „Die Mentees erhalten die Gelegenheit, ihre Arbeit durch die fachlich-professionellen Augen einer Mentorin oder eines Mentors zu betrachten“, sagte sie. Ebenso wertvoll sei der Austausch unter den Teilnehmerinnen. „Auch wenn viele denken, ihre Probleme und Unsicherheiten seien individuell – meistens teilen andere ähnliche Erfahrungen.“ Den Absolventinnen gratulierte Heinrich zu ihrem Engagement und ermutigte sie, ihre Erfahrungen weiterzugeben. Den neuen Teilnehmerinnen gab sie mit auf den Weg: „Nehmen Sie neue Perspektiven ein und nutzen Sie die Möglichkeiten, Kontakte und Netzwerke zu knüpfen.“
Den Festvortrag hielt Dr. Jenny Morín Nenoff, Senior Desk Officer für Diversity und Chancengleichheit beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Unter dem Titel „From invisible to indispensable – science needs diversity“ sprach sie über ihre eigenen Erfahrungen in einem Mentoringprogramm. Als alleinerziehende Mutter während ihrer Promotion seien der Austausch mit anderen Wissenschaftlerinnen und die Unterstützung ihrer Mentorin entscheidend gewesen. „Neugier ist die stärkste Kraftquelle“, sagte Nenoff. Gleichzeitig sehe sie Wissenschaftlerinnen in der Verantwortung, Vorbilder für kommende Generationen zu sein. „Damit mehr Mädchen sagen: Ich möchte Wissenschaftlerin werden und keine Prinzessin.“
In der Diskussion benannten Teilnehmerinnen finanzielle Unsicherheiten, die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft, fehlende Sichtbarkeit sowie die nach wie vor bestehende „gläserne Decke“ als zentrale Herausforderungen wissenschaftlicher Karrieren. „Weil es diese Hindernisse immer noch gibt, sind Mentoringprogramme so wichtig“, betonte Nenoff. Sie erinnerte zudem daran, dass die Leistungen von Wissenschaftlerinnen in der Vergangenheit häufig unsichtbar geblieben seien – etwa bei Persönlichkeiten wie Lise Meitner oder Rosalind Franklin. „Die Stimmen von Frauen in der Wissenschaft müssen noch stärker und lauter werden.“
Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen mahnte Nenoff, das Engagement für Diversität und Gleichstellung nicht nachzulassen. In Zeiten knapper finanzieller Ressourcen bestehe die Gefahr, dass bereits geöffnete Türen sich wieder schließen. Umso wichtiger sei es, die Bedeutung von Chancengleichheit in der Wissenschaft weiterhin deutlich zu machen.
Folgende Absolventinnen erhielten ihr Zertifikat:
Dr.in Julia Kernbach, Eva Schramm, Jasmin Laura Gerfen, Emine Aşcı, Jessica Kuhlmann, Laura Graewert, Ronja Müller-Späth, Dr.in Natacha Kuete Meli, Parvin Ghadamighalandari und Dr.in des. Annika Schebesta.
Die Teilnehmerinnen des neuen FraMeS-Jahrgangs sind:
Vertr. Prof.in Dr.in Jeannette Schnüttgen, Meryem Kücükhüseyin, Dr.in des. Alina Aulbur, Sheila Gondar Tubío, Vanessa Dobbener, Ermioni Athanasiadi, Jil Alisa Weber, Dr.in Rebecca Weber (Programm-Koordination FraMeS) Es fehlen: Dr.in Anne-Grit Su Becker, Magdalena Molkenthin, Dr.in Sidra Naveed, Caroline Streck und Lea Weckert.